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Windräder „schee oder schiach“? Experte räumt mit Missverständnissen auf - und gibt Tipps

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Von: Carl-Christian Eick

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Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen UWW
Andreas Scharli, Energiemanager in den Reihen der Energiewende Oberland, referierte auf Einladung der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) über nachhaltige Energieversorgung in Unternehmen. © Hans Lippert

Andreas Scharli, Energiemanager der Bürgerstiftung Energiewende Oberland, bricht eine Lanze für Windräder und PV-Anlagen. Auch den ein oder anderen Tipp zum Energie sparen hat er parat.

Wolfratshausen – Andreas Scharli ist ein Überzeugungstäter. Der Gas- und Wasserinstallateur, heute Energiemanager in den Reihen der Bürgerstiftung Energiewende Oberland, referierte auf Einladung der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen, kurz UWW, über die nachhaltige Energieversorgung. Scharli zog viele nützliche Tipps aus dem Köcher – und räumte mit Missverständnissen auf.

Energiewende: Windräder schee oder schiach? Für Bürgerstiftung „keine Frage mehr“

Das Ziel der Bürgerstiftung, zu der die Kreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Miesbach und Garmisch-Partenkirchen zählen, sei, bis 2035 „unabhängig von fossilen Energieträgern“ zu sein. „Nicht energieautark“, betonte Scharli, „und auch nicht klimaneutral.“ Aktuell, so der Energiemanager, werde Wärme im Oberland zu 86 Prozent mit fossilen Brennstoffen erzeugt – nur rund zwei Prozent durch Solarthermie.

Dazu kommen etwa zehn Prozent Biomasse sowie circa zwei Prozent Oberflächengeothermie, die für die Wärmegewinnung genutzt werde. Und ganz egal, wie groß die Anstrengungen auch seien, die Wärmeleistung quantitativ zu erhöhen: An Einsparungen führe kein Weg vorbei, „weil der Bedarf sonst nicht gedeckt werden kann“.

Wenn ein Unternehmer ein neues, energiesparendes Heizungssystem kauft, das 20, 25 Jahre in Betrieb ist, ist es doch piep, was es am Anfang gekostet hat.

Andreas Scharli, Energiemanager bei der Bürgerstiftung Energiewende Oberland

Investitionen, die den Energieverbrauch eines Unternehmens reduzieren, „gehen natürlich ins Geld“, räumte Scharli ein. Er gab aber zu bedenken, dass sich die derzeit horrenden Kosten für Öl, Benzin, Gas und Strom mutmaßlich „nicht mehr auf das alte Preisniveau einpendeln werden“. Aus diesem Grund sei „die Fixierung auf den Return on Invest“, das heißt, die Fixierung auf den möglichst zeitnahen Punkt, an dem der Erfolg des eingesetzten Kapitals messbar wird, falsch.

Dasselbe gelte für die Amortisierungsberechnung. Sinnvoller sei es, „Lebenszyklusberechnungen“ anzustellen. Wenn der Unternehmer beispielsweise ein neues, energiesparendes Heizungssystem kaufe, „das 20, 25 Jahre in Betrieb ist“, sei es doch „piep, was es am Anfang gekostet hat“, meinte Scharli.

Energieverschwendung bei Unternehmen: „Beispiele, die wehtun“

Negativbeispiele, sprich Betriebe, bei denen die Energie im buchstäblichen Sinne aus dem Fenster geworfen wird, kennt der Experte viele. „Beispiele, die wehtun.“ Scharli berichtete exemplarisch von einem Unternehmen, dessen Namen er nicht nannte, das für den Produktionsprozess mehrere Hundert Grad heißes Wasser benötigt.

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Anschließend „warten die, bis das Wasser in großen Behältern auf dem Hof auf unter 80 Grad abgekühlt ist – und leiten es dann in den Kanal.“ Das müsse auf der einen Seite so sein, weil über 80 Grad heißes Wasser die Bakterien im Klärwerk umbringen würde. Doch auf der anderen Seite ließe sich das siedend heiße Abwasser sicherlich nutzen, statt es in Abkühltanks sich selbst zu überlassen.

Energiewende Oberland: Diskussion um Windkraft überflüssig

Scharli und UWW-Vorsitzender Christian von Stülpnagel, der zu den Gründungsstiftern der Energiewende Oberland gehört, waren sich einig. „Wir müssen umdenken“, sagte von Stülpnagel – und Scharli erteilte Denkverboten eine Absage. Die Diskussion „Windkraft – schee oder schiach?“ ist für ihn so überflüssig wie ein Kropf. Auch das Argument, dass Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen die Landschaft verschandeln, „ist kein Argument mehr“.

Laut Scharli sind beide Technologien unverzichtbar, „denn wir müssen zusätzlichen Strom gewinnen“, es gehe um die „Versorgungssicherheit“ für die Industrie und die Bürger. Forciert werden müsse zudem der Ausbau der Wasserkraft, konkret unter Nutzung des Loisach-Isar-Kanals. Doch für das Wasserwirtschaftsamt „ist die Loisach heilig“, schob Scharli den Schwarzen Peter nach Weilheim – „deswegen kommen wir keinen Schritt weiter“.

Energie sparen: Bei 18 Grad Außentemperatur „braucht’s keine Heizung“

Grundsätzlich empfahl der Fachmann zu prüfen: „Was macht mein Heizkessel den ganzen Tag?“ Die werksseitigen Einstellungen seien mit Vorsicht zu genießen, „der Heizungsbauer ist nicht fürs Energiesparen verantwortlich“. Ratsam sei „ein Blick ins Handbuch, in die Bedienungsanleitung“. Viele Heizkessel würden bereits bei relativ moderaten Außentemperaturen anspringen: „Aber bei 18 Grad Außentemperatur braucht’s keine Heizung.“ (cce)

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