Johann Killer (re.), Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen,  Josef Pallauf (li.) wurde für seine 35-jährige Arbeit als Kassier zum Ehrenmitglied ernannt, Geschäftsführer Florian Loher (Mitte)
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Ehre, wem Ehre gebührt: Johann Killer (re.), Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen, erhielt für seine über 15-jährige Tätigkeit als Vorstand die Ehrennadel in Silber, Josef Pallauf (li.) wurde für seine 35-jährige Arbeit als Kassier zum Ehrenmitglied ernannt. Geschäftsführer Florian Loher (Mitte) gratulierte.

Schwierige Zeiten für Waldbesitzer

Jahresversammlung der Waldbesitzervereinigung zeichnet ein düsteres Zukunftsbild

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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In der Jahresversammlung der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen wurde einmal mehr deutlich, wie schwer es Waldbesitzer es derzeit haben.

Egling – Die Rückschau war düster, und die Aussichten sind es auch. „2019 war ein verlorenes Jahr für Waldbesitzer und Wald, 2020 wird wohl kaum besser“, bilanzierte Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen auf der Jahresversammlung in Aufhofen. „Durch Trockenheit, Stürme, Borkenkäfer und Schneebruch sind unsere Wälder stark gezeichnet“, erklärte er. „Die Bewältigung dieser Schäden ließ fast keine Zeit für die dringend notwendige Waldpflege, und die geringen Holzpreise machen diese zunehmend defizitär.”

Das Jahr 2019 begann mit den größten Schneebruchschäden seit über 30 Jahren. Auch wenn sich die waldbaulichen Schäden in Grenzen hielten, war der Arbeitsanfall immens. „Nur durch die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern, der Waldbesitzervereinigung mit ihren Unternehmern sowie den staatlichen Förstern konnte das meiste Holz rechtzeitig vor dem Ausschwärmen des Borkenkäfers aus dem Wald gebracht werden“, lobte Killer.

Der Holzmarkt ist nahezu zum Erliegen gekommen

So gelang es, eine Massenvermehrung des Schädlings in der Region zu verhindern. Aber: Aufgrund der deutschland- und europaweiten Waldschäden brach der Holzmarkt zusammen. „Unsere Waldbesitzer, die nun seit fünf Jahren unter Dauerstress standen, waren bei diesen miserablen Holzpreisen kaum noch zur Waldpflege zu motivieren“, so der Vorsitzende.

Die geringere Aktivität der Waldbesitzer spiegelte sich auch in einer reduzierten Holzvermarktung wider. „Im Jahr 2019 hat die Waldbesitzervereinigung, damals noch als eingetragener Verein, insgesamt 44 342 Festmeter Holz vermarktet“, erläuterte Geschäftsführer Florian Loher. Der Schwerpunkt habe wie üblich beim Kurzholz gelegen, aber auch Langholz und Brennholz seien abgesetzt worden. Was Fortbildungen angeht, war die WBV sehr aktiv. In 37 Veranstaltungen wurden knapp 1000 Waldbesitzer geschult.

Corona schadet auch den Waldbesitzern

Mit Blick auf das Jahr 2020 erklärte Killer, dass auch die Forstwirtschaft an den Folgen der Corona-Pandemie leidet. „Geschlossene Grenzen, verringerter Holzabsatz nach Italien und in andere Staaten und eine deutlich reduzierte Holzabnahme in den Sägewerken führten in Verbindung mit dem riesigen Überangebot an Schadhölzern in Folge Trockenheit und Käferbefall aus dem In- und Ausland zu historisch niedrigen Holzpreisen“, erklärte er. Entsprechend wenig Holz wurde von den Mitgliedern eingeschlagen. „Der Holzmarkt kam fast zum Stillstand.“

Die WBV hat auf die veränderten Umstände schnell reagiert. „Die Geschäftsstelle wurde in zwei Schichten organisiert, um trotz möglicher Infektionen handlungsfähig zu bleiben“, so Killer. Um die eingebrochenen Umsätze zu kompensieren, sei ein strikter Sparkurs entwickelt und umgesetzt worden.

Die Borkenkäfersituation hat sich fast überall im Verbandsgebiet zum Guten entwickelt. „Hatten wir im trockenen und heißen April noch große Sorge, dämpften die regenreichen und kühlen Folgemonate in Verbindung mit der inzwischen sehr professionellen Borkenkäferbekämpfung die Schäden“, so Killer. Insgesamt war der Käferholzanfall so gering wie seit vielen Jahren nicht mehr. Generell habe sich gezeigt, dass gemischte und gut gepflegte Wälder weniger Schäden aufweisen.

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Die Holzpreise für das Jahr 2020 sind noch nicht endgültig verhandelt. Vermutlich wird es wie im vergangenen Jahr laufen. „Damals hatte sich die Zeit zwischen Oktober und Dezember als idealer Einschlagszeitpunkt in Bezug auf Witterung und Marktumfeld erwiesen“, so Killer. Denn: Die enge Abfolge von sogenannten Kalamitäten habe immer zunächst zu einem kräftigen Überangebot und dann zu einer Verknappung des Holzes in Folge geringer Holzpreise geführt. „Die Ausschläge nach oben, vor allem aber nach unten waren extrem“, so Florian Loher.

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Tagesaktuell stellt die Waldbesitzervereinigung eine sehr erfreuliche Marktbelebung für bestimmte Produkte fest. Killer. „Erfolgreiche Forstbetriebe nutzen genau diese Nachfragesituation aus und stellen zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt bereit.“ Entscheidend sei, dass der Waldbesitzer über die Informationen verfügt, die die Waldbesitzervereinigung ihren Mitgliedern seit mehr als 70 Jahren vermittelt.

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