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Eröffneten die erste Sonderausstellung im Badehaus: Dr. Kaija Voss (2. v. re.) und Dr. Sybille Krafft (re.). 

Bis 28. Februar zu sehen

Erinnerungsort Badehaus: Das zeigt die erste Sonderausstellung

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Unter dem Titel „Jüdische Architekten der Moderne und ihr Wirken in der Welt“ eröffnete die erste Sonderausstellung im Wolfratshauser Badehaus. Mit ihr nimmt auch die Moderne Einzug in das historische Gebäude.

Wolfratshausen – „Jüdische Architekten der Moderne und ihr Wirken in der Welt“, lautet der Titel der ersten Sonderausstellung im Badehaus. Ganz gezielt als „architekturgeschichtlichen Gegenpol zur Entstehungsgeschichte des Badehauses während der Nazizeit“ habe man das Thema ausgewählt, sagte Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, bei der Eröffnung.

Dr. Kaija Voss, Architekturhistorikerin und Autorin, erläuterte die Merkmale des Bauhaus-Stils sowie das Wirken der wichtigsten jüdischen Architekten der Bauhausschule und deren Schicksal während des Nazi-Regimes. Walter Gropius gründete die Bauhausschule in Weimar mit dem Ziel, eine moderne, sachliche Architektur zu schaffen für ein besonderes soziales Lebenskonzept. Die Schwarz-Weiß-Fotografien von Jean Molitor zeigen die berühmtesten Gebäude, die bezeichnend für diese Philosophie sind. Auf seinen Bildern stehen die Architektur und deren arttypische Merkmale im Zentrum: Häuser mit runden Ecken und Fensterfronten, die sich wie Bänder um die Fassaden ziehen.

Rund 500 jüdische Architekten und Bauherren schufen vorbildliche Bauten in Deutschland. Nur 300 Schicksale der Baumeister während der Nazizeit sind bekannt. Sie erhielten Arbeitsverbot, wurden enteignet und verfolgt mussten nach England, Amerika und Israel emigrieren. Viele von ihnen überlebten die Flucht und den Neuanfang nicht. Menschen wie Erich Mendelsohn, Fritz Landauer, Fred Forbát gehen in die Baugeschichte ein. Berühmt und beispielhaft für diesen Baustil wurden unter anderem die „Weiße Stadt“ in Berlin, die ikonische Tankstelle in Kopenhagen und das schiffsbug-spitze „Boat-House“ in Israel.

Als Krafft für Zeitzeugengespräche in Tel Aviv war, traf sie zufällig den Bauhaus-Kenner Robby Waks. Aus dieser Begegnung entstand ein zehnminütiger Film, der bei der Ausstellungseröffnung gezeigt wurde. Waks beschreibt darin das Leben in den Baudenkmälern Tel Avivs. Einige seien allerdings dem Verfall ausgeliefert.

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Die Ausstellung im neu eröffneten „Erinnerungsort Badehaus“ setze einen „Kontrapunkt in Bezug auf die Geschichte dieses Gebäudes in Waldram“, so Krafft. „Es ist ein anderer Geist, der hier heute einziehen darf.“  

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Ausstellung

„Jüdische Architekten der Moderne und ihr Wirken in der Welt“ ist bis 28. Februar 2019 im Badehaus zu sehen. Parallel zur Ausstellung erschien im Bebra Verlag Berlin das Buch „Bauhaus – Eine fotografische Weltreise“ von Kaija Voss mit Fotografien von Jean Molitor.

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