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Historische Zeugnisse: Flößervereins-Vorsitzende Gabriele Rüth händigte Stadtarchivar Simon Kalleder vier Kladden mit alten Flößerdokumenten aus.

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Flößerverein übergibt Stadtarchiv historische Dokumente

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Sie können Aufschluss über allgemein- und flößergeschichtliches geben: Der Flößerverein hat dem Stadtarchiv historische Dokumente aus dem Besitz von Otto-Ernst Holthaus übergeben. Die Papiere sind „sehr wertvoll“.

Wolfratshausen – Stellen Sie sich Folgendes vor: In ferner Zukunft stößt ein Geschichtswissenschaftler auf einen Stoß Mautpickerl für die Brennerautobahn samt einem Datenträger mit Fakten der Verkehrsbewegungen auf dieser Nord-Süd-Achse im Jahr 2018. Mag das interessant, gar ein Fest für den Experten sein? Für Stadtarchivar Simon Kalleder war es das jedenfalls, als Gabriele Rüth ihm am Montag einen Stapel sehr alter Dokumente über die Flößerei in Wolfratshausen aushändigte. Sie sind nicht die ersten Aufzeichnungen dieser Art, die das Stadtarchiv verwahrt, „aber sie schließen Lücken“, freut sich Kalleder. „Deshalb sind sie sehr wertvoll für uns.“

Die Papiere stammen aus dem Besitz von Otto-Ernst Holthaus. Die Erben alter Flößerfamilien hatten sie ihm einst überlassen. Holthaus zeigte sie als Exponate in der Flößerstube, die der Geschäftsmann Mitte der 1970er-Jahre in der dritten Etage seines Isar-Kaufhauses am Untermarkt eingerichtet hatte. Der Raum wich später einer Erweiterung des Warensortiments. Von da an schlummerten die Bücher in Holthaus’ Heim. Kürzlich überließ der ehemalige Kaufmann – selbst Mitglied des Wolfratshauser Flößervereins – die Dokumente seiner Vereinsvorsitzenden Rüth. Die wiederum reichte sie nun an Kalleder weiter. „Wo“, fragt sie, „sind solch wertvollen Dokumente besser aufgehoben als in diesem wunderbaren Stadtarchiv?“

Kalleder, diplomierter Historiker mit Schwerpunkt auf bayerischer Geschichte, wird sich die vier Kladden, gefüllt mit festem, mit Wasserzeichen versehenem Büttenpapier in den kommenden Wochen genau ansehen. Was er aber auf den ersten Blick sagen kann: Bei einem der Papiere handele es sich um eine Floßmeisterordnung. Dann seien es hauptsächlich Rechnungen und Protokolle der Flößerzunft – „beispielsweise wer was an wen gezahlt hat“.

Kalleder ist in der Lage, die verschnörkelten, für Normalsterbliche schwer zu entziffernden Zeilen lesen. „Das lernt man an der Uni, vor allem aber in der Praxis“, sagt der Fachmann. Die verwendete Kurrentschrift war noch vor Sütterlin, der Schrift unserer (Ur-)Großeltern, in Verwendung. Auch das deutet auf das Alter der übergebenen Schriftstücke hin. „Das älteste stammt von 1750 und ist sogar die Abschrift eines Dokuments von 1640.“

Man könne sicher viele Informationen aus den Papieren ziehen, nicht nur die Namen der damaligen Flößer, ahnt der Stadtarchivar. Er holt eine Seite hervor: „Hier, 1705/06, die Zeit der Sendlinger Mordweihnacht, des Spanischen Erbfolgekriegs und der Besetzung Bayerns durch Österreich.“ Wenn man die Informationen aus den Büchern nun mit denen anderer Jahre vergleiche, lasse sich womöglich herauslesen, „wie sich diese Ereignisse auf das Flößerhandwerk ausgewirkt haben“. Oder 1874: Eine Gesamtabrechnung aus diesem Jahr dokumentiert, dass 3864 Flöße Wolfratshausen passierten. Querdenken ist bei dieser Arbeit durchaus gefragt: Der Vermerk einer Zahlung von 24 Gulden an die Stangenträger, so Kalleder, sei beispielsweise ein Nachweis eines Sebastiani-Umgangs, also einer Prozession, im Jahr 1710. Und darauf, dass es damals schon Prozessionsstangen gab, also älter als die heute verwendeten.

Auch Gabriele Rüth glaubt, dass sich in den Blättern „einiges Wichtiges“ finden wird – „allgemein- und auch flößergeschichtlich“. Die Chefin des Flößervereins wünscht sich, dass noch mehr dieser Dokumente aus den Kellern und Speichern von an der Loisach lebenden Familien auftauchen. Wer dergleichen findet, sollte es im Stadtarchiv abgeben, so Rüths Bitte. Dort säßen Experten, die die Bücher auswerten können, „und dort herrschen die besten Bedingungen, um sie zu lagern“.

peb

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