Menschen warten an einer Bushaltestelle.
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Gleich kommt der Bus: In Bad Tölz gibt es seit 2019 ein dynamisches Fahrgastinformationssystem. Rund 180 000 Euro hat die Kommune dafür ausgegeben, der Landkreis beteiligte sich mit 5000 Euro an der Investition.

Stadt beschränkt sich auf Pilotprojekt am Bahnhof

Echtzeit-Infos für Busfahrgäste: Wolfratshausen streicht Wunschliste zusammen

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Infos für Busfahrgäste in Echtzeit: Zahlreiche Monitore sollten in der Stadt Wolfratshausen aufgehängt werden - doch daraus wird nichts.

  • Wann kommt der nächste Bus? In Wolfratshausen sollte diese Frage in Echtzeit beantwortet werden.
  • Der Plan: Monitore an vielen MVV- und Stadtbushaltestellen im Stadtgebiet installieren.
  • Mit Blick auf die Haushaltslage strich der Bauausschuss die Wunschliste aber kräftig zusammen.

Wolfratshausen – Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) hatte es im Interview mit unserer Zeitung angekündigt: Die Stadt schafft ein sogenanntes dynamisches Fahrgastinformationssystem, kurz DFI an. Damit soll den Bürgern auf Anzeigentafeln angekündigt werden, in wie vielen Minuten der nächste MVV- beziehungsweise Stadtbus am jeweiligen Haltepunkt eintrifft. Doch unterm Strich wird’s nur eine „Pilotanlage“ am S-Bahnhof geben. Das entschied der Bauausschuss am Dienstagabend.

350.000 Euro hätte die Anschaffung gekostet

Der Landkreis hatte die Kommunen vor einiger Zeit angeschrieben und über das Projekt „DFI-Systeme für den MVV-Regionalbusverkehr“ informiert. Die acht MVV-Verbundlandkreise hatten sich dazu entschlossen, ein einheitliches DFI-System zu unterstützen. In der Folge machte sich die Arbeitsgruppe (AG) Stadtbus des Wolfratshauser Stadtrats ans Werk und eruierte, an welchen Haltestellen ein elektronischer Anzeiger sinnvoll wäre. Das Ergebnis: Drei große, zwölf mittelgroße und 19 kleine Bildschirme sollten es werden. Doch inzwischen stellte sich heraus: Die 350 000 Euro teure Anschaffung müsste aus dem Stadtsäckel bezahlt werden, weil die Stadt der sogenannte Baulastträger wäre. „Da helfen auch keine Verhandlungen“, erklärte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) in der Sitzung, „das müssen wir bezahlen, daran lässt sich nicht rütteln“.

Stadtrat Kugler ist „schockiert“

Zudem müsste die Kommune laut MVV jährlich rund 55 000 Euro für die Wartung des Info-Systems auf den Tisch legen. Diese Zahl „schockiert mich“, sagte Richard Kugler (Wolfratshauser Liste), denn nach Adam Riese kämen in nur zehn Jahren mehr als eine halbe Million Euro Wartungskosten zusammen. Auch Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) sträubte sich gegen die Investition. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie „müssen wir gewaltig sparen“, so Eibl.

Sie nutze den Stadtbus regelmäßig, sagte Gerlinde Berchtold (SPD). In ihren Augen ist es „nicht notwendig“, via Monitor bekannt zu geben, „dass in zwei oder drei Minuten ein Bus kommt“. Die Stadtbusnutzer „kennen sich inzwischen sehr gut aus“, berichtete Berchtold. Eine „Pilotanlage“ am S-Bahnhof, zugleich Drehkreuz zahlreicher MVV-Busse, reiche völlig aus. Derselben Meinung war Peter Ley (Bürgervereinigung), Mitglied der AG Stadtbus. Er würde zwar gerne viel mehr Haltestellen mit Info-Tafeln ausrüsten, doch dem stehe die angespannte Haushaltslage entgegen.

Außer den Grünen haben alle anderen Fraktionen nur die Haushaltsberatungen vor Augen und verschließen die Augen vor den Folgen der Klimakrise.“ 

Dr. Hans Schmidt, Stadtrat der Grünen

AG-Mitglied Dr. Hans Schmidt (Grüne) plädierte für das Pilotprojekt am Bahnhof – und darüber hinaus für Monitore an den fünf frequenzstärksten Stadtbus-Haltestellen. Das Gros des Bauausschusses entschied anders: Nur am S-Bahnhof wird ein dynamisches Fahrgastinformationssystem installiert, die Investitionskosten belaufen sich auf rund 55 000 Euro, der Unterhalt kostet pro Jahr 4000 Euro. Laut Rathauschef ist bei der Anschaffung mit einem Zuschuss von mindestens 50 Prozent der förderfähigen Investitionskosten zu rechnen.

Info-System wäre ein Anreiz für die Menschen, auf den Bus umzusteigen

Dr. Schmidt und sein Fraktionskollege Rudi Seibt haderten mit der Entscheidung: Wer die Verkehrswende wolle, müsse nicht zuletzt den Öffentlichen Personennahverkehr „in der Öffentlichkeit präsenter machen“, so Schmidt. Außer den Grünen hätten alle anderen Fraktionen „nur die Haushaltsberatungen vor Augen und verschließen die Augen vor den Folgen der Klimakrise“. Fahrgastinformationen in Echtzeit seien ein potenzieller Anreiz, Menschen zur Nutzung der MVV- und des Stadtbusses zu bewegen. Obwohl das DFI-System auf WLAN-Technik basiert, hätte es Mobilfunkkritiker Dr. Schmidt gerne gesehen, wenn es flächendeckender und nicht nur punktuell errichtet würde. „Vielleicht ziehen wir ja nach, wenn wir es uns finanziell wieder erlauben können“, meinte Bürgermeister Heilinglechner. (cce)

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