Bericht: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist tot

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Ach, ist der Rasen schön grün: Dr. Josef Hingerl (li.), Pächter der Golfanlage Bergkramerhof, und Golflehrer Ian Lyons (re.) sind mit dem Zustand des Rasens sehr zufrieden. Er beweist: Es geht auch ohne Pesitzide.

Golfplatz Bergkramerhof

Es grünt so grün – auch ohne Gift

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Vor gut zwei Jahren hat sich Dr. Josef Hingerl, Pächter des Golfclubs Bergkramerhof, zu einem radikalen Schritt entschlossen. Er verzichtete auf das, was überall sonst eine Selbstverständlichkeit ist: Pestizide. Frage: Wie läuft das Projekt? Antwort: Mittlerweile sehr gut.

Wolfratshausen – Dr. Josef Hingerl (66) redet nicht lange herum. „Das letzte Jahr war schwierig“, sagt er. Das Ende der Chemie, das er im Herbst 2014 verkündete, bedeutete eine echte Herausforderung. Die Greens am Bergkramerhof waren im Sommer 2016 in keinem idealen Zustand, Pilze breiteten sich aus, hie und da taten sich kleine Löcher auf. Manche Mitglieder des Golfclubs trauten dem neuen ökologischen Konzept nicht und kehrten der Anlage den Rücken. „Wir haben über 100 Mitglieder verloren“, sagt der Rechtsanwalt.

Rasen in einem Topzustand

Heute muss man sagen: Die Leute handelten voreilig. Im Sommer 2017 gehen die Golfer ihrem Hobby auf einem Grün nach, das mehr an einen Teppich als an eine Wiese erinnert. „In einem so guten Zustand war der Rasen noch nie“, sagt Golflehrer Ian Lyons.

Mit der Entscheidung, keine Chemie mehr zu verwenden, hatte Hingerl damals aus der Not eine Tugend gemacht. Der Golfplatz liegt nämlich teils im Wasserschutzgebiet der Stadt Wolfratshausen. Deshalb hatten die Behörden das Verbot ausgesprochen, auf den ersten neun Bahnen Pflanzenschutzmittel auszubringen. Nach Ansicht des Pächters wäre es unsinnig gewesen, das Areal zweiteilig zu bearbeiten. Also ging er in die Offensive.

Dank dem totalen Verzicht auf Fungizide, Herbizide und Co. ist Hingerl aus einem Teufelskreis ausgebrochen, unter dem die Betreiber vieler Anlagen leiden. Es wird immer mehr Chemie verwendet, um der Pilze und anderer Schädlinge Herr zu werden. Diese aber werden im Lauf der Zeit resistent, sodass die Industrie gezwungen ist, neuartige Pestizide zu entwickeln – gegen die Pilze irgendwann wieder immun werden. So geht das immer weiter und hört nie auf. Auf dem Bergkramerhof scheint jetzt die Wende geschafft.

Der Aufwand, den Hingerl und seine Leute treiben müssen ist freilich höher als früher. „Wir haben bis zu einem Drittel mehr Arbeit“, sagt er. Die Chemie ist großteils durch Handarbeit ersetzt worden. Befallene Stellen werden manuell behandelt, nicht mehr besprüht. Außerdem wird seit einiger Zeit ein UVC-Lichtgerät eingesetzt. Die Entwickler dieser Methode haben nachgewiesen, dass ultraviolettes Licht einen Durchbruch beim Thema Pflanzenschutz bedeutet – vor allem für die Greenkeeper auf Golfplätzen.

Ebenfalls neu auf dem Weg zurück zur Natur: eine spezielle Grassorte. Diese wurzelt zehn Zentimeter tief, nicht mehr zwei oder drei wie einst. Die Sorte verträgt es gut, wenn es länger nicht regnet. „Damit sparen wir auch erheblich Wasser.“

Doch auch die Golfer selbst sind gefordert: Ball-Einschlaglöcher, sogenannte Pitchmarken, sind auszubessern. Diese Löcher sind so etwas wie offene Wunden im Erdreich, die Pilzbefall und sonstigen Krankheiten einen idealen Nährboden bieten. Werden die Löcher sofort ausgebessert, entsteht kein Schaden.

Sport für jedermann

Der naturnahe Ansatz ist nur ein Baustein in Hingerls Gesamtkonzept. Er möchte Golf zu einem Sport für jedermann machen. Zu diesem Thema hat er viele Zahlen parat, etwa diese: In Deutschland spielen 0,79 Prozent der Bevölkerung Golf. Kurz: Nicht einmal jeder 100. Deutsche schwingt den Schläger. In Schweden sind es 5,5 Prozent, in Kanada 17 Prozent. „Da gibt es reichlich Potenzial.“ Das Klischee vom elitären Sport für die oberen Zehntausend stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Neureichen Golfanlagen bauten und unter sich sein wollten. Dieses Image wird der Sport hierzulande nur schwer los.

Dabei könnte Golf jedermann gut tun. Die gelenkschonende Bewegung über das Grün, der Wechsel von Anspannung beim Schlag und Entspannung auf dem Weg zum nächsten Loch, der Sinn für die umgebende Natur: All das sind für Hingerl gute Argumente für diesen Sport. Wobei man die körperliche Anstrengung nicht unterschätzen sollte. Eine Runde Golf entspricht zwei Stunden Tennis.

Auch der Frage nach den Mitgliedsbeiträgen, die hierzulande relativ hoch sind, weicht Hingerl nicht aus. „Golfen kostet so viel wie eine Schachtel Zigaretten am Tag, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Rauchen macht krank. Golfen ist gesund und bringt Lebensfreude.“ Übrigens kann man dem Sport auch im Winter nachgehen – in einer Indoor-Anlage.

Darüber hinaus versucht der Anwalt, den Bergkramerhof zu einem Ort der Begegnung zu machen. Jeden Donnerstag wird zu einer anderen Veranstaltung geladen, manchmal ist es Jazz, manchmal sind es philosophische Gespräche. „Auch das Soziale ist ein wichtiger Faktor in diesem Sport“, sagt Hingerl. Ökologie ist wichtig. Aber sie ist nicht alles.

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