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Er fiel einem Mordkomplott zum Opfer - Heute ist er der Ortsheilige: Eine Sage aus Wolfratshausen

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Von: Dominik Stallein

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Eine Gliederpuppe
Der Pilger Nantvin wurde zum Ortsheiligen von Wolfratshausen. Um ihn ranken sich Legenden. Im Heimatmuseum war eine Gliederpuppe von ihm ausgestellt. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Den Namen kennt (fast) jeder Wolfratshauser. Aber wer genau sich dahinter verbirgt, und warum Nantovinus zum Tode verurteilt wurde, wissen nur die wenigsten. 

Wolfratshausen – Den Namen kennt (fast) jeder Wolfratshauser. Aber wer genau sich hinter dem Ortsheiligen verbirgt, und was dazu führte, dass Nantovinus zum Tode verurteilt wurde, das wissen nur die wenigsten. Vieles ist historisch überliefert. Vermutlich fiel Nantovinus einem Komplott zum Opfer.

Er fiel einem Mordkomplott zum Opfer - Heute ist er der Ortsheilige: Eine Sage aus Wolfratshausen

Im Jahr 1286 kam ein Pilger aus dem Norden in das heutige Wolfratshausen: Konrad Nantvin übernachtete in einer Herberge, zu der eine Schankwirtschaft gehörte. Die Wirtin war berühmtberüchtigt: Viermal war Rena Zapf (über die es auch eine Legende gibt) verheiratet, und Gerüchten zufolge hatte sie eine höchst uncharmante Art, ihre Geliebten wieder loszuwerden – nämlich mit Gift. Das berichtet der Historische Verein in einem Text auf seiner Homepage.

In Zapfs Schänke verkehrten viele Wolfratshauser, unter anderem der Verwalter Ganter oder Ganthar, je nach Überlieferung – beide werden in dieser Geschichte noch eine tragende Rolle spielen. Der Übernachtungsgast aus dem Norden fiel schnell auf. Zum einen durch sein Pferd – ein prächtiger Schimmel – und das Gold, das er mit sich trug. Ganter, der Verwalter, wollte Nantvin das Pferd abkaufen. Der Pilger lehnte jedoch ab. Eine tödliche Entscheidung.

Legende aus Wolfratshausen: Pilger Nantovinus wurde Opfer einer raffgierigen Wirtin

Ganter und die Wirtin schmiedeten einen hinterhältigen Plan: Zapf behauptete, dass sich Nantvin an ihrem behinderten Sohn vergangen habe. Als Beweis legte sie eine Goldmünze vor, die der Reisende ihrem Spross aus Mitleid gegeben haben soll. Statt in der Herberge verbrachte Nantvin die folgenden Nächte im Kerker der Wolfratshauser Burg hoch über den Dächern der heutigen Altstadt. Sein Schimmel und sein Gold wurden beschlagnahmt – von Ganter höchstselbst. Der Verwalter fungierte im Prozess gegen den Reisenden als Richter und Ankläger zugleich. Nantvin hatte keine Chance: Er wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Ein antiker Kupferstich
Nantovinus und die Kapelle in Wolfratshausen: Ein antiker Kupferstich zeigt den Heiligen © Archiv

Am 7. August 1286, so der Historische Verein, wurde Nantvin verbrannt: Mit seinem gottergebenen Auftreten hinterließ er bei den Schaulustigen den Eindruck, dass da ein Unschuldiger das Büßergewand trug. Nach seinem Tod spann sich eine Legende um Nantvin. Wie dem Heiligenlexikon zu entnehmen ist, konnten seine Gebeine blinden Menschen und wohl auch blinden Pferden das Augenlicht zurückgegeben. Papst Bonifacius VIII. soll im Jahr 1297 Nantvins Heiligsprechung vollzogen haben.

Wolfratshausen: Ortsteil ist nach Nantovinus benannt

Der Schriftsteller Alexander Schöppner, der 1860 verstarb, schreibt in einer Legendensammlung: „Das Gerücht von dieser ungerechten That (sic) und die Wunderzeichen, welche sich an dem Orte des erlittenen Martertodes offenbarten, zogen bald viel andächtiges Volk von nah und fern herbei.“ An der Stelle, an der Nantvin starb „eine Viertelstunde vom Markte Wolfratshausen entlegen“, so Schöppner, wurde zu seinen Ehren eine Kapelle gebaut. Der Wolfratshauser Ortsteil Nantwein erinnert mit seinem Namen noch heute an die Legende um den zu Unrecht getöteten Pilger.

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