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Erschöpft, aber zufrieden: Claudia Lichtenberg fuhr beim Giro auf Rang vier. 

Radsport

Am Ende fehlen nur 40 Sekunden

Wolfratshausen - Claudia Lichtenberg verpasst beim Giro d'Italia als Vierte knapp das Podium. Ihr nächstes Ziel sind die Olympischen Spiele in Rio.

„Ich will wieder in der Weltspitze mitmischen.“ Mit diesem Ziel war Claudia Lichtenberg am 1. Juli in den Giro d’Italia gestartet. Die Italienrundfahrt ist das wichtigste Rennen im Frauenradsport – vergleichbar mit der gerade laufenden Tour de France bei den Männern. Und die Wolfratshauserin machte ihr Versprechen wahr: Nach zehn Etappen und rund 900 Kilometern landete die 30-Jährige auf Rang vier in der Gesamtwertung. Am Ende fehlten ihr nur rund 40 Sekunden auf die drittplatzierte Vorjahressiegerin Anna Van der Breggen (Niederlande) beziehungsweise 2:33 Minuten auf die neue Giro-Gewinnerin Megan Guarnier aus den USA. „Das war genau das, was ich mir erhofft hatte“, freut sich die Wolfratshauser Vorzeigesportlerin.

Besonders positiv stimmte sie dabei der Rennverlauf: „Ich konnte sowohl an den kurzen als auch an den langen Anstiegen mit den Besten mithalten – da gab es andere, die sich mehr quälen mussten“, so Lichtenberg, die bereits auf den ersten Etappen mit guten Platzierungen ihre Podiumsambitionen untermauerte. Besonders in Erinnerung bleiben werden ihr allerdings der sechste und siebte Tagesabschnitt – zwei schwere Alpenprüfungen: „Dort ging es wirklich ans Eingemachte. Aber auch hier war ich immer vorne dabei und konnte teilweise sogar aktiv das Rennen gestalten“, erzählt die Giro-Siegerin von 2009. Auf der fünften Etappe, bei der mit dem Mortirolo einer der schwersten Anstiege im Profiradsport bewältigt werden musste, versuchte sie in der Abfahrt die Führende Mara Abbott wieder einzuholen. Außerdem bestimmte sie am sechsten Tag lange Zeit das Tempo der Spitzengruppe.

Dass es am Ende nur knapp nicht für das Podium reichte, lag an „verschiedenen Einzelheiten. Ich musste in manchen Rennsituationen mehr Kraft als andere investieren, weil ich nicht so viele Teamkolleginnen an meiner Seite hatte. Und das Zeitfahren war zwar für mich eine gute Leistung, aber die war eben nicht gut genug, um am Ende auf dem Treppchen zu stehen“, so die 30-Jährige. Im Kampf gegen die Uhr am achten Tag war sie 14. geworden und hatte auf die neue Giro-Gewinnerin Megan Guarnier rund eineinhalb Minuten verloren. „Ich bin trotz guter Form keine Zeitfahrspezialistin, die anderen waren da einfach besser“, sagt sie.

Für Lichtenberg war es dennoch das beste Giro-Ergebnis seit drei Jahren: Ihr gutes Resultat macht ihr nun auch Mut für ihr nächstes großes Saisonziel, die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Am 7. August wird die Wolfratshauserin eine von vier deutschen Straßenradsportlerinnen sein, die in Brasilien um Medaillen kämpfen. „Was ich auf jeden Fall mitnehme ist, dass ich derzeit auf dem gleichen Level bin wie die besten Fahrerinnen der Welt. Und meine Formkurve geht eher noch bergauf als bergab“, freut sich die Bergspezialistin, die auf dem anspruchsvollen Kurs am Zuckerhut wie zuletzt bei der Italien-Rundfahrt zu den Mitfavoritinnen zählt.

Zuvor will sie aber „mindestens noch ein Rennen bestreiten, um die Spannung aufrecht zu erhalten“, wie sie sagt. Einen Termin hat sie auch schon im Auge: Am 24. Juli findet im Rahmen der Abschlussetappe der Tour de France in Paris ein Weltcuprennen der Frauen statt. Es wäre Lichtenbergs nächster Auftritt auf der Weltbühne des Radsports. wms

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