Markus Fagner auf seinem Getreidefeld
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Abgeholzt: Markus Fagner zeigt an, wie hoch das durch den Hagel vernichtete Getreide auf seinem Feld bei Meilenberg jetzt stehen müsste. Am Himmel braut sich bereits die nächste Regenfront zusammen.

Getreide kaputt, Heuernte zerstört

Erschlagen vom Hagel: Landwirte leiden unter heftigen Unwetterschäden - bis zu 50 Prozent Ernteausfall

  • VonPeter Borchers
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Lange Jahre war es zu trocken - jetzt kommt die Feuchtigkeit geballt. Landwirte leiden unter dem Dauerregen und den heftigen Hagelgewittern. Die Zerstörung stellt sie vor eine harte Probe.

In den vergangenen heißen Sommern blickten die Bauern oft mit sorgenvoller Miene auf Wiesen und Felder – und in ihre Wälder. Die anhaltende Trockenheit dörrte die Böden aus, entfärbte die Flora. Die präsentierte sich in zartem Lind- statt sattem Dunkelgrün. Heuer leidet die Landwirtschaft teilweise unter dem anderen Extrem: Dauerregen und, viel schlimmer, sich wiederholende Hagelunwetter.

Wolfratshausen: Landwirte leiden unter Dauerregen und wiederholenden Hagelunwettern

Gut Meilenberg bei Wolfratshausen lag ziemlich genau in der Einflugschneise der ersten Front am 21. Juni mit bis zu golfballgroßen Eisklumpen. Dementsprechend heftig sind die Schäden. „Nicht unter 500 Dachplatten“ seien zerborsten, sagt Eigentümer Markus Fagner, „denn wir sind ja ein großer Betrieb mit vielen Gebäuden.“

Das Dach der Maschinenhalle ist „ein Totalschaden, Gott sei Dank ist alles versichert“. Allerdings schließen sich nun weitere Fragen an: Wohin mit den Maschinen, bis alles repariert ist? Und wohin mit den Asbestfasern enthaltenden Eternitbruchstücken? Sie müssen natürlich umweltgerecht entsorgt werden.

Nach heftigem Gewitter: Getreide komplett kaputt, Heuernte ebenfalls zerstört

Die Zerstörungen reduzieren sich in Meilenberg nicht nur auf die Hardware. Fagner baut auf rund zehn Hektar Land Getreide an, und das „ist zu 100 Prozent kaputt“. Auch die Heuernte auf etwa 15 Hektar wird komplett ausfallen. Der 60-Jährige hat zwar eine Hagelversicherung für den Getreideanbau abgeschlossen, was im Oberland, wo die Grünlandbewirtschaftung dominiert, eher die Ausnahme ist.

Jedoch reguliert keine Assekuranz der Welt die emotionale Belastung. „Wenn innerhalb von 20 Minuten alles den Bach runtergeht, wofür du zuvor monatelang gearbeitet hast, macht das etwas mit dir.“ Fagner hat „einige Tage gebraucht, bis das verdaut war“. Ob der Hagel in seinem Wald Schäden angerichtet hat, kann der studierte Archäologe noch nicht abschließend beantworten. Während eines ersten Kontrollgangs hat er einige Bäume entdeckt, „denen es die Rinde weggerissen hat“.

Vier bis fünf Hektar sind zu 100 Prozent zerstört

Moritz Singer

Wenige Kilometer südwestlich, im Münsinger Ortsteil Attenkam, liegt der Doasahof der Familie Singer. Vater Josef und Sohn Moritz bauen auf etwa 20 Hektar Mais und Getreide an. „Vier bis fünf Hektar sind zu 100 Prozent zerstört“, sagt der Junior, auf den restlichen Feldern, die teilweise auch in Dorfen nahe Meilenberg und im Berger Ortsteil Bachhausen liegen, rechnet Singer mit 50 Prozent Ernteausfall.

Großer Unwetter-Schaden: Landwirt rechnet mit 50 Prozent Ernteausfall

Anders als Fagner ist die Familie nicht versichert. „Das ist heuer natürlich blöd gelaufen. Aber die letzten 20, 30 Jahre ist es immer gut gegangen. Was wir da an Beiträgen gezahlt hätten, würde die Schadenssumme jetzt sicher weit übertreffen“, rechnet Moritz Singer vor. Auf dem Hof selbst gingen zwar ein paar Dachplatten und Stallfenster entzwei, „aber da sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“.

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Der Landkreis-Süden war von den Unwettern nicht so stark betroffen. „Hagelstriche“, so nennt sie Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), gab es jedoch auch in Bad Heilbrunn mit den Ortsteilen Oberbuchen und Linden, wo er selbst zu Hause ist.

Am 24. Juni, ein Donnerstag, schlugen zwei Zentimeter starke Hagelkörner auf das Grünland ein, das der 63-Jährige bewirtschaftet. „Das Gras ist nicht kaputt, hat’s aber ganz schön zusammengestaucht.“ Schneiden, so wie er es vorgehabt hatte, konnte Fichtner am folgenden Samstag jedenfalls nicht, „das Mähwerk wäre einfach drübergelaufen“.

Nach schweren Unwettern: Landwirte wünschen sich trockene Tage

Der viele Regen in diesem Jahr behindert die Grünlandbauern gerade im Südlandkreis – auf dessen lehmige Böden sich die Trockenheit der vergangenen Jahre nicht so negativ auswirkte wie auf die kiesigen im Norden. Fürs Dörrfutter bräuchten Fichtner und Kollegen „drei schöne, trockene Tage hintereinander“. Die gibt es seit Wochen kaum. Teilweise stehe noch der erste Schnitt auf den Wiesen, „dabei müssten wir um diese Zeit normalerweise beim zweiten sein“.

Doch kein Schaden ohne Nutzen: BBV-Kreischef Fichtner freut sich an den satten Farben der Natur. „So schön dunkelgrün standen Bäume und Wiesen schon lange nicht mehr da“. Und Markus Fagner ist „froh um jeden Tropfen Regen“ für den geschundenen Wald auf seiner Meilenberger Hochmoräne, wo das Wasser schnell abfließt.

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