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Drei junge Menschen wurden teils schwer verletzt, als ein 18-Jähriger die Kontrolle über seinen Nissan verlor. 

Amtsgericht

„Eine Armada von Schutzengeln“

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Ein 18-jähriger Fahranfänger verursachte aus Leichtsinn einen schweren Unfall. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten.

Egling/Wolfratshausen – Eine „kleine Spritztour“ endete für einen Fahranfänger und seine drei Freunde fast in einer Katastrophe. Auf regennasser Fahrbahn verlor der 18-Jährige die Kontrolle über seinen Nissan. Das Auto schlitterte die Böschung entlang, wurde an einer Einmündung in einen Waldweg in die Luft katapultiert und landete 20 Meter weiter zwischen Bäumen auf dem Dach.

„Da war eine ganze Armada von Schutzengeln unterwegs, die verhindert haben, dass hier Menschen gestorben sind“, sagte Richter Urs Wäckerlin beim Anblick der Unfallfotos. Das Unglück ereignete sich am 23. Oktober vorigen Jahres gegen 21.45 Uhr auf der Staatsstraße 2072 zwischen Egling und Ascholding. Drei junge Menschen wurden dabei – teilweise schwer – verletzt. Der Fahrer, ein Auszubildender aus Straßlach, musste sich nun wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Jugendgericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.

„Wir haben Musik gehört und nicht auf die Geschwindigkeit geachtet. Es hat geregnet, und ein rechter Wind ist gegangen“, schilderte der Angeklagte den Unfallhergang. „In der Kurve ist plötzlich das Heck ausgebrochen, ich wollte korrigieren, das hat nicht funktioniert. Dann sind wir abgehoben.“ Nach eigener Einschätzung und der Erinnerung der Zeugen war der junge Mann, der erst sieben Wochen zuvor seinen Führerschein erworben hatte und von dem Geschehen noch spürbar mitgenommen war, auf der nicht sehr breiten Landstraße mit rund 120 Stundenkilometern unterwegs. „Das war an Leichtsinn nicht zu überbieten“, sagte der Richter.

Die Insassen des schrottreifen Nissans hatten riesiges Glück. Ein 17-jähriger Eglinger zog sich Prellungen des Brustkorbs und der Lendenwirbelsäule zu, der Fahrer trug Schnittwunden an der Hand und eine Schädelprellung davon. Am schlimmsten erwischte es einen 14-jährigen Tölzer: Im Klinikum Großhadern wurden bei dem Schüler mehrere angebrochene Lendenwirbel sowie Hämatome und eine Schlüsselbeinfraktur diagnostiziert. Noch heute erinnern ihn manchmal Rückenschmerzen an die nächtliche Spazierfahrt.

„Das ist eine Horrorvorstellung für jedes Elternteil, dessen Sohn oder Tochter mit dem Auto unterwegs ist“, sagte Richter Wäckerlin in Richtung der anwesenden Unfallbeteiligten und deren Angehörige. „Ein Urteil kann nicht aufwiegen, was sie durchgemacht haben.“ Der 18-Jährige beteuerte schluchzend: „Es tut mir leid, das wollte ich wirklich nicht.“

Als Strafe verhängte Wäckerlin eine Geldbuße in Höhe von 750 Euro, die der Azubi in Raten an die Oberland-Werkstätten zahlen muss, sowie ein Fahrverbot für einen Monat. „Es ist mir ein Anliegen, dass Sie mit der Geldauflage dabei helfen, denen etwas Gutes zu tun, die weniger Glück im Leben hatten“, begründete der Richter seine Entscheidung.

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