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Eingang Amtsgericht Wolfratshausen
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Zum wiederholten Mal musste sich ein 19-Jähriger vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.

Der junge Mann scheint nichts auszulassen

Ein Spaziergang durchs Strafgesetzbuch: Wolfratshauser zu Dauerarrest verurteilt

  • vonRudi Stallein
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Bereits zum dritten Mal musste sich ein junger Wolfratshauser (19) im Amtsgericht Richter-Schelte anhören. Dieses Mal ging es um Polizeibeleidigung und Diebstahl. Das Urteil: Dauerarrest und Alkoholverbot.

Wolfratshausen – Der junge Mann scheint nichts auszulassen. Zwei Mal musste er sich bereits Richter-Schelte anhören. Die Weisungen, mit denen der Wolfratshauser (19) im Oktober 2014 und im April 2019 davongekommen war, hatten jedoch keine nachhaltige Wirkung hinterlassen. Nun musste er sich gleich wegen mehrerer Delikte erneut vor dem Jugendgericht verantworten.

Dort sorgte der Auszubildende kurzzeitig für kollektives Kopfschütteln, als er noch vor Verhandlungsbeginn offenbarte: „Es laufen noch mehr Verfahren.“ Davon hatten bis zu diesem Zeitpunkt weder der Verteidiger, noch die Richterin und die Staatsanwältin etwas gewusst. „Das ist ein ungesunder Rhythmus, was Du da gerade treibst“, stellte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch fest. „Das nennt man einen Spaziergang durch das Strafgesetzbuch.“

Das ist ein ungesunder Rhythmus, was Du da gerade treibst.

Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch

Nur fünf Monate nach seinem letzten Besuch beim Gericht war er erneut straffällig geworden. Als er mitbekam, dass zwei Freunde am Jugendzentrum La Vida kontrolliert und mit auf die Polizeiwache genommen werden sollten, beleidigte er die Polizisten mit den Worten: „F…t Euch doch, ihr Scheißbullen.“ Zwei Wochen später, am 29. September 2019, wurde er erwischt, als er in einem Lebensmittelmarkt in Bad Tölz eine Tüte Erdnüsse im Wert von 3,49 Euro ohne zu bezahlen in die Tasche steckte. Zu dieser Anklage wegen Beleidigung in zwei Fällen sowie Diebstahls kam eine weitere Anklage wegen Erschleichens von Leistungen: Drei Mal saß der 19-Jährige ohne Fahrschein in einem Linienbus.

Verteidiger Marc Zinka gab für den Angeklagten eine Erklärung ab: „Er räumt alles vollumfänglich ein.“ Bei der Polizistenbeleidigung habe wohl Alkoholgenuss die Zunge gelöst. Zum Diebstahl habe sich der Auszubildende hinreißen lassen, weil am Monatsende das Geld knapp geworden sei. Aus demselben Grund habe sein Mandant sich die Bustickets gespart. „Wenn es in dem Rhythmus weitergeht, führt der Weg in den Knast“, mahnte Jugendgerichtshelfer Dlugosch und schlug als Warnschuss eine Woche Dauerarrest vor.

Verteidiger plädierte für eine Geldstrafe

„Das ist im Vergleich zum Jugendknast ein Kaffeekränzchen“. Auch die Staatsanwältin mahnte, es gehe bei dem Wolfratshauser „ganz klar in die falsche Richtung“ und schloss sich dem Ahndungsvorschlag der Jugendgerichtshilfe an. Verteidiger Zinka hielt eine Woche Arrest „für zu hoch gegriffen“. Er plädierte für eine Geldstrafe. „Den großen Denkzettel sollte er heute noch nicht erhalten“, so der Rechtsanwalt. Der Angeklagte versicherte: „Es hat jetzt Klick gemacht in meinem Kopf. Ich weiß, dass ich in den Knast kommen, wenn nochmal was passiert.“

Einen Vorgeschmack bekommt er demnächst, denn Richterin Friederike Kirschstein-Freund folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Zusätzlich zum einwöchigen Dauerarrest ordnete sie für den Wolfratshauser ein einjähriges Alkoholkonsumverbot an. Dem Verurteilten gab sie die Mahnung mit auf den Weg: „Wenn Sie jetzt die Kurve nicht kriegen, wird es richtig ernst.“

Kürzlich musste sich ein junger Geretsrieder vor dem Amtsgericht verantworten - er wurde wiederholt mit Marihuana erwischt. Vom Gericht bekam er nun einen Denkanstoß.

rst

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