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Peter Steinberger im Interview: Fasching wird „ein neues Gesicht bekommen“

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Bayerns Narren feiern ausgelassen
Bayerns Narren feierten bisher ausgelassen Fasching. © Symbolfoto: dpa

Die närrische Zeit könnte wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fallen. Was dazu der Präsident des Oberbayerischen Landesverbands des Bunds Deutscher Karneval, Peter Steinberger, sagt, wollte unser Mitarbeiter Dominik Stallein wissen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kann – so berichteten mehrere Medien – sich „Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie, schlicht nicht vorstellen“. In Münsing hat ein Mann bei diesen Worten genau hingehört: Peter Steinberger. Unser Mitarbeiter Dominik Stallein sprach mit dem Präsidenten des Oberbayerischen Landesverbands des Bunds Deutscher Karneval darüber, ob eine fünfte Jahreszeit ab 11. November Sinn macht.

Peter Steinberger ist Präsident des Karnevalbundes.
Peter Steinberger ist Präsident des Karnevalbundes. © Archiv

Herr Steinberger, im Fasching wird Alkohol getrunken, man schunkelt, man tanzt: Können Sie sich das während einer Pandemie vorstellen?

Es gibt natürlich bei dem, was die meisten als Fasching erleben und den derzeitigen Infektionsschutzmaßnahmen einige große Reibungspunkte. Also: Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas momentan – und auch nicht in den kommenden Monaten – möglich ist. Stellen Sie sich vor, eine Faschingsgarde mietet einen Saal mit 300 Plätzen, kann aber nur 100 Leute reinlassen, weil für das Hygienekonzept jeweils zwei Plätze frei bleiben müssen. Das ist finanziell nicht darstellbar – und schunkeln kann man mit 1,5 Meter Abstand auch nicht.

Rosenmontag ist erst Mitte Februar, wie bewerten Sie den Zeitpunkt des Vorstoßes vom Bundesgesundheitsminister?

Den Fasching schon jetzt öffentlich infrage zu stellen, kommt mir ein bisschen sehr früh vor. Über die Christkindlmärkte wird ja auch noch nicht gesprochen. Aber es ist gut und richtig, dass man sich Gedanken darüber macht, wie eine Faschingssaison 2021 aussehen könnte. Ich persönlich finde – und das ist auch die Meinung von der bayerischen Landesgruppe im Bund Deutscher Karneval – dass es einen Fasching geben sollte. Wir stehen ja nicht für Alkohol und Party wie am Ballermann, sondern vor allem für ein Brauchtum und eine jahrhundertealte Tradition. Man schafft wegen Corona nicht Weihnachten und Silvester ab. Ich bin der Meinung, dass man den Karneval nicht absagen darf. Ich glaube ganz fest daran: Es wird einen Fasching geben. Aber einen anderen, als man es gewohnt ist.

Wie stellen Sie sich das vor?

Wir planen momentan, sämtliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sausen zu lassen. Das wäre zu gefährlich und – wie schon gesagt – finanziell ein riesiges Wagnis. Mit einigen Kommunen stehen wir in Kontakt, um einen Outdoor-Fasching, wie man das Neudeutsch nennen würde, auszurichten. Auf großen öffentlichen Plätzen, wo man einen gewissen Abstand halten kann, könnte man eine Bühne aufbauen und unsere Tänzer und Garden präsentieren. Ich sage es ganz ehrlich: Ich habe in all meinen Jahren mit dem Fasching nie so viel Arbeit auf einmal gehabt wie jetzt, während der Corona-Pandemie.

Sind solche Großveranstaltungen nicht auch ein Risiko?

Natürlich braucht es für Veranstaltungen Auflagen und ein Hygienekonzept. Das alles aufzustellen und einzuhalten, halte ich aber für machbar. Natürlich braucht es dafür Arbeit, und manchmal muss man einen Spagat machen, der fast so schwer ist wie die unserer Tänzer. Aber man kann das meistern. Und ich glaube, für die Faschingsfreunde wäre es wichtig, dass wir genau das tun. Vielen Menschen geht es wegen sozialer Isolation und den vielen Auflagen bescheiden. Der Fasching mit seiner Lebensfreude, seinen Tänzen und seinen bunten Protagonisten ist eine Möglichkeit, gerade denen auch wieder etwas Freude zu bringen. Deshalb möchten wir alles versuchen, um feiern zu können. Auch, wenn der Fasching dafür in dieser Saison ein neues Gesicht bekommen wird.

dst

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