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Pure Lebensfreude in der Loisachhalle: „The Original USA Gospel Singers & Band“ hinterlässt beim Publikum einen bleibenden Eindruck.

Letzter Song des Abends: „Oh, Happy Day“

Ein Hallelujah, das sich hören lässt: „USA Gospel Singers & Band“ in Wolfratshausen

Anstatt eines klassischen Konzerts präsentierte sich am Wochenende in der Loisachhalle der Gospel von seiner besten Seite: Der Chor „USA Gospel Singers & Band“ begeisterte das Wolfratshauser Publikum. 

Wolfratshausen – In der Loisachhalle, wo bei klassischen Konzerten stets eine konzentrierte, fast andächtige Atmosphäre herrscht, geht es am vergangenen Samstag richtig zur Sache. Der Gospelchor „The Original USA Gospel Singers & Band“, der als einer der besten der Welt gilt, sprüht unter bunten Scheinwerfern geradezu vor Lebensfreude. Das Publikum antwortet darauf mit Fingerschnippen, Mitsingen und quietschvergnügten Gesichtern. Viele stehen im Laufe des Abends auf, um fürs Tanzen mehr Bewegungsfreiheit zu haben.

Zu Beginn des Konzerts sind die Besucher noch verhalten, fast schüchtern. Erst mit den unermüdlichen Aufforderungen der sechs Sängerinnen und Sänger, geht die Scheu langsam verloren. Die Musiker in den langen blauen Roben zeigen so derart viel Spaß an den Melodien und Rhythmen, dass sich bald keiner mehr der energiegeladenen Atmosphäre entziehen kann. Zwischen den Songs erzählen die Künstler abwechselnd von der Entstehung der Gospels und Spirituals. Dabei wird deutlich, wie anders die schwarzafrikanische Bevölkerung die christliche Religion lebt als die Europäer. Statt in ernsten Gottesdiensten werden der Glaube und die Zuversicht mit Singen und Tanzen gefeiert. Daran lassen auch die Musiker mit ihrer Bühnenshow in Wolfratshausen keinen Zweifel. Sie performen mit einer Leidenschaft, als würden sie ihr Programm zum ersten Mal aufführen.

Wer allerdings pure Sorglosigkeit erwartet, liegt falsch. Einige der Lieder beginnen solistisch, beinahe schwermütig und erinnern an die Leidensgeschichte der afrikanischen Sklaven. Aber spätestens mit Einsetzen des Schlagzeugs und der anderen Ensemble-Mitglieder wird die unermüdliche Daseinsfreude wiederhergestellt.

Fast alle Songs funktionieren nach dem Call-and-Response-Muster, bei dem ein Vorsänger Text und Melodie vorgibt und die restlichen Musiker – in der Kirche wäre das die Gemeinde – antworten. Kurz vor der Pause teilen die „Gospel Singers“ das Publikum in zwei Gruppen und üben dieses Schema, bis auch der Letzte die mitreißende Melodie im Ohr hat. Einzig und allein beim Klatschen hapert es noch etwas. Anstatt auf die Zählzeit eins und drei, wie es bei Marschmusik üblich und beim Konzert der örtlichen Blaskapelle angebracht ist, klatscht man bei den Musikrichtungen Gospel und Jazz auf den zweiten und vierten Schlag.

Nachdem die Konzertbesucher in der Pause die Gelegenheit haben, sich etwas abzukühlen, geht es im zweiten Teil des Programms ebenso rasant weiter. Unvermittelt erhebt sich der Keyboard-Spieler von seinem Platz im Hintergrund, um ein sängerisches Solo zum Besten zu geben. Das Allround-Talent besticht mit einem vollen Bariton.

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Der – vermeintlich – letzte Song des Abends ist der Klassiker „Oh, Happy Day“, den selbst Neulinge mindestens mitsummen können. Danach möchte der Applaus nicht enden. Die Sänger geben sich geschlagen und lassen sich zu zwei Zugaben überreden. Anschließend animieren sie die Zuschauer, den Refrain von „Amen“ aus dem ersten Konzertteil anzustimmen. Zufrieden gehen „The Original USA Gospel Singers“ endgültig von der Bühne und lassen ein singendes und klatschendes Publikum zurück.

lm

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