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Schauplatz Wald: Johann Killer (li.) von der Waldbesitzervereinigung sowie Robert Nörr vom Forstrevier Wolfratshausen (2. v. li.) zeigten, wie viele Wurzeln wegen falscher Pflanzung nicht in die Tiefe wachsen. 

Fortbildung für Waldbesitzer

Wie man Bäume richtig pflanzt

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Bäume pflanzen kann jeder, sollte man denken. Doch das ist ein Irrtum. Was man alles falsch machen kann, demonstrierten Robert Nörr vom Forstrevier Wolfratshausen und Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. 

Egling/Sauerlach – Den 45 anwesenden Teilnehmern zeigte Nörr stark verkrümmte Baumwurzeln, die auch nach zehn oder 20 Jahren immer noch nicht in die Tiefe wachsen. Für den Fachmann ist klar: „Die Sorgfalt und die richtige Technik der Pflanzung von heute entscheiden über die Stabilität der Wälder von morgen. Wird falsch gepflanzt, wachsen die Baumwurzeln nicht in die Tiefe, sondern bleiben auch nach Jahrzehnten nahe der Bodenoberfläche.“ Die Folge: „Die Bäume werden anfällig gegen Schnee und Sturm.“ Untersuchungen an über 7000 ausgegrabenen Waldbäumen hätten ergeben, dass über die Hälfte aller gepflanzten Bäume stark verkrümmte Wurzeln aufweisen.“

Johann Killer appellierte, dass man für eine neue Waldgeneration vor allem auf natürliche Verjüngung setzen sollte. „Wir müssen die Auswirkungen von Klimawandel, Sturm und Borkenkäfer jetzt bewältigen. Dazu brauchen wir schnell und auf möglichst großer Fläche junge Bäume in Startposition.“ Allerdings dürfe die Zahl der Rehe nicht so hoch sein, dass genau diese besonders schmackhaften Mischbaumarten verbissen werden. „Die Jäger und Jagdgenossenschaften haben hier eine sehr große Verantwortung für die Wälder.“

Viele der Flächen, die durch Borkenkäfer und Sturm in den vergangenen Jahren entstanden sind, würden sich natürlich verjüngen. Auf großen Kahlflächen hingegen, die es auch gibt, ist die Brombeere oft schneller. „Dort ist eine Pflanzung notwendig“, so Killler.

Pfahlwurzler ist gut, Flachwurzler ist schlecht

Damit aus so einem Pfahlwurzler durch unsachgerechte Pflanzung nicht ungewollt ein Flachwurzler wird, gab Nörr konkrete Tipps: Das Werkzeug der Wahl ist der sogenannte Hohlspaten. Das Pflanzloch muss mindestens fünf Zentimeter tiefer als die längste Wurzelfaser sein. Diese müssen ohne Verkrümmungen in das Pflanzloch gebracht werden. Beim Verfüllen des Loches mit Erde muss das Bäumchen mindestens fünf Zentimeter nach oben gezogen werden, damit keine der Wurzeln am Pflanzlochboden aufsteht. Und: Beim Verdichten der Erde muss die Pflanze stets mit einer Hand festgehalten werden, damit die Wurzeln nicht gestaucht werden.

Eine dritte Möglichkeit brachte Förster Olaf Rahm vom Forstrevier Sauerlach in die Diskussion: die Saat. Die Wurzeln gesäter Bäumchen könnten ähnlich ungestört aufwachsen wie bei der natürlichen Verjüngung. Es gebe viel zu beachten, die Erfolge seien aber insgesamt gut.

Auf Kahlflächen mit vielen Brombeeren oder zu hohem Wildbestand können vor allem die Mischbaumarten ohne einen sogenannten Einzelschutz nicht aufwachsen. Wichtig seien hier ein haltbarer Pflock beispielsweise aus Robinie und ein ausreichend großer Durchmesser des Drahtgeflechts, damit die Pflanzen eine solch unerwünscht schwierige Startphase überstehen.

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