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Im Glauben vereint: Rund 200 Frauen, Männer und Kinder nahmen am Karfreitag an der Kreuzweg-Prozession teil. 

Prozession am Karfreitag 

Ein Weg mit sieben Stationen, der den Menschen Kraft gibt

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Rund 200 Menschen nahmen am Karfreitag an der Kreuzweg-Prozession durch den Wolfratshauser Bergwald teil. Für Diakon Christian Horak war’s eine Premiere.

Wolfratshausen– Seit 17 Jahren lebt Bianca Pachner mit ihrer Familie in Wolfratshausen. Sie singt im Jugendchor von Sankt Andreas, engagiert sich in der Pfarrgemeinde, aber an der Kreuzweg-Prozession hat sie – bis Karfreitag 2018 – noch nie teilgenommen. „Mal hat’s geregnet, mal geschneit – heut’ passt das Wetter mal“, sagt Pachner mit einem Lächeln, während sie neben Diakon Christian Horak zur Frauenkapelle hinaufspaziert.

Auch Horak kommt erstmals in den Genuss, den Kreuzweg am Karfreitag zu erleben. „Ich musste bisher immer zum Kinderkreuzweg, der findet ja zur selben Zeit statt“, erklärt der Diakon. Heuer unterstützt er Pfarrer Helmut Eisele, der vor wenigen Tagen seinen 87. Geburtstag feierte, an den sieben Stationen. „Ich wusste nicht, ob ich es noch einmal schaffe“, sagt Eisele später. So wie er es jedes Jahr geschafft hat, seit er 2000 als Pfarrer im Ruhestand nach Wolfratshausen gekommen ist.

Als der hoch betagte Seelsorger den Gläubigen voran an der Frauenkapelle seinen Weg „hinauf auf den Berg Golgotha“ beginnt, kommen noch immer einige Nachzügler durch die Gassen aus dem Markt hochgelaufen. Schweigend drängt die Menschenmenge die schmalen Stufen hinauf. Vögel zwitschern in den Bäumen des Bergwalds. Ein Mann trägt einen Lautsprecher durchs Gehölz, damit die Stimme des Pfarrers für jeden der rund 200 Besucher, die sich auf dem Kreuzweg verteilen, verständlich ist. Seine Augen ließen langsam nach, räumt Pfarrer Eisele ein. Deshalb wechselt er sich an den kleinen Kapellenhäuschen, die vom Leidensweg Jesu erzählen – vom Abschied von seiner Mutter über den Tod am Kreuz bis zur Grablegung – mit seinem Diakon ab. Der Pfarrer zitiert aus dem Evangelium, Christian Horak stellt mit nachdenkenswerten „Betrachtungen“ einen aktuellen Bezug zwischen den jahrtausendealten Versen und der Gegenwart her. „Das sind sehr schöne Texte, die sind sehr geglückt“, sagt der Diakon sichtlich erfreut nach seiner Premiere.

Sehr geglückt ist auch der erste Kreuzweg der jungen Sophia Pogliani. Mit strahlenden Augen kommt sie aus der Dreifaltigkeitskapelle, dem Ziel der Prozession. „Das ist ein schönes Gefühl da drin. Alles ist so schön ruhig“, sagt die Zehnjährige. Besonders fasziniert haben sie die vielen bunten Lichter. Rot, blau, grün und golden schimmern die von Teelichtern beleuchteten Glaskugeln, die das Heilige Grab schmücken, das von der Kolpingfamilie nur für die Osterzeit am Altar der Kapelle aufgebaut wird.

„Es war schön. Da kommen Kindheitserinnerungen hoch“, sagt Sophias Mutter Stephanie Weese. In ihrer Kindheit und Jugend sei sie den Weg häufig mit ihrer Mutter gegangen. Nun lebt sie in Mailand und nutzt den Osterbesuch in der alten Heimat, um ihrer Tochter den Kreuzweg nahezubringen. Für ihre Mutter Irene ist die Prozession „ein fester Termin im Jahreskalender“, obwohl sie schon vor neun Jahren nach München gezogen ist. „Aber ich habe hier meine Wurzeln“, sagt die 66-Jährige. „Der Weg gefällt mir. Er gibt mir Kraft, tut mir gut.“

Einige Besucher verweilen noch ein wenig vor dem Grab in der Kapelle. Manche nutzen die von Pfarrer Eisele ausgesprochene Einladung „zur stillen Meditation“. Bianca Pachner freut sich, dass sie sich endlich aufgerafft hat. „Es war sehr schön. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute da sind“, sagt sie. „Das vermittelt ein schönes Gemeinschaftsgefühl, das man sonst nicht mehr oft hat.“

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