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Eis in Münchner Region wird immer teurer – erste Sorte bereits aus Sortiment geflogen

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Ein Besuch im Eiscafé Roma bei Ralph Bernard ist Tradition. Doch auch er leidet unter den hohen Kosten. Pistazien-Eis fliegt aus dem Sortiment
Ein Besuch im Eiscafé Roma bei Ralph Bernard ist Tradition. Doch auch er leidet unter den hohen Kosten. © sh

Der Sommer ist Eiszeit, aber die Branche leidet unter steigenden Kosten – die Kugeln werden teurer. In den Eiscafes in Wolfratshausen und Geretsried zeigt sich das.

Geretsried/Wolfratshausen – Eine Kugel Eis – oder mehrere – verspricht bei sommerlichen Temperaturen willkommene Erfrischung. Doch die Eisdielen-Betreiber sind, wie viele andere Gewerbetreibende, mit massiven Preissteigerungen konfrontiert. Denn im Speiseeis stecken eine Menge Zutaten – die jede für sich immer teurer werden.

Eis wird teurer: Café nimmt daher besondere Sorte aus Sortiment

Maurizio Faganello, Chef des Eiscafés Cristallo in der Wolfratshauser Altstadt, sieht sich Tag für Tag vor eine Herausforderung gestellt: „Wir haben eine extreme Kostensteigerung bei jedem Produkt – nicht eines ist beim gleichen Preis geblieben.“ Dazu komme, „dass manche Produkte schwer zu bekommen sind“, so Faganello.

Das hat Auswirkungen auf seine Eiskarte. Pistazien beispielsweise sind aktuell so exorbitant teuer, dass er das Pistazien-Eis aus dem Angebot genommen hat. Faganello verlangt 1,40 Euro pro Kugel, „das ist mir und den Kunden gegenüber nur fair“.

L‘Arena in Geretsried: Eiskugel kostet 1,40 Euro - „vieles, was der Kunde nicht sieht, ist teurer geworden“

Maria Faulisi vom Geretsrieder Eiscafé L’Arena macht dieselben leidvollen Erfahrungen. Zeitweise habe sich etwa der Preis für Sahne verdoppelt. Milch sei ihr mitunter gar nicht geliefert worden. Die Ursache: Laut Faulisi fehlten Stöpsel für den Transport der Milch in Kanistern – die Stöpsel werden aus der Ukraine importiert. Daneben „ist auch vieles, was der Kunde nicht sieht, teurer geworden“.

So haben die Preise für Getränke, Strom, Personal und die Miete kräftig angezogen. Faulisi musste den unschönen Rahmenbedingungen Tribut zollen – und den Preis für eine Kugel Eis auf 1,40 Euro anheben.

Roma in Wolfratshausen - „Wir müssen die Preise erhöhen, sonst wird es eng für uns“

Der erfahrene Eisproduzent Ralph Bernard schildert eine ebenso angespannte Lage in seinem Eiscafé Roma in Wolfratshausen: „Seit fast 50 Jahren hatten wir im Einkauf vertragliche Festpreise über die ganze Saison. Jetzt sind die Preise variabel und werden fast jeden Monat erhöht.“

Die Kosten für einen Liter Milch stiegen laut Bernard in einem Jahr von 74 Cent um ganze 40 Prozent auf 1,04 Euro. „Da müssen wir unsere Preise erhöhen, sonst wird es eng für uns.“ Das heißt für die Roma-Freunde: Seit Freitag kostet die Kugel 1,30 Euro. Damit sei es aber nicht getan. Mit Sorge blickt er der nächsten Stromrechnung entgegen: „Die Eisherstellung ist leider nicht besonders energiesparend.“ Das mache sich bei ihm speziell in der Nachzahlung bemerkbar.

Eis wird immer teurer, die meisten Kunden haben Verständnis

Gaby Amodio vom Eiscafé Roma in Geretsried hat ihre Eiskarte ebenfalls den Umständen angepasst. Sie verlangt 1,40 Euro für eine Kugel, im Vergleich zum vergangenen Jahr sind das 20 Cent mehr. Amodio: „Das ist der einzige Weg, den wir gehen können.“ Sonst ist das Geschäft kein Geschäft mehr.

Die Kunden haben Verständnis für die gebeutelten Gelatieri: „Sie verstehen, in welcher Situation wir uns derzeit befinden“, so Amodio. „Heftige Reaktionen“, erzählt Faulisi, „gab es nur am Anfang.“ Auch bei Faganello gab es die „eine oder andere Beschwerde wegen des Preises“, diese blieben aber eine Seltenheit. Amodio versucht, sich eine positive Grundeinstellung zu bewahren: „Man darf alles nicht nur negativ sehen. Das hilft uns auch nicht weiter.“

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