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Einsatz für die Ärmsten der Armen: Sabine Fassl arbeitete drei Jahre auf der Karibikinsel Haiti. 

Als Missionarin und Krankenschwester

Eine Wolfratshauserin in Haiti

Drei Jahre lebte und arbeitete die Kinderkrankenschwester und Missionarin Susanne Fassl im Auftrag der evangelischen Gemeinde auf Haiti. Die Insel ist von Naturkatastrophen und Korruption geprägt. Von ihren Erfahrungen berichtete sie kürzlich in einem Vortrag in Wolfratshausen.

Wolfratshausen  Zwei Jahre lang hatte sich Fassl intensiv auf ihre Arbeit auf südlich von Florida gelegenen Insel vorbereitet, hatte die Amtssprache Französisch und teilweise die Landessprache Kreol gelernt. Was die Krankenschwester in der Karabik vorfand, war niederschmetternd: „Die französische Kolonie ist von Korruption und Naturkatastrophen geprägt. 65 Prozent der Menschen sind Analphabeten, ebenso viele arbeitslos. Sie kämpfen täglich ums nackte Überleben.“ Der Hälfte der Haitianer fehle der Zugang zu sauberem Trinkwasser und einer Toilette. Entsprechend seien die hygienischen Umstände, Der Müll müsse vor der Haustür verbrannt werden. „Viele laufen barfuß – Infektionen und Verbrennungen sind keine Seltenheit.“ Rund 300 000 Straßenkinder lebten von der Hand in den Mund.

Hier setzte Fassls Einsatz an: Als Kinderkrankenschwester war sie für ein Ernährungsprogramm zuständig, fuhr zu Familien aufs Land, um deren Kinder aufzupäppeln. „Wenn eine Familie zwei Mahlzeiten täglich habe, sei das in Haiti „schon ein Glücksfall“. Eltern würden die Mahlzeiten häufig einschränken, um für die Kinder genügend Schulgeld zu haben. Zugleich war Fassl in einer Kinderklinik im Einsatz, assistierte auch bei Operationen. „Kinder mit Verbrennungen müssen teilweise ohne Narkose unter Schmerzen versorgt werden, es fehlt an Schmerzmitteln“, berichtete sie.

Hurrikan „Matthew“ fegte mit Gewalt über die Insel hinweg

Zu Fassls drittem Aufgabenbereich gehörte der Aufbau eines Gästehauses, in das nach dem Hurrikan eine Schweizer Organisation einzog, die beim Wiederaufbau half. Und in der örtlichen christlichen Gemeinde gab sie als Teil des Kindergottesdienst-Teams Impulse.

Bis Anfang Oktober lief ihre Arbeit gut. Dann fegte Hurrikan „Matthew“ mit 230 Kilometern in der Stunde über die Insel hinweg. Selbst froh, überlebt zu haben, musste Fassl nach der Katastrophe zunächst einmal Trinkwasser organisieren und das völlig verschlammte Krankenhaus säubern. „Dank der Hilfe von 42 Mitarbeitern haben wir das in nur sechs Tagen geschafft, obwohl sie selber stark betroffen waren.“ Bis Dezember sei sie selbst nicht zur Ruhe gekommen, berichtete die Missionarin, „an einen normalen Alltag war nicht zu denken“.

Ihr Resümee nach ihrer dreijährigen Dienstzeit, die heuer im März endete, fiel dennoch positiv aus. Trotz aller Probleme habe sie „10 000 Gründe, um Gott zu danken“. Jeden Abend durfte sie bei ihrem Rückblick auf die vielen Schwierigkeiten „immer wieder dankbar sein, wie gut der Tag verlaufen ist – gerade weil er ungeplant nach haitianischer Lebensweise war“. red

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