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Fotografieren gerne das Essen in Lokalen und verschicken die Bilder per WhatsApp an Familie und Freunde: die Studenten Laura und Thomas. Hier hat es ihnen die liebevoll arrangierte Nachspeise im Münsinger Pinocchio angetan.

Essen teilt man (nicht)

Essensfotos fürs Internet: Das sagen Wirte aus der Region zu dem Trend

Immer mehr Menschen fotografieren ihr Essen im Restaurant und versenden die Bilder via Smartphone an Freunde und Verwandte oder stellen sie ins Internet. Diese (Un-)Sitte greift auch im Landkreis um sich. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Dessert ist wirklich hübsch angerichtet: Inmitten eines rechteckigen Tellers wird die perfekt geformte Panna cotta von Waldbeeren umrahmt und ist garniert mit einem Sahnehäubchen und Minzeblättern. Laura zückt ihr Smartphone, um das Arrangement festzuhalten. Sie versieht das Foto mit der Beschriftung „Neidbild“ und schickt es in die WhatsApp-Familiengruppe.

„Das ist so ein kleiner Spaß, den wir uns machen, wenn wir ausgehen“, sagt die 20-jährige Studentin und lacht. Manchmal schreibe sie auch „Ratet, wo wir sind“ unter das Bild. In diesem Fall entstand es im Ristorante Pinocchio in Münsing, in das Laura gerne mit ihrem Freund Thomas (22) zum Pizza-Essen geht.

Bedienung Kinga hat überhaupt nichts gegen das Schießen und Posten von Essensfotos einzuwenden. „Warum auch? Das ist doch eine gute Werbung für uns. Wir sehen das bei uns im Restaurant ganz locker“, sagt sie. Seit etwa einem Jahr sei das Ablichten der Gerichte mit dem Handy vor allem bei jüngeren Leuten sehr beliebt, hat sie beobachtet.

„Wir haben nichts zu verstecken“

Im etwas gehobeneren Gasthaus Limm in Münsing kann Wirtin Inge Limm ebenfalls gut mit der neuen Modeerscheinung leben. „Wir haben nichts zu verstecken. Es ist doch schön, wenn unsere Gäste es weitersagen, dass es ihnen bei uns gefallen und geschmeckt hat“, meint sie. Auch 30- bis 40-Jährige würden übrigens munter drauflos knipsen, nicht nur Jugendliche.

Otmar Fagner vom Humplbräu in Wolfratshausen sagt, er habe noch nichts in dieser Richtung bemerkt. Würde jemand die Spezialitäten des Hauses mit dem Smartphone verewigen wollen, hätte auch er kein Problem damit. „Lieber wird das Handy dazu benutzt als zum ständigen lauten Telefonieren“, meint er.

In der Flößerei in Wolfratshausen ist es ähnlich: Die Besucher sind offenbar weder besonders mitteilungsbedürftig noch handelt es sich bei ihnen um „Foodblogger“. Aksel Bagiqi, der in der Wirtschaft täglich die Speisen serviert, sagt, er habe noch niemanden beim Fotografieren gesehen. „Und wenn, wäre es nicht verboten bei uns.“

Unappetitliches Foto kann Lokal großen Schaden zufügen

Selbst im Nobel-Restaurant ViCulinaris in Bad Tölz nimmt man das Hobby mancher Gäste gelassen. „Klar, dass jemand eine Anordnung der Speisen, die er so vielleicht noch nie gesehen hat, fotografieren und teilen möchte“, sagt Chef Johann Mikschy. Das passiere seit Jahren, es störe ihn keineswegs. Ein Urheberrecht auf Essen gebe es schließlich nicht.

Die Vorsitzende des Fachbereichs Gastronomie im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, Monika Poschenrieder, betrachtet lediglich das Verbreiten von Bildern kritisch, vor allem wenn es anonym geschieht. Es sei dasselbe wie mit den anonymen Bewertungen im Internet: „Man kann einem Betrieb mit einer vernichtenden Kritik oder einem unappetitlichen Foto großen Schaden zufügen“, gibt sie zu bedenken. Gäste, die so etwas täten, würden dem Wirt keine Chance geben, auf eine Beschwerde zu reagieren. Der Gaststättenverband habe sich früher schon einmal an die damalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit der Bitte gewandt, anonyme Beiträge zu verbieten – jedoch ohne Erfolg.

In ihrem Restaurant, dem Forellenhof Walgerfranz in Bad Tölz, sieht Poschenrieder oft Gäste Handyaufnahmen machen. Sie könne und wolle nicht jeden ansprechen, bitte aber an dieser Stelle darum „sorgfältig mit den Fotos umzugehen“. Würden sie privat verwendet, habe sie aber überhaupt keine Bedenken. Genau wie ihre Kollegen.

Tanja Lühr

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