Ein Netto-Markt
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Die Zukunft des Netto-Marktes im Wolfratshauser Stadtteil Weidach steht derzeit in den Sternen. Der Grundstückseigentümer plant an der Stelle eine Wohnbebauung.

Grundstückseigentümer hat neue Pläne

Es droht der Abriss: Dieser Supermarkt in Wolfratshausen könnte verschwinden

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Böse Überraschung: Der Grundstückseigentümer plant den Abriss des Netto-Marktes im Wolfratshauser Stadtteil Weidach. Bürgermeister und Stadträte setzen nun auf ein Gespräch, um den Nahversorger zu erhalten.

  • Die Tage des Netto-Marktes in Weidach scheinen gezählt
  • Der Grundstückseigentümer plant den Abriss - an der Stelle will er Mehrfamilienhäuser errichten
  • Bürgermeister und Stadtrat arbeiten an einer gütlichen Lösung

Wolfratshausen – Nein, glücklich ist Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) nicht über die Pläne des Grundstückseigentümers. Aber: „Man muss die Gesetzeslage betrachten“, so Eibl. Für das Areal an der Äußeren Münchner Straße 4 in Weidach, auf dem der Netto-Markt steht, gebe es keinen Bebauungsplan. Somit sei es „gutes Recht des Eigentümers“, das Bestandsgebäude abzureißen und durch eine Wohnanlage mit Tiefgarage zu ersetzen.

Genau so lautet der Antrag auf Vorbescheid, den der Grundstückseigentümer im Rathaus eingereicht hat und in der Folge in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats auf der Tagesordnung stand. Demnach sind die Tage des Nahversorgers im Stadtteil Weidach gezählt. Der Bauwerber möchte das Gebäude abbrechen und auf dem Areal drei Mehrfamilienhäuser errichten, insgesamt sieht sein Plan 33 Wohnungen vor. Die notwendigen Stellplätze weist das Münchner Architekturbüro Ochs und Schmidhuber in einer Tiefgarage nach. Gewerberäume für einen Nahversorger finden sich in dem Konzept nicht.

Der Netto-Markt sollte unbedingt erhalten bleiben.“ 

Dr. Hans Schmidt, Grünen-Stadtrat

„Der Netto-Markt sollte unbedingt erhalten bleiben“, sagte Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt zu dem Vorhaben. Ein Mehr an Wohnungen sei zwar gut und schön, aber die Weidacher würden einen Nahversorger benötigen. Denn der Weg zum Kraft-Areal am S-Bahnhof – dort entsteht wie berichtet ein neuer Edeka-Markt – sei mutmaßlich vielen Weidachern zu weit. Schmidt plädierte dafür, dass die Flößerstadt ihre „Steuerungsfunktion“ wahrnehmen müsse und den Grundstückseigentümer in einem persönlichen Gespräch darum zu bitten, dem Netto-Markt weiterhin ein Dach über dem Kopf zu geben. Nicht zuletzt „sorgt ja ein Nahversorger schließlich auch für Rendite“.

Nachdem sich der Bauausschuss bereits in einer nicht öffentlichen Sitzung laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) mit dem Antrag auf Vorbescheid „in der vorliegenden Form sehr schwer getan hat“, lautete sein Vorschlag: „Förmliche Zurückstellung“ des Antrags, „zeitnah“ ein Gespräch mit dem Antragsteller führen. An dieser Unterredung, so Heilinglechner, sollte auch ein Vertreter des Landratsamts, das heißt, der Kreisbaubehörde teilnehmen.

Die Krux: Es gibt keinen Bebauungsplan für das Grundstück

Ohne Ausnahme stimmte das Gremium für den diesbezüglichen Antrag des Rathauschefs. Fritz Schnaller (SPD) äußerte sich zuversichtlich, „dass wir eine Lösung finden werden“. Vorausgesetzt: „Dass von beiden Seiten ein gewisses Verständnis da ist.“ Es sei „richtig“, mit dem Bauwerber mit Blick auf den Netto-Markt zu sprechen, stellte Vize-Bürgermeister Eibl fest. Er machte aber kein Hehl aus der Tatsache, dass das Gegenüber rein rechtlich betrachtet am längeren Hebel sitze. Es existiere kein Bebauungsplan für das Grundstück an der Äußeren Münchner Straße 4. Die Entscheidung, ob dort ein Gewerbe- oder ein Wohnobjekt entstehe, obliege allein dem Eigentümer. Der Ausschuss könne diesem nicht vorschreiben, „was, wie, wo wir etwas gerne wollen“. Eibl: „Das Recht haben wir nicht.“

Zudem steht laut Sabine Trinkl, Mitarbeiterin im Rathaus-Referat Planen und Umwelt, fest: „Das Vorhaben fügt sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Umgebung ein; städtebauliche Belange, die dem Vorhaben entgegenstehen, sind nicht erkennbar.“ (cce)

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