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Einbahnregelung: Der auf dem K raft-Areal geplante Edeka-Markt sowie die Wohnungen sind laut Bürgermeister „ausschließlich“ über die Sauerlacher Straße erreichbar. Es wird eine neue Linksabbiegespur angelegt.

Das 11.000 Quadratmeter große Kraft-Areal wird bebaut

Edeka und Wohnungen: Wie Wolfratshausen den Verkehrsinfarkt verhindern will

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Das rund 11.000 Quadratmeter große Kraft-Areal am S-Bahnhof in Wolfratshausen wird bebaut. Viele Bürger fürchten einen Verkehrsinfarkt.

Wolfratshausen– Der Stadtrat hat in einer Sondersitzung den Weg für die Bebauung des Kraft-Areals freigemacht. Wie berichtet hat der Investor, die Loisach Einkaufszentrum GmbH und Co. KG, seinen ursprünglichen Plan geändert: Auf dem rund 11 000 Quadratmeter großen Grundstück östlich des S-Bahnhofs entstehen weniger Gewerbeflächen – stattdessen deutlich mehr Wohnungen. Das heißt in den Augen von Josef Praller, Fraktionssprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), „weniger Verkehr“. Sein Fraktionskollege, Ex-Rathauschef Helmut Forster, ist derselben Meinung: „Einen Verkehrsinfarkt wird’s nicht geben“, konstatierte Forster in der Sondersitzung.

Gegen den Strom schwamm allein Richard Kugler (parteifrei für die CSU). Er stimmte als einziger gegen die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Kraft-Areal. Kugler kritisierte das Bauvorhaben als „zu massiv“. Ein Vollsortimenter (Edeka) mit Getränkemarkt und Bäckerei plus zahlreiche Wohnungen: Für Kugler zeichnet sich ein „Verkehrschaos“ ab.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) ist dagegen zuversichtlich, dass der Verkehr „weitestgehend ausgeglichen abgeführt und kompensiert“ werden kann. Aufs Kraft-Areal soll von der Sauerlacher Straße eine Linksabbiegespur führen. Wer wann fahren darf, wird in dem Bereich eine neue Ampelanlage regeln.

Die Mieter der Wohnungen, die im nördlichen Teil des Grundstücks sowie auf dem Edeka-Gebäude vorgesehen sind, erreichen ihr Zuhause laut Heilinglechner „ausschließlich“ über die Sauerlacher Straße. „Die Ausfahrt der Wohnbebauung kann zusätzlich über die im Norden gelegene Straße ,Auf der Haid‘ erfolgen.“

Die Kunden des Nahversorgers nutzen ausschließlich die Ausfahrt auf die Sauerlacher Straße“, ergänzte Bauamtsleiterin Susanne Leonhard. Nach ihren Worten hat das Staatliche Bauamt Weilheim Ende Januar dem Bebauungsplan ohne Bedenken zugestimmt. Besonders unter die Lupe nahm die Behörde das vom Investor in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten sowie die Stadtplanung vom Münchner Büro Obermayer Planen & Beraten.

Die neuen Absichten der Loisach Einkaufszentrum GmbH und Co. KG bedeuten für Stadtrat Praller: „Der Verkehr wird reduziert.“ Zunächst hatte die in Grünwald beheimatete Gesellschaft vor, auf dem Kraft-Areal einen Lebensmittelvollsortimenter, einen Discounter, eine Bäckerei, einen Zeitschriftenkiosk, einen Sport- und einen Textilfachmarkt sowie einen Elektrogroßmarkt mit einer Gesamtverkaufsfläche von 6500 Quadratmetern anzusiedeln. Das nun verfolgte Projekt sieht ein Hauptgebäude mit einer Grundfläche von nur 4000 Quadratmetern vor. Die Fläche für Wohnbebauung erhöht sich von etwas mehr als 400 auf 2000 Quadratmeter.

Um möglichst viel Wohnnutzung auf dem Areal unterzubringen, ist eine Staffelung der Höhenentwicklung geplant. Sie soll laut Bauamtsleiterin Leonhard an die bereits bestehende Wohnbebauung im Norden und Osten angepasst werden und nach Süden und Westen ansteigen. Das nördlichste Wohngebäude ist dreigeschossig konzipiert, die anderen dreigeschossig plus Dachgeschoss.

Das Kraft-Areal gilt laut Stadtratsbeschluss als sogenanntes Kerngebiet – wird also nicht als Sondergebiet ausgewiesen. Auf diese Feststellung legte CSU-Fraktionschef Günther Eibl großen Wert. Nach dem noch zu treffenden Billigungsbeschluss des Gremiums ist die Bebauung hinsichtlich Gewerbeflächen beziehungsweise Wohngebiet dann sozusagen in Stein gemeißelt. Nachträglichen Veränderungen, das heißt insbesondere zusätzliche Gewerbenutzungen, wäre ein Riegel vorgeschoben.

Bürgermeister Heilinglechner betonte, dass „ein Vollsortimenter an dieser Stelle zwingend erforderlich ist“. Um den künftigen Edeka-Markt in S-Bahnhof-Nähe herum gebe es „ein sehr großes Wohngebiet“. Die Menschen hätten künftig die Möglichkeit, sich auf kurzem Weg zu versorgen. Stadtrat Kugler sah’s genau so, prognostizierte jedoch in der Sondersitzung, dass an anderer Stelle in der Flößerstadt ein Edeka-Markt Umsatzeinbußen zu spüren bekommen und dadurch in die Knie gezwungen werde. „Das ist letztlich eine Konzernentscheidung“, auf die die Kommune keinerlei Einfluss habe, entgegnete Heilinglechner. cce

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