Ein Mann auf einer Straße.
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Extraspur: Auf der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen gibt es seit August einen einseitigen Schutzstreifen für Fahrradfahrer.

Testphase ist beendet

Extraspur für Radfahrer in Wolfratshausen: Wird sie zurückgebaut?

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Auf der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen gibt‘s seit Sommer eine Extraspur für Radfahrer. Die Testphase ist zwar inzwischen beendet - doch auf das Testergebnis wird man noch warten müssen.

  • 550 Meter lang ist die Extraspur für Radfahrer auf der Sauerlacher Straße.
  • Der Schutzstreifen ist ein Modellprojekt.
  • Bis das Testergebnis vorliegt, wird das Provisorium nicht zurückgebaut.

Wolfratshausen – Im August hat die Stadt auf der Sauerlacher Straße eine rund 550 Meter lange Extraspur für Fahrradfahrer anlegen lassen (wir berichteten). Jetzt endete die Testphase. Obwohl mindestens mittelfristig nicht mit dem Abschlussergebnis zu rechnen ist, wird der einseitige Schutzstreifen, der eine kontroverse Diskussion auslöste, nicht zurückgebaut. Das erklärt Susanne Leonhard, Leiterin des städtischen Bauamts, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der farblich markierte Schutzstreifen ist ein Modellvorhaben, für das sich die Loisachstadt – vor zwei Jahren als „Fahrradfreundliche Kommune“ ausgezeichnet – beworben hatte. Das geschah in Rücksprache mit der Wolfratshauser Polizei, dem Landratsamt in Bad Tölz und dem Staatlichen Bauamt in Weilheim. Der Hintergrund: Die Technische Hochschule (TH) Nürnberg untersucht in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) in Bayern die Auswirkungen verschiedener Möglichkeiten der Radverkehrsführung auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr unterstützt das Vorhaben finanziell und beratend.

Schutzstreifen ist nicht mit Pop-up-Radweg vergleichbar

Die Schutzstreifen und die sogenannten Pop-up-Radwege, die in den vergangenen Wochen unter anderem in der Landeshauptstadt angelegt worden waren, haben nichts gemein, betont Leonhard. In München seien ganze Fahrspuren als Radwege umgewidmet worden, „diese Straßenbreiten gibt’s bei uns nicht“. Mit der Entscheidung trug der Münchner Stadtrat auch dem Umstand Rechnung, dass der Radverkehr in Folge der Corona-Pandemie sehr stark zunahm. Inzwischen kamen die Münchner Bürgervertreter jedoch mehrheitlich zu dem Schluss, die temporären Fahrradspuren wieder abzubauen.

Die einseitige Extraspur in der Flößerstadt hat dagegen zunächst Bestand. Die TH Nürnberg habe in der mehrwöchigen Testphase Videoaufnahmen angefertigt und vor Ort Interviews geführt. Gemeinsam mit der AGFK sei ein Abschlussbericht in Arbeit, der dem Stadtrat präsentiert werde. Wann das geschieht, sei nicht zuletzt aufgrund der aktuell verschärften Bestimmungen mit Blick auf die Corona-Infektionen schwer vorherzusagen. Mutmaßlich, so Leonhard, werde es in diesem Jahr „wohl nicht mehr klappen.“

Stadtverwaltung prüfte das Geschehen vor Ort

Auch die Stadtverwaltung war laut der Bauamtsleiterin regelmäßig vor Ort. „An verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten“, sagt die Oberverwaltungsdirektorin. Man habe „hübsche lange Listen“, die dem Stadtrat zur Entscheidungsfindung vorgelegt würden. Festgehalten wurde unter anderem die Nutzungsfrequenz – und die Zahl der Geister-Fahrradfahrer. Denn: Auf dem Gehweg auf der Nordseite der Sauerlacher Straße, den sich die bevorrechtigten Fußgänger mit Radfahrern teilen, dürfen Fahrradfahrer seit August nur noch stadteinwärts (in Richtung S-Bahnhof) rollen – nicht mehr stadtauswärts in Richtung Pupplinger Au. Die Zahl der Falschfahrer sei nicht extrem hoch gewesen, bilanziert Leonhard, „aber es waren auch nicht wenige“.

Wir haben beim Landratsamt – die Sauerlacher Straße ist eine Staatsstraße – eine Fristverlängerung beantragt.“ 

Susanne Leonhard, Leiterin des Bauamts der Stadt Wolfratshausen

Bis das offizielle Testergebnis von TH und AGFK auf dem Tisch liegt, bleibt der 1,50 Meter breite Schutzstreifen unangetastet. „Wir haben beim Landratsamt – die Sauerlacher Straße ist eine Staatsstraße – eine Fristverlängerung beantragt“, erklärt die Bauamtsleiterin. Die Kreisbehörde habe dem Ansinnen stattgegeben. Hat der Stadtrat die Analyse der Hochschule und die Dokumentation der Verwaltung studiert, muss er entscheiden, ob aus dem Provisorium eine dauerhafte Lösung wird.

Die Entscheidung trifft der Stadtrat

Wie lautet Leonhards Fazit? „Aus meiner ganz persönlichen Sicht plädiere ich für die Beibehaltung des Schutzstreifens“, antwortet die Bauamtsleiterin, die auch der städtischen Arbeitsgruppe Radroutenkonzept vorsteht. Die passionierte Radlerin hat festgestellt, „dass die weißen Streifen den Autofahrern gut tun“ und das Gros der Radfahrer mittlerweile „genau weiß“, wie man sich zwischen S-Bahnhof und dem Friedhof im Stadtteil Nantwein zu verhalten hat.

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Sollte der Stadtrat für den Erhalt der Extraspur votieren, kann sich Leonhard vorstellen, auch an anderen Stellen einen einseitigen Schutzstreifen anzulegen: „Zum Beispiel auf der Königsdorfer Straße.“ Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt, das betont sie, „ist das Zukunftsmusik“. (cce)

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