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Stemmt sich gegen den Generalverdacht: Lizenztrainerin Martina Zankl (hinten), Mitarbeiterin im Smart Workout Fitnessclub in Wolfratshausen. 

Wolfratshauser Studiobetreiber sind empört

Fitnesstrainer betatscht Kundin: Nun meldet sich eine Expertin zu Wort

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Ein Trainer soll eine Kundin beim vermessen ihrer Maße an der Brust berührt haben. Der Vorfall sexueller Belästigung sorgt für Diskussionen in Wolfratshauser Fitnessstudios. Wir haben mit Fitnesstrainerin Martina Zankl darüber gesprochen.

Wolfratshausen – Ein Fitness-Trainer aus Wolfratshausen geriet vor wenigen Tagen ins Visier der Polizei. Der Grund: Laut Aussage einer 41 Jahre alten Kundin hatte der Mann eine rote Linie überschritten. Beim Vermessen ihrer Körpermaße habe sie der Trainer an der Brust berührt und auch dort geküsst (wir berichteten). Die Frau erstattete Strafanzeige, die Polizei ermittelte wegen sexueller Belästigung. Doch nachdem sich der Fitnesstrainer einige Stunden nach dem Vorfall bei der 41-Jährigen entschuldigt hatte, zog diese ihre Anzeige offiziell zurück. „Für uns ist der Fall damit abgeschlossen“, sagt Hauptkommissar Steffen Frühauf.

Für Annita und Michael Denk, Geschäftsführerin beziehungsweise Berater des im Oktober 1998 gegründeten Smart Workout Fitnessclubs im Wolfratshauser Gewerbegebiet, noch nicht. Dass die Polizei aus Datenschutzgründen „Ross und Reiter nicht nennt“, empört das Ehepaar. Ein „schwarzes Schaf“ bringe die ganze Branche in Misskredit, bedauert Denks Mitarbeiterin Martina Zankl. Viele Kunden seien misstrauisch geworden: Geschah der Übergriff vielleicht in dem Fitnessstudio, das ich besuche?

Die Polizei hüllt sich auch auf Nachfrage unserer Zeitung in Schweigen. Sie gibt weder den Namen des Studios, geschweige denn den des Trainers preis. Aus juristischer Sicht ist das korrekt: Die namentliche Nennung eines (mutmaßlichen) Täters wäre ein schwerwiegender Eingriff in dessen Persönlichkeitsrecht. Insbesondere aufgrund der grundsätzlich geltenden Unschuldsvermutung ist Zurückhaltung bei der Namensnennung geboten. „So geraten wir leider alle unter Generalverdacht“, sagt Martina Zankl im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 52-jährige Lizenztrainerin ist seit Jugendtagen in der Fitnessbranche tätig und war viele Jahre selbstständig. „Ganz klare Regel: So etwas darf zwischen Trainer und Kundin nicht passieren“, betont die Geretsriederin mit Blick auf den Vorwurf der sexuellen Belästigung. „Es ist auch ganz egal, welche Signale eine Kundin vielleicht aussendet – das hat ein Trainer komplett auszublenden, er hat ganz einfach professionell zu arbeiten.“

In Geretsried kann man sich im Bewegungsparcours fit halten. Wir haben ihn getestet.

In der Regel sei es bei der Erfassung der Körpermaße nicht erforderlich, einer Kundin körperlich sehr nahe zu kommen. „Dafür gibt’s moderne Technik, sprich einen Körperscanner.“ Sollte es nötig sein, im buchstäblichen Sinne Hand anzulegen, „sagt man das dem Kunden vorher an“, erklärt Zankl. Und: Im Smart Workout Fitnessclub werde darauf geachtet, dass Körpervermessungen „bei Frauen eine Trainerin macht und kein Trainer“. Das würde von Kundinnen erfreut zur Kenntnis genommen. „Viele junge Frauen, die zu uns kommen, wollen ja etwas an ihrem Körper ändern. Sie sind häufig unsicher – und das wird bestimmt nicht besser, wenn sie gleich beim ersten Mal mit einem durchtrainierten Mann zu tun haben.“ Zudem seien Trainer und Kundin nie alleine. „Wir sind auch am Abend immer mehrere Trainerinnen und Trainer hier, unser Empfang ist immer besetzt“, berichtet die 52-Jährige.

Zankl empfiehlt, bei der Auswahl eines Fitnessstudios genau hinzusehen. Gibt’s Bewertungen im Internet? Gibt’s Freunde oder Bekannte, von deren Erfahrungen man profitieren kann? Jungen Frauen, die sich nicht sicher sind, rät sie, das Studio beim ersten Mal gemeinsam mit einer Freundin zu besuchen. „Dann macht man sich in Ruhe ein Bild vom Klientel und den Trainern. Hat man ein gutes Gefühl, hat man das richtige Fitnessstudio für sich persönlich gefunden.“

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Natürlich werde im Kollegenkreis viel über den Fall, den die Wolfratshauser Polizei öffentlich machte, gesprochen „und spekuliert“. Auch von Kunden sei sie auf den Zeitungsartikel angesprochen worden. Zankl beteuert: „In einem professionell betriebenen Fitnessstudio mit gut ausgebildetem Personal ist dieses Thema kein Thema.“

cce

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