Ein Kippster-Automat in der Altstadt von Wolfratshausen.
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Das ist ein Kippster: Raucher können in den Plastikröhrchen in der Wolfratshauser Altstadt ihre Zigarettenkippen entsorgen – und gleichzeitig per „Stummelstimme“ eine Frage beantworten.

Stadt-Projekt für Raucher

Kippster-Automaten: Was sie bringen und wer die „Stummelstimmen“ zählt

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Seit März hängen in Wolfratshausen sogenannte Kippster-Automaten. Raucher können dort mit ihrer Zigarettenkippe eine Ja-Nein-Frage beantworten. Das ist aber nicht alles.

  • Stadt befragt Raucher seit März mithilfe von Kippster-Automaten an Straßenlaternen
  • „Stummelstimmen“ werden nicht exakt gezählt
  • Eine „Stummelstimme" ist eine Kippe auf der Straße weniger

Wolfratshausen – Das tödliche Gesundheitsrisiko, das rund 28 Prozent der Deutschen beim Rauchen nach wie vor in Kauf nehmen, ist die eine Seite der Medaille. Dazu gesellen sich zig Millionen von achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen, die die Ortsbilder verschandeln und die Umwelt belasten. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Wolfratshausen eine Initiative des Werbekreises aufgegriffen und im März sogenannte Kippster-Automaten an einigen Straßenlaternen in der Altstadt anbringen lassen. Hier kann der Raucher seine Filter- und Tabakreste entsorgen – und sich zugleich zur Stadtpolitik im weitesten Sinne äußern.

„Nach der Corona-Krise sind die Geschäfte wieder geöffnet: Sind Sie jetzt öfter in der Altstadt?“: Das ist die aktuelle Frage, die durch die Angabe einer „Stummelstimme“ beantwortet werden kann. „Nein“, so Stadtmanager Dr. Stefan Werner, die Auswertung erfolge nicht durch die Stabsstelle Stadtmarketing – und auch der Leiter der Stadtwerke Wolfratshausen lässt unserer Zeitung ausrichten, dass die Mitarbeiter des Bauhofs mit der Müllentsorgung und anderen Aufgaben mehr als ausgelastet seien. Fürs Kippenzählen fehle die Zeit. „Wir haben die Kippster im Auge“, erklärt Hans-Joachim Kunstmann, Vorsitzender des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen. Der Interessenverband, konkret Kunstmanns Vorgängerin Ingrid Schnaller, habe das Projekt initiiert, und der Werbekreis sei der Projektträger.

Fragen sollen bald von Mitgliedsbetrieben kommen

„Sind Sie jetzt öfter in der Altstadt?“: Kunstmann räumt ein, dass die Frage „wenig differenziert“ sei. Doch inmitten der Corona-Pandemie wolle man den Bürgern, vulgo Rauchern, nicht mit einer komplexen Fragestellung „auf die Nerven gehen“. Im Herbst, das kündigt Kunstmann im Gespräch mit unserer Zeitung an, werde sich der Werbekreis noch einmal vertieft mit dem Thema Kippster auseinandersetzen. Es sei angedacht, in den Reihen der Mitgliedsbetriebe konkrete Fragen einzusammeln, die dann in der gelben Box über den zwei durchsichtigen Kunststoffröhrchen platziert werden.

Bei seinen Rundgängen durch die Altstadt hat Kunstmann in den vergangenen Tagen festgestellt, dass die Ergebnisse an Unter- und Obermarkt unterschiedlich ausfallen. Laut „Stummelstimme“ halten sich Raucher am Untermarkt nicht häufiger auf als vor dem Lockdown, am Obermarkt sind die Tabakfreunde dagegen nach der Wiederöffnung der Geschäfte offenbar wieder deutlich öfter unterwegs. Kunstmann legt – mit einem Augenzwinkern – Wert auf die Feststellung: „Der Werbekreis will natürlich mit der Aktion auf keinen Fall zum Rauchen animieren“, seine Meinung zur Stadtpolitik könne natürlich jeder Bürger auf vielen verschiedenen Wegen zum Ausdruck bringen.

Kippster sollen für saubere Stadt sorgen

In Kunstmanns Augen haben die Kippster ihren wesentlichen Zweck in den vergangenen Monaten auf jeden Fall erfüllt: Jede „Stummelstimme“, die in einem der Plastikröhrchen gelandet ist, ist potenziell eine Zigarettenkippe weniger, die auf den Gehweg geworfen wurde. Stadtmanager Werner ist davon überzeugt, dass „eine saubere Stadt“ zu „mehr Lebensqualität und bedeutend zur Attraktivität“ beiträgt. Von den Kippstern verspricht er sich einen Domino-Effekt: „Wo weniger Müll herumliegt, werfen die Menschen auch weniger neuen Müll hinzu.“

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