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Treffpunkt Garage: Mehr als 80 Wolfratshauser boten am Samstag all das zum Verkauf an, was sie selbst nicht mehr brauchen.

Stöbern, ratschen, Freunde treffen

So war der erste Hof- und Gartenflohmarkt

Wolfratshausen – Orangene Luftballons hängen am Samstag an mehr als 80 Gartenzäunen, Haustüren und Briefkästen. Sie zeigen, welche Familien am ersten Hof- und Gartenflohmarkt teilnehmen. An den Verkaufsständen durchforsten trotz des unbeständigen Wetters viele Interessierte das Angebot nach ausrangierten Schätzen.

„Ich habe viele Kleinigkeiten gefunden, die ich gut gebrauchen kann“, sagt Hanna Hitzer und zeigt auf Küchenutensilien, die sie günstig erstanden hat. Im Vordergrund steht für die Weidacherin beim Besuch der vielen Flohmarktstände aber nicht das Einkaufen selbst. „Man kommt mit so vielen Leuten in Kontakt, die man sonst nur flüchtig sieht.“ In der zum Basar umfunktionierten Garage von Stadträtin Kathrin Gschwendtner plaudert Hanna Hitzer angeregt mit anderen Kunden, die die Holztische voller Kleidung, CD’s, Computerspielen und allerlei anderem Krimskrams durchsuchen.

Das Publikum ist gemischt: Zwei zehnjährige Mädchen informieren sich über ein Konsolenspiel, eine Rentnerin kauft Plastikschalen und Tupperware. Es wird langsam eng in der Garage. „Wenn der Regen aufhört, kommt immer ein Schub Besucher“, sagt Kathrin Gschwendtner. „Dann ist hier schon ganz gut etwas los“, fügt sie an, bevor sie der Rentnerin im bunten Regenmantel die Plastikschalen verkauft. „Obwohl das Wetter so unbeständig ist, sind viele Leute hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

Auch Hanna Hitzer radelt weiter zum nächsten Verkaufsstand, der nur wenige Meter entfernt ist. Die Gartentische, auf denen sich Ausrangiertes stapelt, stehen unter einigen Plastikplanen, die vor dem Regen schützen. Auf einem Stuhl liegt ein Stapel Schallplatten. „Wahnsinn, da werden Erinnerungen wach“, sagt ein älterer Flohmarktgänger, als er die Rockmusiksammlung durchsucht. Wenige Schritte davon entfernt regen sich die nächsten Erinnerungen bei dem Wolfratshauser. Dort findet er eine Sammlung alter Karl-May-Bücher, die er grinsend durchblättert. Er kauft sich jedoch keines: „Die habe ich alle selbst im Regal.“

Neben ihm unterhalten sich die Verkäufer mit ihren Nachbarn. Einige Meter weiter steigt den Flohmarktbesuchern rund um den orangefarbenen Ballon, der im Nieselregen in die Luft ragt, der Duft von frisch Gegrilltem in die Nase. Einige Nachbarn haben sich inmitten der eigenen Flohmarktstände zusammengesetzt und plaudern so angeregt, dass das Fleisch auf ihren Tellern kalt wird. Es sind genau solche Szenen, die sich die Initiatorin des Projekts, Dr. Ulrike Krischke, gewünscht hat. „Die Menschen sollen rauskommen, Gespräche finden und Nachbarn und andere Wolfratshauser ein bisschen besser kennen lernen“, erklärt sie.

Viele Flohmarktteilnehmer laden ihre Nachbarn zu Kaffee und Kuchen ein, bieten wildfremden Kunden etwas zu essen an und führen stundenlange Gespräche mit flüchtigen Bekannten. Das Gartenfest, das Krischke bei sich daheim ausrichtete, fiel kleiner aus als angenommen. Für sie kein Grund, traurig zu sein. „Viele Gäste haben abgesagt, weil sie auf dem Flohmarkt zu ihren Nachbarn eingeladen wurden oder noch so nett beisammen sitzen.“

Auch Hanna Hitzer ist begeistert. „So ein tolles Event darf es ruhig öfter geben“, sagt die Weidacherin. Sie freue sich jetzt schon, dass es auch im nächsten Jahr einen Hof- und Gartenflohmarkt geben soll.

von Dominik Stallein

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