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Der Walnussbaum an der Edelweißstraße 22: Anwohner fürchten, dass er bald einem Neubau weichen muss. 

Offener Brief

Farchet will seine Bäume schützen

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Die Anwohner in Farchet fordern in einem offenen Brief an die Stadt ein Ende der Rodungen in Farchet. Die Bäume sollen Neubauten weichen.

Wolfratshausen – Erst wenn der Baum gefällt sei, rühme man seinen Schatten, sagt ein Sprichwort. Genau das befürchtet eine Gruppe von Farcheter Bürgern: Dass sich ihre Heimat in einen grün- und damit seelenlosen, zubetonierten Ortsteil verwandelt, sollten mit zunehmender Wohnraumverdichtung dort die Abholzungen nicht enden.

Aktuell – mit dem Ende der Schonfrist bis Oktober – würden in Farchet „viele Kahlschläge durchgeführt, um Platz für die genehmigten Bauvorhaben zu schaffen“, heißt es in einem offenen Brief der Farcheter Initiative an Bürgermeister Klaus Heilinglechner und den Stadtrat. Unterzeichnet haben ihn Claudia Jungbauer, Christl Hüttl, Hannelore und Dr. Helmut Gotthardt sowie Friede Herpich und Stefan Pszolla. Das Sextett bittet die Empfänger ihres Briefes vor dem Beginn weiterer Baumaßnahmen um einen Ortstermin.

Interessenskonflikte im Stadtrat

Im August waren die Anwohner mit dem Bund Naturschutz (BN) in Kontakt getreten, um die in Wolfratshausen fehlende Baumschutzverordnung anzusprechen. Damals habe man ihnen erklärt, so die Anlieger, „dass der BN und die Grünen „in den letzten acht Jahren viermal im Stadtrat gescheitert sind, was möglicherweise mit gewissen Interessenskonflikten zu tun haben könnte“. Da sich die Stadt nicht im Stande sehe, „eine längst überfällige Baumschutzverordnung zu erlassen“ – in Geretsried, den umliegenden Gemeinden und in München längst gängige Praxis – „wenden wir uns mit diesen Schreiben direkt an Sie. Wir wundern uns, dass selbst Bäume an Grundstücksgrenzen abgeholzt werden, obwohl man diese sehr wohl erhalten und integrieren könnte.“

Neben Bauvorhaben an der Blomberg-, Grubigstein- und und Stobäusstraße geht es der Initiative konkret um ein Bauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft: An der Edelweißstraße 22 soll ein Gebäude mit acht Wohneinheiten ein bestehendes Einfamilienhaus ersetzen. Auf diesem Grundstück stünden ein schöner alter Walnussbaum „und eine ebenso beachtliche Föhre, die man sicher in die Bauplanung hätte einbeziehen können, wären diese Bäume als erhaltenswert eingetragen“. Mit genau diesem Argument lehne die Stadt aber wiederholt eine Baumschutzverordnung ab, heißt es in dem Schreiben. „Leider werden, wie in den aktuellen Fällen, die Baumbestände in der Praxis nicht berücksichtigt. Dabei haben die Farcheter Föhren den Stadtteil schon immer geprägt.“

Nachbarn stören sich am Laub der Bäume

Ähnliches gelte für das Nachbargrundstück der Edelweißstraße 22, an dessen Grenze eine gigantische alte Linde stehe. Sie würde schon während der Bauphase ohne Schutzmaßnahme sehr leiden, fürchten die Verfasser. „Zudem werden sich die neuen Nachbarn über das Laub im Herbst ärgern“ – eine Folge der Wohnraumverdichtung: „Neubürger regen sich über die bestehende alte Bäume ihrer alt eingesessenen Nachbarn auf, weil sie Dreck verursachen und drängen deshalb auf das Entfernen der Übeltäter.“

Ob und wie die Stadt auf den offenen Brief reagieren will und warum sich die Wolfratshauser seit Jahrzehnten damit schwer tun, eine Baumschutzverordnung zu erlassen? Fragen, die unsere Zeitung Klaus Heilinglechner stellen wollte. Doch der Bürgermeister war weder am Montag noch am Dienstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Revierförster Robert Nörr dagegen schon. Er schickt voraus, dass Bäume im Stadtbereich nicht in seine Zuständigkeit fallen. Müssten Bäume dort einer Bebauung weichen, „sind Stadt, Landratsamt und hier insbesondere die Untere Naturschutzbehörde gefragt.“ Generell bedauert es Nörr „auch sehr, wenn alte Bäume im Stadtbereich Wolfratshausen gefällt werden“. Man müsse aber unterscheiden: Wenn sie – tatsächlich – aus Gründen der Verkehrssicherung gefällt werden müssten, sei dies notwendig und richtig. „Gerade in den städtischen Waldgrundstücken sind in den vergangenen Jahren viele Eschen und Kiefern abgestorben.“

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