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Rot mit heller Unterseite: Der Rotfuchs ist der am weitesten verbreitete in unserer Region. Er kann bis zu zehn Jahre alt und zehn Kilo schwer werden.

Interview

Ein Fuchs auf dem Sofa: Das sollten Landkreisbürger wissen

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Ein Fuchs machte es sich im Wohnzimmer bequem: Der Fall im Landkreis Miesbach wirft Fragen auf – Franz Steger und Dr. Georg Unterholzner geben Antworten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein Fuchs hat es sich kürzlich im Haus einer Rottacherin im Landkreis Miesbach bequem gemacht: Seelenruhig schlief er im Wohnzimmer auf der Couch. Das Tier, das an der Räude litt, war durch die geöffnete Terrassentür ins Haus geschlüpft. Rückt der Fuchs immer näher an den Menschen heran? Das wollte unsere Zeitung von Veterinärmediziner Dr. Georg Unterholzner und Franz Steger, Leiter des Sachgebiets Umwelt im Landratsamt, wissen.

Herr Steger, wie viele Füchse gibt es schätzungsweise im Landkreis?

Steger: Füchse sind Wildtiere und daher zahlenmäßig nicht zu erfassen. Konkrete Zahlen über den Bestand liegen uns nicht vor und wären auch nur grobe Spekulation. Im Jagdjahr 2016/17 wurden nach den Meldungen der Revierinhaber im Landkreis 919 Füchse erlegt und 112 verendet aufgefunden. 213 Tiere sind dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.

Welche Fuchsart ist die am weitesten verbreitete in unserer Region?

Steger: Der Fuchs, der bei uns vorkommt, hat ein rötliches Fell mit heller Unterseite. Deshalb wird er auch als Rotfuchs bezeichnet. Er gehört zur Familie der Hundeartigen wie auch Wolf, Kojote oder Haushund und wird als solcher den kleineren Beutegreifern zugeordnet. Der Fuchs ist vorzugsweise dämmerungs- und nachtaktiv. Geruchs- und Gehörsinn sind hervorragend ausgebildet. Sehr gut ist auch sein Lernvermögen, weshalb das Tier als sprichwörtlich schlau bezeichnet wird.

Rückt der Fuchs deshalb immer näher an den Menschen heran?

Steger: Der Fuchs ist der Kulturfolger schlechthin. Sein Lebensraum umfasst heute sowohl den Wald vom Flachland bis ins Gebirge als auch zunehmend die Dörfer und Städte. Dort findet er die nötigen Verstecke und ein reichhaltiges Futterangebot. Das kann der Komposthaufen ebenso sein wie der Futternapf, der für die Katze oder den Igel gedacht war. Siedlungsräume sind deshalb für ihn sehr attraktiv, wo man ihn auch gelegentlich zu sehen bekommt. Die meisten Füchse leben aber nach wie vor im Wald.

Im August wurde in Wolfratshausen bei einem Fuchs Staupe nachgewiesen. Der Fuchs aus Rottach litt an der Räude. Sind diese Erkrankungen gefährlich?

Dr. Unterholzner: Die Staupe ist eine Viruserkrankung, die für Füchse und auch Hunde gefährlich ist. Sie wird durch Kontakt übertragen. Es gibt unterschiedliche Symptome, und meist endet die Staupe tödlich mit starken zentralnervösen Erscheinungen. Das heißt, die Tiere verlieren ihre Scheu, verkriechen sich in Ställen oder Schuppen und verenden dort. Gegen Staupe können Hunde geimpft werden. Die Fuchsräude ist eine parasitäre Hauterkrankung, die durch Milben verursacht wird. Die Tierchen graben sich in die Haut ein und verursachen einen starken Juckreiz und eine tiefe Dermatitis. Fuchs und Hund können an der Räude erkranken. Sie wird ebenfalls durch Kontakt übertragen, kann aber behandelt werden.

Was können Hundebesitzer tun, damit sich ihre Vierbeiner nicht infizieren?

Dr. Unterholzner: Die beste Prophylaxe ist, den Hund nicht frei laufen zu lassen. Somit kann er nicht mit etwaigen Krankheitsträgern von einem lebenden oder toten Fuchs in Kontakt kommen.

Sind diese Krankheiten für den Menschen gefährlich?

Dr. Unterholzner: Beide Erkrankungen sind für den Menschen nicht gefährlich.

Wie verhält es sich mit dem Fuchsbandwurm?

Dr. Unterholzner: Ein großer Teil der Füchse ist Träger des Fuchsbandwurms. Werden seine Eier vom Menschen aufgenommen, können sich, vor allem in der Leber, große Zysten mit einer Zwischenform des Parasiten bilden. Sie können lebensgefährlich werden. Ein großes Problem ist die lange Inkubationszeit von bis zu 15 Jahren, bis Symptome auftreten können. Es gibt keine Medikamente zur Behandlung der Zysten. Sie müssen operativ entfernt werden, sofern das noch möglich ist.

Wie wird der Fuchsbandwurm übertragen?

Dr. Unterholzner: Er wird von allen mäusefressenden Tieren übertragen, also auch von Katzen und Hunden. Deshalb ist es so wichtig, Haustiere regelmäßig zu entwurmen.

Wie schaut es mit der Tollwut aus?

Dr. Unterholzner: Der letzte Tollwutfall im Landkreis ist mehr als 15 Jahre her. In Deutschland gibt es seit Jahren keinen Fall von Fuchstollwut. Die Köderimpfung der Füchse um die Jahrhundertwende hat hier sehr gute Dienste geleistet.

Darf der Fuchs bejagt werden?

Steger: Füchse haben das ganze Jahr Jagdzeit. Allerdings dürfen die Elterntiere, also Fähen und Rüden, in der Zeit der Aufzucht bis zum Selbstständigwerden der Jungen nicht gejagt werden. Das gilt vom 1. März bis zum 15. Juli.

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