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Happsche Apotheke: Über diese Immobilie wollen die Räte im Januar in einer Sondersitzung sprechen.

Wichtige Weichen für Stadtentwicklung

Das erwartet Wolfratshausen 2017

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Wolfratshausen – Nach einer Hüft-Operation und anschließender Reha ist Bürgermeister Klaus Heilinglechner kurz vor dem Jahreswechsel ins Rathaus zurückgekehrt. In einem Gespräch mit unserer Zeitung lässt der 49-Jährige die vergangenen zwölf Monate kurz Revue passieren und verrät, welche Herausforderungen im neuen Jahr auf die Flößerstadt zukommen.

„Besonders gefreut hat mich in 2016, dass es gelungen ist, fast alle Asylbewerber in unserer Stadt dezentral unterzubringen“, sagt der Rathauschef. Das sei ein Kraftakt gewesen, der nur durch das gute Zusammenspiel von Landratsamt, Kommune und Asylbewerberkreis gemeistert werden konnte. Die Ankündigung der Regierung von Oberbayern, Flüchtlinge künftig nur noch in Gemeinschaftsunterkünften beherbergen zu wollen, erfüllt Heilinglechner mit Sorge. Das werde die Integration noch schwieriger machen. Zudem fürchtet der Bürgermeister ein Sicherheitsproblem: Denn die Regierung bewillige pro Gemeinschaftsunterkunft jeweils nur einen Verwalter und einen Hausmeister. Einen Sicherheitsdienst zahle der Staat nicht. „So mache ich das nicht mit“, kündigt Heilinglechner an. Nach dem Ende des Weihnachtsfriedens werde er sowohl Regierungspräsidentin Brigitta Brunner, als auch Bayerns Finanzminister Markus Söder einen entsprechenden Protestbrief schreiben.

Städtische Immobilie am Untermarkt 10: Der Stadtrat muss entscheiden, wie es weitergeht.

Positiv blickt der Bürgermeister auf den Kauf und den Umbau der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofstraße zurück. Im Januar/Februar werde das Stadtarchiv in die neuen Räume umziehen, summa summarum seien alle Arbeiten im vorgegebenen Kostenrahmen geblieben.

Investitionen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen

„Teuer“, das räumt der Rathauschef ein, sei die Erweiterung des Kindergartens an der Badstraße gewesen. Rund 780 000 Euro hatte sich die Stadt den Anbau – bestehend aus einem Gruppenraum, einem Ess-, einem Schlafraum sowie neuen Sanitäranlagen mit Wickelbereich – für eine Krippengruppe kosten lassen. Man dürfe in der Kostendebatte allerdings nicht außer acht lassen, „dass in Wolfratshausen jedes Kind einen Platz findet – und wir haben noch Luft nach oben“, stellt der 49-Jährige fest. Davon könnten andere Städte und Gemeinden nur träumen.

Heilinglechner kündigt an, dass die Loisachstadt auch in den kommenden Jahren kräftig in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen investieren wird. Ganz oben auf der Agenda steht nach seinen Worten der Umbau der Hammerschmiedschule. Der Bürgermeister rechnet mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Derzeit läuft eine europaweite Ausschreibung der Architektenleistung. Sinnvoll sei es, im Zuge der Planungen über die Schaffung einer Energiezentrale nachzudenken, die zusätzlich zur Hammerschmiedschule die benachbarten Objekte alte Landwirtschaftsschule, Loisachhalle, Dreifachturnhalle und Jugendhaus La Vida versorgen könnte.

Viele Projekte für 2017

Asylbewerber nur noch in Gemeinschaftsunterkünften: Diese s Thema bereitet Klaus Heilinglechner Sorge.

Dass heuer bei der städtischen Immobilie am Untermarkt 10 „nichts weitergegangen ist“, ärgert Heilinglechner. Seit dem Bürgerentscheid Ende 2015, der de jure das Aus des geplanten Bürgerladens in der denkmalgeschützen Immobilie bedeutete, steht die Zukunft des Eckhauses in den Sternen. Nicht zuletzt, weil das Gebäude wie berichtet schadstoffbelastet ist und eine Generalsanierung mutmaßlich mit gut zwei Millionen Euro zu Buche schlägt. Die Frage ist: Kann und will die Kommune die Sanierung selbst schultern – oder soll der Untermarkt 10 nach dem Vorbild des alten Vermessungsamtes in der Altstadt einem privaten Investor überlassen werden? „Der Stadtrat muss 2017 eine Entscheidung fällen“, konstatiert Heilinglechner.

Auf der Tagesordnung fürs kommende Jahr stehen darüber hinaus der Bau eines neuen, fünf- bis sechsgruppigen Kindergartens an der Bahnhofstraße. „Und wir werden über die Innenstadt – Stichworte ehemaliges Isar-Kaufhaus und alte Happ’sche Apotheke – reden müssen.“ Letztere hat die Stadt wie berichtet gekauft. Im Januar wird Heilinglechner die Stadträte zu einer Sondersitzung einladen. Thema ist „die Parkierung am Hatzplatz“ – auch mit Blick auf die seit Jahren diskutierte Neugestaltung des westlichen Loisachufers. Vorantreiben möchte der Rathauschef zudem die bereits vom Stadtrat beschlossene Wohnungsbauoffensive.

Wichtige Weichen für die Stadtentwicklung

Ehemalige Landwirtschaftsschule: Die Kosten für den Umbau blieben im vorgegebenen Kostenrahmen.

„Wenn wir uns nicht in kleinpolitischem Gezänk verzetteln, können wir 2017 einige sehr wichtige Weichen für die Stadtentwicklung stellen“, sagt der Bürgermeister. Die Loisachstadt sei in seinen Augen auf dem richtigen Weg, nach der von ihm angeregten und erfolgten Mediation herrsche im Rat Harmonie. „Aber Kuschelkurs möchte ich natürlich auch nicht“, betont Heilinglechner.

cce

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