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Es reicht: Die Verkehrsbelastung in Wolfratshausen ist nach Meinung vieler Bürger unerträglich. Abhilfe versprechen sich Stadtrat Alfred Fraas und Markus Feigl, Vorsitzender der Bürgerinitiative für eine Wolfratshauser Umgehungsstraße, von einem Tunnel zwischen dem Autobahnzubringer und der Pupplinger Au.

Ein Tunnel zwischen der B11 und der Pupplinger Au 

„Vorschlag scheitert an Finanzierung“

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Ein Tunnel vom Autobahnzubringer in Wolfratshausen bis zur Pupplinger Au: Der kühne Vorschlag von Stadtrat Alfred Fraas gefällt nicht nur vielen Bürgern. Auch Martin Herda, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Weilheim, zollt den Fraas-Plänen Respekt. Die Realisierung erscheint dem Experten jedoch unwahrscheinlich.

Wolfratshausen – Schon seine Idee, ein vier Stockwerke hohes Parkhaus über der Loisach zu bauen, fand viel Beachtung. Nun hat sich Kulturreferent Alfred Fraas den fließenden Verkehr zur Brust genommen. Gemeinsam mit Markus Feigl, Vorsitzender der Bürgerinitiative für eine Wolfratshauser Umgehungsstraße, hat er wie berichtet einen knapp zwei Kilometer langen Tunnel konzipiert: Am Ende des Autobahnzubringers in der Flößerstadt sollen Pkw und Lkw unter der Erde verschwinden, in der Pupplinger Au sehen die Fahrer das Tageslicht wieder. Von dort geht die Reise wie gewohnt auf der Staatsstraße 2070 weiter in Richtung Sauerlach/A 8.

Etwa 150 Millionen Euro, das hat Fraas berechnet, würde der Röhrenbau kosten. Eine Investition, die dank staatlicher Förderung sowie einem dafür notwendigen Schulterschluss der Nachbarstädte Wolfratshausen und Geretsried zu stemmen wäre, glaubt der CSU-Stadtrat.

Fraas’ Planskizzen liegen seit Anfang Februar beim Staatlichen Bauamt Weilheim. Martin Herda, Abteilungsleiter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, spart nicht mit Lob: Die Tunnellösung „ist eine sinnvolle und verkehrstechnisch sehr gute Variante“, stellt Herda im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Die Hürden Landschaftsschutz- und FFH-Gebiet würde ein Tunnelprojekt mühelos meistern, die von Fraas prognostizierten Baukosten in Höhe von rund 150 Millionen Euro seien „durchaus realistisch“.

Martin Herda ist Abteilungsleiter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Staatlichen Bauamt Weilheim.

Doch hier liege der Hase im Pfeffer: Es gebe zwar die Möglichkeit, dass der Freistaat – wie von Fraas dargestellt – Umgehungsstraßen in kommunaler Sonderbaulast nach Artikel 13f des Gesetzes über den Finanzausgleich fördert. Doch im konkreten Fall hält Herda das für „unrealistisch“. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Derzeit existiere „keine echte Ost-West-Verbindung“ in Form einer Staatsstraße. Somit müsse der Freistaat den Bedarf erkennen, eine solche zu bauen. „Das sehe ich derzeit nicht“, so Herda. Ein Blick auf besagten Artikel 13f zeigt übrigens: Für die Kommunen von Unterfranken bis ins Allgäu stellt die Landesregierung pro Jahr insgesamt 33,9 Millionen Euro „für den Bau von in gemeindlicher Sonderbaulast stehenden Ortsumfahrungen beziehungsweise Entlastungsstraßen im Zuge von Staatsstraßen“ bereit. Schon im März 2015 habe Fraas seine Tunnelidee dem damaligen Leiter des Staatlichen Bauamts vorgestellt, weiß Herda. Das Ergebnis: Der sogenannte Nutzen-Kosten-Faktor des Projekts bleibe deutlich unter der Marke, die den Griff in Fördertöpfe potenziell möglich mache. „An dieser Situation hat sich nach meiner Einschätzung auch nichts geändert“, so der Abteilungsleiter.

„Herr Fraas wird von uns eine schriftliche Antwort bekommen“, kündigt Herda an. Dem CSU-Stadtrat stehe es natürlich frei, „seinen Vorschlag hier auch noch einmal persönlich vorzustellen“. Der Abteilungsleiter geht davon aus, dass der Tunnel auch ein Thema beim bereits terminierten Antrittsbesuch des neuen Leiters des Staatlichen Bauamts, Uwe Fritsch, beim Wolfratshauser Bürgermeister sein wird. Doch der Nutzen-Kosten-Faktor lasse sich nicht wegdiskutieren. Herda: „Ich sag’s noch einmal: Der Vorschlag ist sehr sinnvoll, scheitert aber mutmaßlich an der Finanzierung.“

Fraas und CSU-Fraktionschef Günther Eibl halten die Investition für unverzichtbar. Angesichts der prognostizierten Bevölkerungszunahme im Münchner Umland verschärfe sich in den kommenden Jahren die ohnehin schon extreme Verkehrsbelastung. Eibl hält die Tunnellösung für einen großen Wurf fürs gesamte Oberland. CSU-Ortsvorsitzende Susanne Thomas stößt ins selbe Horn: Die unterirdische Umfahrung von Wolfratshausen wäre in ihren Augen „der entscheidende erste Baustein einer möglichen Südumgehung von München“. Damit komme dem Bauwerk „eine generelle überregionale Bedeutung zu“.

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