Klaus Heininger steht mit einer Kiste mit Lebensmitteln vor einem Edeka-Markt
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Will die Tafel weiterhin unterstützen: Klaus Heininger, Betreiber eines Edeka-Marktes in Wolfratshausen und in Geretsried.

„Friedensgipfel“ in Wolfratshausen

Nach Kritik von Edeka-Betreiber: Tafel nimmt Stellung zu Vorwürfen

Der Streit zwischen Edeka-Chef Klaus Heininger und der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel hat hohe Wellen geschlagen.

  • Edeka-Chef beklagte: Tafel-Helfer lassen viele Lebensmittelspenden stehen
  • Konflikt schlägt hohe Wellen
  • Nach „Friedensgipfel“ haben Edeka-Chef und Tafel den Konflikt beigelegt

Wolfratshausen/Geretsried – Die Beschwerde des Edeka-Chefs schlug hohe Wellen: Weil ein Großteil der Lebensmittel, die Klaus Heininger für die Tafel zur Verfügung stellte, an der Ladentür seiner Märkte in Wolfratshausen und Geretsried stehen blieb, monierte der Einzelhändler die Abholpraxis der Ehrenamtlichen. Die Tafel erklärte das Stehenlassen von abgelaufenen Milchprodukten und Frischware mit Auflagen, die aus Gesundheitsgründen eingehalten werden müssen. Jetzt haben beide Seiten ihren Disput beigelegt.

Tafel lässt Lebensmittel vor Edeka stehen: Supermarkt-Betreiber geht an die Öffentlichkeit

Nachdem Heininger den Konflikt im Merkur öffentlich gemacht hatte, quoll sein E-Mail-Postfach über: „Es haben sich wahnsinnig viele Kollegen bei mir gemeldet, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.“ Die Berichte von Ladenbetreibern aus Nachbarlandkreisen habe er „in Ruhe gelesen“. Zugleich suchte die Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel das Gespräch mit Heininger. „Wir haben den Konflikt ausgeräumt und mir wurden die Auflagen und Probleme beim Abholen erklärt“, berichtet der Supermarkt-Betreiber. So würden die Ehrenamtlichen im Zweifelsfall lieber einen Joghurt stehen lassen, der das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, als ein möglicherweise verdorbenes Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. „Das kann ich ja alles verstehen“, sagt Heininger. „Es gibt überall Auflagen, das kriege ich in meinem Berufsalltag ja auch immer wieder mit.“

Tafel-Sprecherin aus Wolfratshausen: „Für uns ist das Thema nach einem Gespräch erledigt gewesen“

Der Edeka-Chef will auch weiterhin mit der Tafel-Spitze in Kontakt bleiben, um mögliche neue Konflikte zu vermeiden. Claudia Brenner, Sprecherin der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel, bestätigt den Friedensgipfel zwischen dem Ladenbetreiber und den Ehrenamtlichen: „Für uns ist das Thema nach einem Gespräch erledigt gewesen“, sagt sie. Wie schon im Interview mit unserer Zeitung hätte sie dem Geretsrieder Unternehmer „erklärt, wie wir arbeiten und an welche Vorgaben wir uns halten müssen“. Das habe sie auch einigen Menschen erläutert, die sich nach Erscheinen des Artikels per E-Mail an die Tafel gewandt hatten, berichtet die Vize-Vorsitzende des Vereins. „Die meisten können die Problematik verstehen, wenn man ihnen einen Einblick gibt. In die Thematik ist Ruhe eingekehrt.“

Edeka-Chef will weiterhin Lebensmittel vor der Tonne retten - Tafel wegen Corona geschlossen

Derzeit herrscht bei der Tafel ohnehin Stillstand: Wegen des Lockdowns hat sich die hiesige Tafel „wie viele andere Verbände auch“ entschieden, die Lebensmittelverteilung bis mindestens Ende November einzustellen. Edeka-Chef Heininger möchte auch in diesem Zeitraum keine Lebensmittel in den Müll werfen – und hat eine Lösung gefunden: Als Reaktion auf den Zeitungsartikel hatten sich einige Menschen bei ihm gemeldet, die sich über die nicht abgeholten Waren freuen würden. „Denen gebe ich die Lebensmittel jetzt für ein paar Euro, solange die Tafel zu ist“, sagt Heininger.

Sobald die Ehrenamtlichen ihre Arbeit wieder aufnehmen, stelle er seine nicht verkauften Waren natürlich wieder der Tafel zur Verfügung, versichert Heininger. „Das steht für mich völlig außer Frage. Die Tafel macht eine wichtige und gute Arbeit, die ich selbstverständlich weiterhin unterstützen möchte.“ Vor allem kann Heininger damit vermeiden, was ihm ein Graus ist: „Ich möchte so wenig Lebensmittel wie möglich entsorgen müssen.“

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Dominik Stallein

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