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Abos im Namen des TSV

Drückerkolonne in Wolfratshausen? Das steckt dahinter

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Fragliche Methoden an der Haustür: Eine Firma verkauft Abos im Namen des TSV. Das sorgte für reichlich Unmut im Netz.

Wolfratshausen– Die Zeitschriftenwerber klingeln – nicht selten zu später Stunde – in Geretsried, sie läuten in Neufahrn bei Egling. Und sie erzählen während des Verkaufsgesprächs, dass pro verkauftem Abo zehn Euro an die Jugendarbeit des TSV Wolfratshausen gehen. Unter den Angesprochenen an der Haustür sorgt das bestenfalls für Verwunderung, eher aber für Verärgerung.

Auf der Facebook-Seite „Du bist aus Wolfratshausen, wenn ...“ lassen sich einige User über die Vorgehensweise dieser sogenannten Drückerkolonnen aus. Einer hält die Aktion für den „Witz schlechthin“: „Die fahren nach Geretsried, um den TSV Wolfratshausen zu unterstützen. Will mir nicht in den Sinn. Das ist, als würde ich bei einem FCB-Fan für die Löwen sammeln – oder andersherum.“ Andere bezweifeln wiederum, ob der TSV Wolfratshausen überhaupt von dieser Aktion wusste.

Zehn Euro pro Abo für die Nachwuchsarbeit

Alfred Barth „Da war ich wohl etwas zu blauäugig“, räumt der Vorsitzende des TSV Wolfratshausen auf Nachfrage unserer Zeitung ein. 

Er wusste. TSV-Vorsitzender Alfred Barth und sein Fußball-Abteilungsleiter Christian Leipold hatten den Deal im Oktober selbst eingefädelt. Eine Firma namens FPR Sportwerbung sei auf den Verein zugekommen, sagt Barth auf Nachfrage unserer Zeitung, und habe ihnen das Prinzip erklärt: Laut TSV-Chef sollten „zehn Euro von jedem verkauften Abo an unsere Kinder- und Jugendarbeit gehen“. Und als Einstandsgeschenk habe es einen hochwertigen Fußball obendrauf gegeben.

Also unterzeichnete er einen Vertrag. Barths anfängliche Begeisterung, die ihn zu einer freudigen Stellungnahme auf der vereinseigenen Homepage veranlasst hatte, wich nach zahlreichen Anrufen bei ihm zu Hause, darunter einige Beschwerden, einer großen Ernüchterung. „Da war ich wohl etwas zu blauäugig“, räumt der 64-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung hörbar zerknirscht ein. „Und jetzt kriege ich das ganze Fett ab, und das völlig zu Recht.“ Mit Drückerkolonnen habe er zuvor „nie etwas zu tun“ gehabt, folglich seien ihm die zuweilen unmoralischen Geschäftsgebaren dieser Branche nicht bekannt. „Ich habe dem aber etwas unbedarft zugestimmt“, sagt Barth, „das wird mir nie wieder passieren.“

Zusammenarbeit gekündigt

Mittlerweile hat der Verein die Zusammenarbeit mit der FPR Sportwerbung aufgekündigt. Sein Vize Manfred Prankl, sagt Barth, habe das Unternehmen aufgefordert, die Zeitschriftenwerbung im Namen des TSV Wolfratshausen mit sofortiger Wirkung einzustellen.

Anruf in Gerlingen bei Stuttgart, Sitz des Unternehmens FPR: Inhaber Fabio Pinheiro-Reidel bestätigt den Anruf Prankls aus Wolfratshausen – und auch, dass er dem Wunsch der Wölfe nach einer Beendigung der Zusammenarbeit nachkomme, „sobald ich die Kündigung des Vertrags von Herrn Barth als Zeichnungsberechtigten schriftlich habe“.

„Hätten uns auf Wolfratshausen beschränken sollen“

Pinheiro-Reidel räumt auch eigene Fehler ein. „Wir hätten die Werbung auf das Stadtgebiet Wolfratshausen beschränken und nicht in die umliegenden Dörfer gehen sollen.“ In diesem Punkt sei die Kommunikation mit dem TSV Wolfratshausen „einfach zu kurz gekommen“. In die Ecke der unseriös arbeitenden Drückerkolonnen will er seine Firma aber keinesfalls stellen lassen. Von deren fragwürdigen Methoden „distanzieren wir uns ganz klar“, sagt Pinheiro-Reidel. Diese Organisationen würden „nur in die eigene Tasche wirtschaften“.

Ihm als ehemaligen „Leistungsschwimmer aus einem nicht betuchten Elternhaus“, so der FPR-Chef, gehe es bei seinem Geschäftsmodell auch darum, bundesweit Sportvereine in deren Nachwuchsarbeit zu unterstützen. „Sie können gerne recherchieren. Alle Vereine, die mit uns kooperiert haben und bei uns auf der Homepage abgebildet sind, haben ihr Geld bekommen.“ Auch der TSV Wolfratshausen werde seinen Anteil aus den verkauften Abos bekommen – trotz Kündigung.

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