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Bitte recht freundlich: In Rosenheim zählen Markus Hölzl (re.) und Christian Gruber zur Sicherheitswacht. Solche „Unterstützer“ der Polizei wünscht sich der Inspektionsleiter in Wolfratshausen auch in der Flößerstadt. 

„Gschaftlhuber“ werden aussortiert  

Eine Sicherheitswacht für Wolfratshausen ?

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Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny hat im Stadtrat für die Einrichtung einer Sicherheitswacht in der Flößerstadt geworben. Die Freiwilligen seien „Unterstützer“ der Ordnungshüter – „weder Bürgerwehr noch Hilfspolizisten“, betonte der Erste Hauptkommissar.

Wolfratshausen– „Die Lage ist ruhig“, verkündete Andreas Czerweny, der seit rund vier Monaten die Polizeiinspektion Wolfratshausen leitet. Doch er machte auch kein Hehl aus der Tatsache, dass die Beamten aufgrund der angespannten Personalsituation nicht jederzeit überall sein können. Da dies in anderen Kommunen nicht anders ist, setzen mittlerweile 133 Städte im Freistaat auf eine Sicherheitswacht. Ehrenamtliche, die die Polizei unterstützen. „Es ist ein zusätzliches Instrument der Inneren Sicherheit“, erläuterte Czerweny. Die Sicherheitswacht zeige Präsenz, sei ein Bindeglied zwischen Bürgern und Polizei. „Lassen Sie es mich mal überspitzt formulieren: Die Sicherheitswacht ist nicht dazu da, um Terror zu bekämpfen. Das ist immer noch unsere Aufgabe.“

Czerweny braucht Freiwillige, die in erster Linie „spazieren gehen“ und im Falle des Falles Verdächtiges an die Polizei weiterleiten. Zum Beispiel in größeren Wohngebieten und am S-Bahnhof. Vor ihrem Einsatz werden die Frauen und Männer – die der Inspektionsleiter gerne mit Isar-Rangern vergleicht – 40 Stunden von der Polizei ausgebildet: Juristische Grundlagen, Erste-Hilfe, Psychologie sowie präventive und deeskalierende Maßnahmen stehen auf dem Unterrichtsplan.

Strenges Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren sei streng, berichtete Czerweny. „Gschaftlhuber“ und „Bewerber, die offensichtlich ganz eigene Ziele verfolgen“, würden rigoros aussortiert. Die Sicherheitswacht sei „weder Bürgerwehr noch Hilfspolizei“ und ausschließlich mit „Jedermannsrechten“ ausgestattet. „Wir wollen nicht in die Richtung, die wir vor rund 70 Jahren mal hatten“, stellte der Polizeichef fest.

Eine Aussage, die Peter Plößl (CSU) beruhigte. In die „Denunziationsecke“ wolle er die Loisachstadt auf keinen Fall gestellt sehen. Plößl verglich die Sicherheitswacht lieber mit dem „Schutzmann“ aus seinen Kindertagen, „den jeder kannte, der jeden kannte und der sein Revier kannte“.

Grüne: „Ungute Assoziationen“

„Ungute Assoziationen“ weckte der Begriff Sicherheitswacht bei Annette Heinloth (Grüne). Für sie ist entscheidend, dass die Experten bei der Auswahl der Bewerber das richtige Händchen haben. Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) war „eher skeptisch“. Man bürde der Sicherheitswacht die Mammutaufgabe auf, eine tiefgreifende Fehlentwicklung zu korrigieren: das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Statt Zivilcourage „outzusourcen“ sollte „die Verantwortung bei uns allen belassen werden“. Krischkes Fraktionskollege Helmut Forster war anderer Ansicht: „Wir entlassen uns nicht aus der Verantwortung. Die Sicherheitswacht bilden ja Bürger aus unserer Mitte.“ Das unterstrich Polizeichef Czerweny: Die Sicherheitswacht habe „Vorbildfunktion in puncto Zivilcourage.“

Bürgerstreife soll Sicherheitsgefühl verbessern

Er wolle künftig nicht an jeder Ecke einen Wachmann stehen sehen, meinte der Fraktionsvorsitzende der BVW, Josef Praller. Er hakte nach, wie viele Personen Czerweny gerne rekrutieren möchte. „Sechs sind’s in Schongau“, berichtete der Hauptkommissar, „acht bis zehn in Wolfratshausen wären super.“ Czerweny betonte in dem Kontext: „Wir brauchen keine Kohorten, keine Kasernen.“

Wenn eine Bürgerstreife das Sicherheitsgefühl der Wolfratshauser verbessern könne, „ist das einen Versuch wert“, urteilte Stadtrat Dr. Manfred Fleischer. „Was nicht schadet, nutzt.“ Ins selbe Horn stieß Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). Eine Sicherheitswacht sei nicht zuletzt „ein Signal nach außen“ und könnte womöglich „Banden“ abschrecken.

Die Entscheidung, ob die Flößerstadt eine Sicherheitswacht bekommt, soll laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner in einer der nächsten Stadtratssitzungen fallen.

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