Vertreter des Vereins Bürger für Bürger Wolfratshausen.
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Sie stehen hinter Bürger für Bürger: (v. li.) Peter Lobenstein, Peter Schöbel, Ernst Wieser und Eva Maria Rühling. Foto: sh

Nachbarschaftshilfe „Bürger für Bürger“ feiert Geburtstag

Wolfratshausen: Seit 30 Jahren sind Bürger für Bürger da

Kinder, Rentner, junge Familien: Von den Angeboten der Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger in Wolfratshausen kann jeder profitieren. Seit 30 Jahren engagieren sich Ehrenamtliche in dem Verein, dessen verschiedene Ressorts unsere Zeitung in loser Folge vorstellt.

  • 30 Jahre besteht die Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger in Wolfratshausen
  • Die Ehrenamtlichen engagieren sich in elf Ressorts
  • Die aufgrund der Corona-Pandemie wegbrechenden Spendengelder bereiten den Aktiven Sorgen

Wolfratshausen – Wenn Senioren Gesellschaft suchen, Eltern dringend einen Babysitter benötigen, das Kind gerne mit Spielkameraden toben möchte oder man die Kaffeemaschine nicht mehr alleine richten kann: In all solchen Situationen stehen in Wolfratshausen Helfer bereit. Der Verein Bürger für Bürger (BfB) organisiert unkompliziert und schnell Hilfe. Heuer feiert die Nachbarschaftshilfe ihr 30-jähriges Bestehen.

Beim Blick in die Gründungsprotokolle musste Ernst Wieser schmunzeln. Der Wolfratshauser arbeitet anlässlich des runden Geburtstags an einer Chronik, die die rasante Entwicklung des Vereins aufzeigt. Am 16. November 1990 trafen sich genau zwölf Mitglieder, um die Nachbarschaftshilfe auf die Beine zu stellen. Inzwischen sind es mehr als 100 Mal so viele: 1400 Mitglieder zählt BfB heute. Auch das Angebot des Vereins, der ursprünglich einen Kinderpark anbot und kurz darauf einen Treffpunkt für Senioren organisierte, hat sich vervielfacht:

Während des Lockdowns beteiligte sich der Verein an Einkaufshilfen

Elf verschiedene Ressorts betreuen die Ehrenamtlichen und bieten somit für jede Altersgruppe und für fast jede Notsituation Aktivitäten an. „Wir haben über die Zeit hinweg unser Angebot immer wieder angepasst und konnten auf die Bedürfnisse der Wolfratshauser reagieren“, sagt Eva Rühling, Stellvertretende Vorsitzende. So beteiligte sich der Verein jüngst an einer Initiative, die Einkaufs- und Alltagshilfen während des Corona-Lockdowns anbot.

Um der Wegwerfmentalität entgegenzuwirken, wurde vor zwei Jahren ein Reparaturcafé aus dem Boden gestampft. Dort wird Gästen bei Kaffee und Kuchen gezeigt, wie sie Haushaltsgeräte und Werkzeuge selbst wieder auf Vordermann bringen können. Für die Jüngsten gibt es einen Kinderpark, die ältesten Wolfratshauser nehmen Veranstaltungen des Seniorentreffs wahr oder lassen sich von der Seniorenhilfe unter die Arme greifen.

Für die Mitglieder bedeutet das viel Arbeit: „Im vergangenen Jahr haben wir etwa 25000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet“, sagt Vereinschef Peter Lobenstein. Neben den Hilfsangeboten selbst zählen hier auch die Stunden der Organisations- und Büroarbeit dazu, die für die Koordination eines Vereins von dieser Größe nötig sind. Um so viele Stunden auf ausreichend viele Schultern zu verteilen, braucht es eine Vielzahl an Helfern – und der Verein sorgt sich um den Nachwuchs. „Es wird immer schwieriger, gerade junge Leute zu finden und zu mobilisieren, sich in einem gewissen Umfang einzubringen“, sagt Eva Maria Rühling. Viele ältere BfB-Mitstreiter würden gerne bald in den Ehrenamts-Ruhestand eintreten, halten dem Verein aber noch so lange die Stange, bis die Nachfolge geregelt ist.

Peter Schöbel leitet seit 25 Jahren den Seniorentreff

Peter Schöbel ist so ein Beispiel. Er leitet seit mehr als 25 Jahren den Seniorentreff, für den er gesellige oder sportliche Veranstaltungen für ältere Mitbürger organisiert. „Aber es gibt einfach kaum jemanden, der ein solches Maß an Arbeit leisten kann“, sagt Rühling. Zwar gebe es immer wieder „Glücksgriffe“, die Ressorts übernehmen oder dem Vorstand zur Seite stehen, die Regel sei das aber nicht. „Viele sind schon bereit, mal über einen gewissen Zeitraum zu helfen. Aber eine verpflichtende, längerfristige Tätigkeit möchten die wenigsten davon annehmen.“

Wir leben von zwei Säulen: Spenden und Mitgliedsbeiträgen.“

Peter Lobenstein

Viel Geld, um potenziellen Helfern das Engagement schmackhaft zu machen, hat der Verein nicht zur Verfügung. „Wir leben von zwei Säulen: Spenden und Mitgliedsbeiträgen“, sagt Peter Lobenstein. Letztere haben sich seit 1990 nicht verändert. Damals startete der Verein mit einem jährlichen Beitrag von 24 Mark, heute beträgt er zwölf Euro. An eine Erhöhung denkt Lobenstein nicht: „Bei diesem Preis kann jeder Mitglied bei uns werden, und wer mehr Hilfeleistungen in Anspruch nimmt, zahlt eben dementsprechend etwas mehr“, erklärt er.

Die während der Pandemie ausbleibenden Spendengelder sorgen bei BfB für Sorgenfalten. „Es ist nicht so, dass gerade jetzt die Unternehmen kommen und bereit sind, große Beträge in die Hand zu nehmen“, berichtet Rühling.

Mit mehreren Studenten zusammen hat der Verein in den vergangenen Monaten überprüft, wie BfB im Vergleich zu anderen Nachbarschaftshilfen aufgestellt ist. „Die anderen, gerade hier im Münchner Umfeld, erhalten sehr große, jährliche Förderungen von den Kommunen“, weiß Rühling. Teilweise könnten sie deshalb sogar hauptberufliche Geschäftsführer beschäftigen, die das Büro des Vereins leiten, „und wir könnten wahrscheinlich keine Bürokraft bezahlen“. BfB betreibt alles im Ehrenamt. Umso erstaunlicher ist die Entwicklung zu einem elf Ressorts umfassenden Verein.

Dominik Stallein

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