Viel Wumms, wenig Käufer

E-Autos: Kaum Interesse im Landkreis

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Bis zu 4000 Euro Prämie gibt es beim Kauf eines Elektroautos. Das Geld weckt bei den Kunden im Nordlandkreis aber kaum Interesse. Dafür hat die E-Mobilität ein paar echte Fans.

Kaum Verzögerung, ein hoher Drehmoment und beinahe geräuschlose Beschleunigung: Der Fahrspaß mit Elektroautos ist hoch. „Das geht wie die Hölle“, sagt Angela Pennig-Draksler vom Geretsrieder Hyundai- und Toyota-Autohaus Pennig. Der Markt entwickle sich langsam, auch weil es immer mehr Ladestationen gebe. Wer ein E-Auto ausprobiert hat, steigt mit leuchtenden Augen aus, sagt Pennig-Draksler. Ein Phänomen, das viele Verkäufer bislang nicht beobachten konnten – die tatsächlichen Verkaufszahlen sind gering. Das sagen die Händler im Nordlandkreis übereinstimmend auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die meisten beeindruckt die E-Auto-Prämie des Bundes nicht. Seit Juli gibt es für ein vollelektrisch angetriebenes Auto 4000 Euro, für ein teilelektrisches mit Plug-In-Hybridantrieb 3000 Euro. Automobilhersteller und Staat teilen sich die Förderkosten. Laut dem zuständigen Bundesministerium ist die Prämie bislang deutschlandweit etwa 3000 Mal beantragt worden. Der Fördertopf würde für hundert Mal so viele Fahrzeuge reichen: Er beträgt 1,2 Milliarden Euro.

„Es ist ein langsames Rantasten“, sagt Martina Maier vom gleichnamigen Kia-Händler in Egling. „Eine neue Bananensorte kann man schnell mal ausprobieren, die kostet wenig Geld. Beim Auto ist das anders.“ Langsam komme der Verkauf in Schwung, gerade Firmen seien interessiert.

„Der Kunde will sich noch nicht vom Verbrennungsmotor lösen“, sagt Thomas Huber vom BMW-Autohaus Schmidt in Wolfratshausen. Ähnlich sieht es Karl-Rudolf Billion vom gleichnamigen VW-Autohaus in Geretsried. „Viele setzen sich mit der E-Mobilität auseinander, sehen aber noch Hindernisse.“ Die geringe Reichweite und die Ladedauer der Batterie bereite vielen Bauchschmerzen. Beliebter seien Hybridlösungen, bei denen das Auto zwischen Benzin- und Stromantrieb umschaltet. „Da hat man keine Angst, ohne Strom liegen zu bleiben.“

Nach acht normalen Fahrzeugen verkauft Mitsubishi-Händler Stephan Leitner aus Dorfen einen Hybridwagen, schätzt er den Schnitt. Die Nachfrage nach reinen Elektroautos sei noch geringer. Die würden im ländlichen Raum wenn als Zweitwagen genutzt. „Zum Beispiel für kurze Strecken und zum Einkaufenfahren“, sagt er.

Fans der E-Mobilität gibt es offenbar nur wenige, aber die sind dafür richtig begeistert. Am Wochenende machten sich 150 E-Autos aus der Region zur Rundfahrt um den Ammersee (E-Ruda) auf. Die Tagesstreckenlänge betrug 264 Kilometer. Autofahren mit Elektromotor ist für sie ein Hobby. Im Landkreis organisierte die Energiewende Oberland dazu eine Sternfahrt. Von Miesbach aus ging es über Bad Tölz, Penzberg und Weilheim nach Starnberg, und von dort über Wolfratshausen und Geretsried zurück nach Miesbach.

Das Ziel der Sternfahrt sei es, die Begeisterung der Öffentlichkeit zu präsentieren, sagt Energiewende-Chef Josef Kellner. „Die Elektromobilität nimmt eine bedeutende Rolle in der Reduzierung der Kohlenstoffdioxidemissionen ein.“ Ungefähr ein Drittel der Immissionen im Landkreis seien dem Verkehr zuzuordnen. „Daher müssen wir dringend klimaschonende Lösungen vorantreiben.“

dor

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