Corona-Zahlen auf Mallorca steigen rasant: RKI zieht Konsequenz und macht Insel jetzt zum Risikogebiet

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Nach dem Ende des Lockdowns ging es richtig ab“: Der Wolfratshauser Fahrradhändler Dieter Landmann hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

„Bei uns geht‘s richtig ab“

Der Fahrradhandel boomt - wegen Corona 

  • vonPeter Borchers
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Viele Branchen brechen wegen Corona ein. Nicht so der Fahrradhandel. Die Händler zwischen Isar und Loisach kommen kaum hinterher. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Der eine oder andere Wirt mag sich in einer schlaflosen Nacht während des Lockdowns gefragt haben: Warum musste ich unbedingt Schnitzel verkaufen? Warum nicht Fahrräder? Tatsache ist: Bike-Händler durften schon in der bisher härtesten Phase der Corona-Krise zumindest ihre Werkstätten öffnen – sie gelten als systemrelevant. Als sie am 27. April zudem ihre Läden wieder aufsperren konnten, erlebten einige einen regelrechten Kunden-Tsunami. 

„Ja, wir haben gut zu tun“, bestätigt Andreas Kies, Chef der Bike Boutique in Bad Tölz. Ob im Gesamten tatsächlich mehr Räder als sonst aus seinem Laden rollen, sei schwer zu beurteilen, sagt Kies, „denn die Leute konnten ja auch eineinhalb Monate nichts kaufen und holen das jetzt teilweise nach“. Andererseits würden jetzt viele vor dem Hintergrund Räder kaufen, „weil sie dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren oder fahren dürfen, und dann wollen sie sich wenigstens zu Hause etwas bewegen“. Am gefragtesten sind in der Bike Boutique motorisierte Zweiräder: „Acht von zehn unserer verkauften Räder sind E-Bikes, mehrheitlich Mountainbikes.“

„Die Leute haben mit den Hufen gescharrt“

Peter Riedelsheimer, der gemeinsam mit seinem Bruder Klaus das Tölzer Traditions-Fachgeschäft gleichen Namens führt, verkauft derzeit fast alles, was zwei Räder hat: Ob Kinderradl, ein Trekking-, Touren-, City- oder Mountainbikes mit oder ohne Motor – „völlig wurscht, es geht alles weg“. Der Run sei zu erwarten gewesen, meint der Geschäftsführer, „die Leute haben mit den Hufen gescharrt. Am ersten Tag der Öffnung „wussten wir irgendwann nicht mehr, wo vorne und hinten ist“. Der Kundenansturm hat jedoch auch seine Schattenseiten: Riedelsheimer kommt mit den Nachbestellungen kaum nach: „Wir bringen die Radl ohne Strom kaum her und die mit noch weniger“ – auch weil die Hersteller ihre Produktion während des Lockdowns heruntergefahren hätten. Dabei hatte sich sein Unternehmen „gut bevorratet“, obwohl ihm das mitten in der Krise „ein paar schlaflose Nächte“ bereitete: „So einen großen Vorrat haben wir uns seit Jahren nicht zugelegt, und wir wussten ja nicht, ob wir das dann alles an den Mann bringen.“ Das „All in“ ging auf: Die Leute kaufen und kaufen.

Vor allem Mountainbikes sind sehr gefragt

Ronald Worm vom Isartaler Zweirad-Haus findet kaum Zeit für ein Telefonat, er möchte sein Klientel ja ungern vor der Tür stehen lassen. Das muss dort – geführt von Markierungen auf dem Bürgersteig – nämlich brav warten, bis es an der Reihe ist. In den Laden dürfen nur zwei Kunden auf einmal. Türen und Fenster stehen offen, damit sich die Luft ständig erneuert. „Die Auflagen erhöhen den Arbeitsaufwand“, sagt Worm, „alles dauert länger.“ Zudem habe sich die Nachfrage spürbar erhöht – insbesondere an E-Mountainbikes. Noch kann Worm sie stillen, „denn wir haben ein schönes Lager beim Grossisten und ordern auch ständig nach“. Generell sieht der Geschäftsführer das Rad in diesen Tagen auf dem Vormarsch: „Es sind unglaublich viele unterwegs. Der Radweg in die Jachenau hinter beispielsweise ist gut frequentiert.“

Einige Kunden kommen direkt aus dem Reisenbüro

Dieter Landmann hat bereits während des Lockdowns etliche Räder verkauft – online. Als er wieder Kunden in seinen Shop lassen durfte, „ging’s richtig ab“. Das schöne Wetter spielte ihm dabei im doppelten Sinn „voll in die Karten“: Einerseits würden die Leute nach dem Ende der Ausgangssperre danach lechzen, sich draußen zu bewegen. „Wenn du momentan am Wochenende Fahrrad fahren willst, brauchst ja fast schon Platzkarten“, sagt der Händler und lacht. Zudem konnte er „den schönen Hof“ vor seinem nicht allzu großen Laden als Beratungszone nutzen und den Kundenverkehr per Absperrseile sicher in den Shop leiten. Das Geschäft dürfen maximal zwei Leute betreten – bis zu einer Schranke.

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Landmann begrüßt dort gleichermaßen Stammkunden und neue Gesichter. Die plaudern nicht selten ein wenig über den Grund ihres Besuchs: Einige, erzählt der Rad-Experte, seien quasi direkt aus dem Reisebüro gekommen, wo sie sich „ihre fünf-, sechtausend Euro für die ausgefallene Kreuzfahrt zurückgeholt haben und nun sagen: ,Kaufen wir uns dafür zwei E-Bikes‘.“ Stromer gehen bei ihm am besten – der Anteil an motorisierten Bikes liegt bei 80 Prozent. Verkaufsschlager ist ein Tiefeinsteiger mit breiter Mountainbike-Bereifung – bestens geeignet für die Kieswege in der Region.

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Weil derzeit so viele (E-)Biker, darunter viele ungeübte, auf den Straßen unterwegs sind, appelliert Landmann an Radfahrer und Autofahrer, auf den jeweils anderen mehr Rücksicht zu nehmen. Der Unfall eines Radlers vor einiger Zeit bei Puppling habe gezeigt, wie schnell ein Ausflug tödlich enden kann. „Also lieber einmal öfter bremsen als zu spät.“

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