Autos stehen auf einem Parkplatz.
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Kostenpflichtig sind die Stellplätze unter anderem auf dem Hatzplatz. Gratis-Parken führt laut Stadtmanager Dr. Stefan Werner oftmals dazu, dass Dauerparker die begehrten Flächen belegen.

„Ein guter Gedanke, aber...“

Gratis-Parken in der Corona-Zeit: Stadtmanager betrachtet die Option differenziert

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Corona-Pandemie bleibt in der Loisachstadt auch für Gastronomie und Gewerbetreibende nicht ohne Folgen. Wäre Gratis-Parken eine Möglichkeit, den Geschäftsleuten unter die Arme zu greifen?

Wolfratshausen – Die Gewerbetreibenden und die Wirte trafen die Folgen der Corona-Pandemie mit voller Wucht. Wochenlang waren viele Geschäfte und Restaurants geschlossen, die Umsätze sind unwiederbringlich verloren. Auch seit dem Neustart halten sich noch viele Menschen in puncto Einkaufsbummel und Wirtshausbesuch zurück. Welche Hilfe leistet die Kommune? Warum, das fragen sich einige Einzelhändler, verzichtet die Stadt beispielsweise nicht auf die Parkgebühren?

„Ein guter Gedanke“, sagt Wolfratshausens Stadtmanager Dr. Stefan Werner. Doch die potenziellen Wirkungen des Gratis-Parkens müssten differenziert betrachtet werden. „Die vorhandenen Parkplätze sollen in ausreichender Anzahl für Kunden der Geschäfte bereitgehalten werden“, so der Stadtmanager. „Pauschal kostenfreies Parken führt oftmals dazu, dass Dauerparker diese Plätze belegen.“ Gebührenfreies Parken sei also nicht unbedingt gleichzusetzen mit positiven Effekten für den Handel in der Innenstadt.

Der Stadtmanager weiß, dass andere Kommunen als Konsequenz aus der Corona-Pandemie auf die Parkgebühr verzichten, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu entlasten. So ließen sich aktuell die Mindestabstands- und andere Hygieneregeln in Bussen und Bahnen leichter einhalten. Aber: „Die Überlastung des ÖPNV ist in Wolfratshausen derzeit nicht das Problem, deshalb erscheint uns dies auch keine überzeugende Grundlage für solch eine Maßnahme zu sein.“

Allerdings sei Bürgermeister Klaus Heilinglechner gerne bereit, „gemeinsam mit der Händlergemeinschaft nach wirkungsvollen Lösungsvarianten zu suchen“, betont Werner gegenüber unserer Zeitung. Unter Umständen könnte die Erstattung von Parkgebühren oder eines Teilbetrags davon „nach erfolgtem Konsum in den Geschäften ein wirkungsvoller Weg sein“. Werner erinnert an Aktionen, bei denen die Mitgliedsbetriebe des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen ihren Kunden sogenannte „Parktaler“ aushändigten. „Wenn die Reduzierung von Parkgebühren gewünscht ist, dann sollte solch eine Maßnahme auch die gewünschte Wirkung erzielen“, meint der Stadtmanager.

„Viele Gewerbetreibende kommen individuell auf uns zu“, bilanziert Werner nach wochenlanger Corona-Krise. „Wir schätzen und suchen stets den direkten Austausch, um unsere Unterstützung im Rahmen unserer Möglichkeiten anzubieten.“ Die Grenze des Handlungsspielraums der Stadt definiere die „direkte Wirtschaftsförderung“. Eine „direkte Subventionierung“ von Gewerbetreibenden sei aufgrund des kommunalen Haushaltsrechts sowie anderer rechtlicher Vorgaben „weitestgehend ausgeschlossen“. Solche potenziellen Hilfen fallen laut Werner in die Kompetenz des Freistaats Bayern beziehungsweise des Bundes. Der Stadtmanager verweist als Beispiel auf die „Überbrückungshilfe Corona“, die Gewerbetreibende seit einigen Tagen beim bayerischen Wirtschaftsministerium beantragen können, um erlittene Umsatzeinbußen zu kompensieren.

„Der Schwerpunkt kommunaler Wirtschaftsförderung hingegen liegt in der Schaffung günstiger Standort- und Rahmenbedingungen für Unternehmen“, erklärt Werner – und ergänzt im selben Atemzug: „Dieser Verantwortung kommen wir nach, indem wir die Gewerbetreibenden kontinuierlich über aktuelle Entwicklungen im Standortmarketing und hinsichtlich der Corona-Pandemie in persönlichen Gesprächen und über unseren E-Mail-Gewerbeverteiler informieren.“ Wer in diesen Verteiler aufgenommen werden möchte, könne sich jederzeit an die Stabsstelle Stadtmarketing im Rathaus wenden.

„Aktuell arbeiten wir an der Neuauflage der ,Stadtkarte für Einkaufen und Erleben‘, die wir im Herbst wieder gemeinsam mit dem Werbekreis und dem Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen im gesamten Einzugsgebiet von Wolfratshausen rund 65 000 Mal verteilen“, verrät Werner. Rückblickend ruft er den kostenlosen Rikscha-Service im Rahmen des Baustellenmarketings und die „WOR bringt’s“-Kampagne für lokales Einkaufen in Erinnerung. Nicht zu vergessen: Die Stadt und der Werbekreis arbeiten laut Werner „an der Fortschreibung einer umfangreichen Kooperationsvereinbarung zur Abstimmung eines ganzheitlichen Standortmarketings“.

Seine Tür stehe immer offen, betont der Stabsstellenleiter. Die Gewerbetreibenden seien „herzlich willkommen“, eigene Anliegen direkt ans Stadtmanagement heranzutragen.

cce

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