Feuerwerk
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Für ein farbenprächtiges Spektakel sorgte Alfred Fraas Firma „Pyrotissimo“ mit ihrer Hydro-Show beim White Dinner an der alten Floßlände in Wolfratshausen.

Wolfratshauser setzt auf Videomapping

Farbenprächtiges Spektakel an der Loisach: Dieser Mann steckt dahinter

  • VonPeter Borchers
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Als die Nacht über Wolfratshausen hereinbrach, wurde das White Dinner an der alten Floßlände bunt. Unsere Redaktion sprach mit dem Mann, der hinter dem Spektakel steckte.

Wolfratshausen - Wie durch Zauberhand tat sich direkt am Ufer der Loisach zum Abschluss des White Dinner eine 25 Meter breite und 10 Meter hohe Wand aus mikrofeinen Tröpfchen auf, auf die ein Beamer den weiß gekleideten Besuchern ein farbenprächtiges Spektakel projizierte (wir berichteten). Der Mann hinter dem gleichermaßen aufwendigen wie beeindruckenden Wasserfilm: Alfred Fraas, Software-Ingenieur, Staatlich geprüfter Großfeuerwerker und für seine unkonventionellen Ideen bekannter, ab und an auch belächelter Stadtrat.

Die Tage von Pyrotechnik scheinen gezählt

Der 69-Jährige mit dem Zopf und dem grauen Rauschebart ist – und dies ist gar nicht abschätzig gemeint – ein Freak. Längst im Rentenalter könnte es ruhiger angehen lassen. Aber Fraas ist multi-interessiert, handwerklich versiert, und wenn er sich in eine Sache verguckt hat, „dann beiße ich mich in sie rein, bis sie so ist, wie ich sie mir vorstelle“. Eines seiner größten Feuerwerke war jenes über dem Wasserschloss in Hohenkammer. Dauer: knapp acht Minuten. Rund zwei Wochen benötigte er, bis er am PC zur vorgegebenen Musik die passenden Blitz- und Knalleffekte gefunden und miteinander synchronisiert hatte. „Feuerwerke sind Kunst, das ist wie Komponieren“, sagt er. Nun scheint sich die Sache mit der Pyrotechnik – Stichwort Feinstaub – hierzulande langsam zu erledigen – auch wenn der Wolfratshauser etwas anderer Meinung ist, was die tatsächliche Umweltbelastung durch Feuerwerke angeht. Aber Fraas wäre nicht Fraas, hätte er nicht eine Alternative in petto: Lichtinstallationen, ebenfalls mit seiner Firma Scout Research Systems unter der Marke „Pyrotissimo“.

Initialzündung erfolgt bei einem Besuch in Brixen/Südtirol

Mit Licht hatte er „schon vor einigen Jahren im eigenen Garten herumexperimentiert“. Die Initialzündung erfolgte bei einem Besuch im südtirolerischen Brixen gemeinsam mit seiner Frau – die ihn übrigens bei all seinen, manchmal verrückten Ideen absolut unterstützt. Beide sahen dort die Musik- und Lichtshow „Solimans Traum“. Sie erzählt die Geschichte des Elefanten Soliman, ein Geschenk des portugiesischen Königs Johann III. an seinen Neffen Maximilian II. von Österreich. Auf seiner weiten Reise von Portugal nach Wien machte der Dickhäuter in Brixen Station und hinterließ in der Stadt am Fuße der Plose einen bleibenden Eindruck. Die 20-minütige Show, eine halbe Million Euro teuer, sei „phänomenal“ gewesen, schwärmt der 69-Jährige. „Danach habe ich zu meiner Frau gesagt: So etwas will ich jetzt auch machen.“

Fraas’ „ursprünglicher Gedanke“: Videomapping. „Damit lässt sich beispielsweise aus einem modernen Bürogebäude ein Barockschloss machen. Eine irre Sache“, sagt er mit leuchtenden Augen.“ Das erste Vorhaben dieser Art – die Illuminierung der Rathaus-Ostseite mit Animationen im Stil von Gemälden van Goghs scheiterte an den Pandemiebestimmungen: Die Stadt befürchtete einen Menschenauflauf. Ad acta gelegt hat Fraas das Projekt nicht: „Ich möchte das gerne noch umsetzen.“ Videomapping ist mit enormem Aufwand verbunden: „Wir haben mit unseren PCs mit schnellster Grafikkarte vier Wochen gebraucht, um die Videos, Animationen und Grafiken zu rendern.“ „Wir“ sagt Fraas, weil ihm Sohn Leo, gelernter Produktdesigner, bei diesen Arbeiten hilft.

Das Schlimmste aber ist, wenn der Laser wegen eines Defekts stehen bleibt. Dann brennt er wie ein Schweißgerät alles durch.

Alfred Fraas

Die dazu nötige Ausrüstung bedarf kräftiger Investitionen. Denn ohne Equipment keine Aufträge, ohne Aufträge keine Referenzen, ohne Referenzen keine weiteren Aufträge. Also hat der 69-Jährige investiert. Ein Beamer kostet normalerweise so viel wie ein Oberklasse-Auto. Doch hier spielte Fraas die Pandemie in die Karten, sie drückte die Preise gehörig.

Kurzzeitig hatte der 69-Jährige an den Einsatz von Lasern gedacht. Doch das ist ihm, obwohl er einen Laserschein besitzt, zu heikel. Man müsse „höllisch aufpassen“, um mit dem Strahl gebündelten Lichts keine Menschen oder spiegelnden Flächen wie Fenster zu treffen. Solche Bereiche müsse man per Software quasi ausklammern. „Das Schlimmste aber ist, wenn der Laser wegen eines Defekts stehen bleibt. Dann brennt er wie ein Schweißgerät alles durch.“ Für einen guten Apparat mit Sicherheitsmechanismus legt man aus diesem Grund locker 80 000 Euro auf den Tisch. Fraas ist „das alles zu kritisch“.

Wolfratshauser Lichtvisionär ertrug alle Rückschläge stoisch

Dann lieber die einfachere Variante – die schon kompliziert genug ist. Bei mehreren Feuerwehren fragte er an, ob die ihm eine Pumpe für die Errichtung der Wasserwand zur Verfügung stellen würden. Fehlanzeige. Ergo fuhr Fraas mal eben in die italienische Po-Ebene, um sich bei einem renommierten Hersteller eine Bewässerungspumpe – 170 Kilo schwer, Leistung drei Kubikmeter pro Minute, 13 bar Druck – zu beschaffen. Bis die das erste Wasser aus der Loisach zog, ging jedoch noch einiges kaputt und musste repariert respektive ersetzt werden. Ein Versuch mit zusätzlichem Nebel hat nicht die gewünschte Wirkung gebracht. Plötzlich war die halbe Königsdorfer Straße in weiße Wolken gehüllt. Alfred Fraas „hatte schon Sorge, dass die Polizei kommt“. Ein Passant aus England habe ihm, erzählt der Wolfratshauser, landestypisch humorig zugerufen: „Oh, I feel like being at home.“

Lichtvisionär Fraas ertrug alle Rückschläge stoisch: „Wenn ich etwas anfange, will ich es auch zu Ende bringen, dann gebe ich nicht auf.“ Das Lächeln im Gesicht vieler weiß gewandeter Menschen an der Floßlände war ihm Lohn genug für all die Mühen. (peb)

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