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Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Sebastian und Finja bemalen Gläser mit orientalischen Motiven.

Ein Hauch von 1001 Nacht

Dschungel von Farchet taucht in die arabische Welt ein

Wolfratshausen –  Rote Drachen, goldene Sterne: Im „Dschungel von Farchet“ tauchen die Ferienpasskinder in die arabische Welt ein.

Nina klopft auf einer selbst gebastelten Trommel. Ilias schnitzt einen Speer. Lisa macht es sich auf ihrem orientalischen Himmelbett gemütlich. Ein Bub pinselt das arabische Schriftzeichen für das Wort „Geschlossen“ auf ein Schild, das er danach an einen selbst gebauten Kiosk montiert. Das kleine Wäldchen zwischen dem Fußballstadion an der Kräuterstraße und der angrenzenden Wohnsiedlung ist wieder zum „Dschungel von Farchet“ geworden. Die wohl begehrteste Aktion des Ferienpass-Angebots steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des Orients und der arabischen Welt. 110 Kinder haben sich für die Aktion der Klecks-Schule der Phantasie angemeldet. „Das ist bisheriger Rekordwert“, freut sich die Vorsitzende Kerstin Vetter. Zusammen mit einigen Helfern betreut die Kunstlehrerin die sieben Gruppen, die sich Namen wie „Die roten Drachen“ oder „Die goldenen Sterne“ gegeben haben.

Den meisten Kindern ist die Welt von 1001 Nacht sehr fremd. Die wenigsten von ihnen haben schon einmal einen Urlaub in Marokko oder Tunesien verbracht. Beim gemeinsamen Kochen zeigen sich die kulturellen Unterschiede am deutlichsten. Mit einem skeptischen Blick mustert ein Junge die kleinen Reiskörner, die er mit Gemüse und Minze vermischt. „Das ist Couscous“, erklärt ihm sein Kamerad. Und auf den fragenden Blick hin, den er für die Feststellung erntet, kommt ein bestätigendes: „Das kann man schon essen.“ Überzeugt wirkt der Kleine trotzdem noch nicht. Jeden Tag kümmern sich zwei Gruppen um die kulinarische Versorgung. Auch die steht im Zeichen der arabischen Welt. Unter anderem gibt es Fladenbrot, Couscous, Hülsenfrüchte und Minze.

Rebecca und Nina sitzen auf einer Lichtung zwischen großen Laubbäumen und bauen gemeinsam Trommeln. „Jeder aus unserer Gruppe bekommt eine“, erklärt Nina. Dann taucht sie ihre Hände in einen Eimer voll Kleister und schmiert die glibberige Masse auf ein Papier – und aus Versehen auf die eigene Nase. Das Papier klebt sie anschließend auf die Öffnung eines Blumentopfs. Sieben Schichten braucht sie, dann ist ihre Trommel fertig. „Wenn das getrocknet ist, kann man darauf spielen“, weiß die Siebenjährige. Zuvor möchte sie ihr Instrument mit einem bunten Muster verzieren. Nina war bereits im vergangenen Jahr im Dschungel. „Das hat mir gefallen, deswegen mache ich heuer wieder mit.“

Wenige Meter von den Mädchen entfernt sitzt Michael auf dem Waldboden und sägt Teile von einem großen Holzpfahl ab. Ganz ungefährlich ist das nicht. An seiner linken Hand ist ein Finger bandagiert. „Ich habe mich gestern beim Schnitzen geschnitten“, sagt Michael. Dieses Mal möchte er besser aufpassen. Die Holzstücke, die er heraussägt, sollen einmal Tischbeine werden. Michael deutet auf eine große dunkelbraune Platte, die auf dem Moos liegt. „Das wird unser Wohnzimmertisch.“ Besonders hoch sind die Beine nicht. „Man sitzt dort auf dem Boden und nicht auf Stühlen wie bei uns“, erläutert ein Bub, der an den Tischbeinen schnitzt.

Um den Kindern die Lebensumstände und die Kultur der nordafrikanischen Staaten näherzubringen, besuchen auch einige Bewohner einer Flüchtlingswohngruppe den Farcheter Dschungel. Die Gruppe ist im selben Gebäude wie die Schule der Phantasie untergebracht, der alten Polizei am Untermarkt.

Der Höhepunkt der Ferienpassaktion ist der arabische Basar in einer selbst gebauten Berberhütte, den die Kinder am heutigen Donnerstag ab 14 Uhr ausrichten. „Da wollen wir den Eltern der Teilnehmer viele Sachen anbieten, die wir gemeinsam hergestellt haben“, sagt Kerstin Vetter. Die Auswahl reicht von den Blumentopftrommeln über selbst gefilzte „fliegende“ Teppiche bis hin zu eigens gebauten Backgammon-Spielbrettern.

von Dominik Stallein

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