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Gemeinsam für mehr Artenvielfalt: Auf dem Acker von Hans Urban (li.) säten am Donnerstag (v. li.) Christine Mair (Gartenbauverein Münsing), Wolfgang Neuerburg (Gartenbauverein Beuerberg), Irmgard Sebald (Gartenbauverein Eurasburg) und Walter Wintersberger (Landesbund für Vogelschutz).  

Landkreis soll aufblühen

Grüner Landtagsabgeordneter verschenkt Saatgut an Bürger

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Dass das Volksbegehren für mehr Artenschutz in Bayern spektakulär erfolgreich war, ist bekannt. Wie geht es jetzt auf lokaler Ebene weiter? Der grüne Landtagsabgeordnete Hans Urban, Biobauer aus Eurasburg, hat eine Idee.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Frühling bringt es mit sich, dass es flächendeckend grünt und blüht. Nach Ansicht des Landtagsabgeordneten Hans Urban ist das Potenzial aber noch lange nicht ausgeschöpft. Mit anderen Worten: Es könnte mehr blühen. 

Um im Anschluss an das Volksbegehren weiteren Lebensraum für bedrohte Insektenarten zu schaffen, will der Landwirt aus Oberherrnhausen, der bei der jüngsten Landtagswahl überraschend über die Liste für die Öko-Partei ins Maximilianeum eingezogen ist, die Bürger dazu animieren, in ihren Privatgärten so viel wie möglich zu säen und zu pflanzen. 

Wer sich in seinem Abgeordnetenbüro meldet, erhält bis zu fünf Saatguttütchen mit Samen für je zwei Quadratmeter Bienenweide. „Die Samen bekommt man von mir geschenkt“, sagt er. Es handelt sich eine mehrjährige Blühmischung aus 43 heimischen Wild- und Kulturarten.

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Der Bio-Landwirt geht mit gutem Beispiel voran. Auf dem Packlhof hat er etwa 500 Quadratmeter neue Blühfläche angelegt. Auf der letzten Parzelle mit etwa 100 Quadratmetern wurde bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstag eben dieses Saatgut ausgebracht. „Demnächst kommt noch eine Hecke dazu, die wir einfach in Ruhe lassen, das ist das Beste für die Biodiversität“, erzählt er. Große Sympathie für das Projekt zeigten vor Ort auch Walter Wintersberger (Landesbund für Vogelschutz) und Friedl Krönauer (Bund Naturschutz), was nicht weiter verwundert. Schließlich gehörten die jeweiligen Landesverbände zu den Unterstützern des Volksbegehrens. Doch auch Erich Rühmer vom Isartalverein sowie die Vertreter lokaler Gartenbauvereine erklärten sich solidarisch. „Das ist absolut die richtige Richtung“, erklärte Rühmer. Ja, sogar ein CSU-Mann, Ex-Landrat Manfred Nagler, hatte in seiner Eigenschaft als ehemaliger Präsident des Landesverbands für Gartenbau sein Kommen zugesagt, musste wegen Krankheit jedoch absagen.

Urban wollte nicht mehr auf die teils unschönen Nebengeräusche des Volksbegehrens eingehen. „Es wurde viel zu viel polarisiert, die Hasswellen hätte man vermeiden können“, sagt er. Jetzt gelte es, nach vorne zu schauen und zu zeigen, „wo man tätig werden kann“. Gemeint sind nicht nur die Landwirte, die nach Ansicht von Urban „Artenretter Nummer eins sein können“. Gemeint ist jeder einzelne Bürger. Keine Fläche ist so klein, dass sie nicht bepflanzt werden kann. Ein Balkon genügt.

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Walter Wintersberger erklärte: „Mich freut, dass der Hans das anpackt.“ Nach dem erfolgreichen Volksbegehren gelte es jetzt, Taten folgen zu lassen. Er appellierte an die Bürger, den eigenen Garten „nicht als verlängertes Wohnzimmer zu verstehen“. Eine üppige Flora sei wichtig. „Da kann man schon ein bisschen was zulassen.“

Auch Wolfgang Neuerburg vom Gartenbauverein Beuerberg, zugleich Ex-Forstdirektor, rief dazu auf, keine Angst vor ein bisschen Unordnung zu haben. In seiner Zeit als Amtschef habe er immer wieder Anrufe erhalten, warum tote Bäumen im Wald nicht entsorgt würden. „Aber eben die bieten Insekten Lebensraum“, sagt er. Insbesondere von Thujen-Hecken rät er ab: „Die taugen nix.“ Es gebe viele heimische Sträucher, die der Artenvielfalt besser dienen.

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Christine Mair vom Gartenbauverein Münsing ist aufgefallen, dass das Thema die Menschen derzeit bewegt wie nie zuvor. „Wir werden immer wieder angesprochen.“ Diese Aufmerksamkeit gelte es zu nutzen. So habe man erreicht, dass der neue Radweg nach Weipertshausen mit einem Blühstreifen versehen werde. „Das Straßenbauamt war sehr offen für das Thema.“ Noch ein Stück Landkreis, das blühen wird.

vu

Kontakt

Wer Saatgut bestellen will, meldet sich am besten unter www.hansurban.de

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