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Preview im Wolfratshauser Kino: Regisseur und Schauspieler Josef Bierbichler (links am Tisch), sein Sohn Simon Donatz sowie weitere Protagonisten des Films „Zwei Herren im Anzug“ stellten sich den Fragen der Besucher.

Ein Film über das Schweigen innerhalb einer Familie 

Josef Bierbichler spricht in Wolfratshausen über sein Regie-Debüt

„Zwei Herren im Anzug“ heißt der Film, mit dem Schauspieler Josef Bierbichler sein Regie-Debüt feiert. Nun stellte er sich bei der Preview im Wolfratshauser Kino den Fragen des Publikums.

Wolfratshausen – Was haben Kloster Andechs, Prien am Chiemsee, Regensburg, Penzberg, Leipzig und Berlin mit Wolfratshausen gemeinsam? Die Antwort: Diese erlesene Standortauswahl traf Regisseur Josef Bierbichler, um gemeinsam mit Schauspielern, Projektbeteiligten und dem Publikum über seinen Film „Zwei Herren im Anzug“ zu sprechen. Im Kino an der Bahnhofstraße hatte die Crew einige Fragen zu beantworten.

„Eigentlich sollte der Film ja eine Komödie werden“, verriet Bierbichler. Eine Vorgabe, die er natürlich nicht einhielt. Denn sein Film, entstanden nach Motiven seines vor sieben Jahren veröffentlichten Romans „Mittelreich“, spart nicht mit schockierenden Szenen: Kindesmissbrauch im Kloster Ettal, Vergasung während des Zweiten Weltkriegs und eine explizite Sexszene zwischen Semi (gespielt von Simon Donatz, Sohn von Josef Bierbichler) und seiner todkranken Mutter Theres (gespielt von Martina Gedeck).

Adolf Hitler tanzt in Strapsen

Auf Dauer wäre so viel belastender Stoff für den Zuschauer nicht zu verkraften. Gut also, dass daneben auch die eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bilder von Kameramann Tom Fährmann und die schauspielerischen Glanzleistungen in Erinnerung bleiben. Wenn sich beispielsweise Frau Meinrad (Catrin Striebeck) während einer ausufernden Faschingsfeier in der Seewirtschaft als tanzender Adolf Hitler in Strapsen präsentiert, bleibt einem fast das Lachen im Halse stecken. Musikalisch begleitet wird diese Szene vom Bläsersound der Oberammergauer Band „Kofelgschroa“. „Die habe ich bewusst ausgesucht, weil ich keine typische Filmmusik wollte“, erklärte Bierbichler. 

Eine Besucherin erkundigte sich bei Maskenbildnerin Anette Keiser, ob der ausgemergelte nackte Körper von Theres wirklich dem der attraktiven Schauspielerin Martina Gedeck entsprochen habe. „Da haben wir ein Double genommen“, verriet Keiser. Hohen Wiederkennungswert hat dagegen die im Film gezeigte Uferlandschaft am Starnberger See. Dort tauchen auch die zwei Herren im Anzug (Johan Simons und Peter Brombacher), die dem Film seinen Titel gaben, auf beziehungsweise ab.

„Heimat muss nicht verordnet werden“

„Ich konnte den Film nicht ,Mittelreich‘ nennen“, gestand Bierbichler. Denn zahlreiche Passagen aus seinem 2011 veröffentlichten Roman sucht man auf der Leinwand vergeblich. „Der Film wäre dann über vier Stunden lang geworden“, ist sich der 69-Jährige sicher. Ob sein Werk „Heimatfilm“ genannt werden darf, bleibt umstritten. Von den Sichtweisen des neuen Heimatministers Horst Seehofer distanzierte sich Bierbichler ohnehin klar: „Heimat muss nicht verordnet werden.“

Der in Ambach am Starnberger See geborene und aufgewachsene Schauspieler fühlte sich dennoch sichtlich wohl in Wolfratshausen. Bevor er sich verabschiedete, überreichten ihm die Kinoinhaberinnen Gudrun Heigl und Cornelia John noch eine Flasche Wein als Abschiedsgeschenk. Und auch die Premierenbesucher wurden nicht mit leeren Händen der kalten Märznacht überlassen: Sie erhielten vom Filmverleih gestiftete Wetterkerzen.

Info

Der Film „Zwei Herren im Anzug“ ist bis Mittwoch, 28. März, jeden Tag um 17 und um 20.15 Uhr im Kino an der Bahnhofstraße 10 zu sehen.

Peter Herrmann

Lesen Sie auch: So viel Wolfratshausen steckt im Kinofilm „Arthur & Claire“

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