Ein Mann vor Holzstämmen.
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„Die Hoffnung stirbt zuletzt“: Der Wolfratshauser Floßmeister Josef Seitner hat für dieses Jahr bereits die ersten Buchungen.

Ein Interview mit Josef Seitner

Floßfahrten auf Isar und Loisach 2021: So lautet die Prognose des Wolfratshauser Floßmeisters

Die Floßsaison 2020 fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Derzeit geht der Wolfratshauser Floßmeister Josef Seitner nicht davon aus, dass heuer am 1. Mai - dem traditionellen Starttermin - ein Holzgefährt ablegen wird.

Wolfratshausen – Die Floßsaison 2020 ist wegen der Corona-Pandemie komplett ausgefallen. Die angelaufene Impfung gegen das Virus lässt Floßmeister Josef Seitner hoffen, dass es heuer wieder Fahrten geben wird. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein erklärt er, wie weit die Vorbereitungen für einen Neustart sind und welchen Ratschlag er Impfgegnern geben würde.

Herr Seitner, wie geht’s Ihnen?

Was soll ich sagen? Ich glaube, alle Menschen leiden unter der Situation. Das ist zwar nicht schön, aber weil es alle betrifft, ist das Leiden ein bisserl leichter, als wenn man ganz alleine damit wäre.

Für Ihren Betrieb ist die Corona-Pandemie besonders einschneidend: Im vergangenen Jahr ist kein einziges Floß zu Wasser gegangen. Haben Sie Hoffnung, dass sie heuer wieder fahren können?

Hoffnung habe ich natürlich. Vor allem der Impfstoff macht mich zuversichtlicher, dass dieses Jahr wieder besser für uns läuft. Man könnte die Impfungen als Licht am Ende des Tunnels sehen. Wie schnell das nun vorwärts geht und wann die Impfquoten ausreichend hoch sind, weiß ich natürlich nicht und eine verlässliche Prognose gibt es auch nicht. Aber ich hoffe, dass es bis zum Sommer soweit ist und wir wieder ablegen dürfen.

Das heißt, die traditionelle erste Fahrt am 1. Mai fällt ins Wasser?

Ich gehe davon aus, ja. So schnell wird es nicht funktionieren. Natürlich kann sich – das hat die Pandemie ja bislang gezeigt – aber alles ganz schnell ändern. Ich setze meine Hoffnung darauf, dass der Impfstoff bald ausreicht, um die gesamte Bevölkerung zu impfen und wir die Pandemie eingedämmt kriegen. Dann steht einer Floßfahrt nichts mehr im Weg.

Es gibt viele Menschen, die eine Impfung ablehnen oder zumindest große Zweifel haben.

Denen würde ich empfehlen, einmal in die Krankenhäuser zu gehen und zu schauen, wie es da zugeht. Da wären die meisten Impfgegner aber ganz schnell bekehrt. Es gibt bei jeder Impfung kleinere Nebenwirkungen, aber die sind nichts im Vergleich zu den Auswirkungen der Krankheiten.

Wie haben Sie die Pandemie samt Floßfahr-Verbot bisher überstanden?

Lustig war’s natürlich nicht. Auch wirtschaftlich ist die Zeit ein großer Einschnitt. Das erste Jahr ohne Floßbetrieb haben wir zwar irgendwie überstanden, aber ob das ein zweites Mal funktioniert, weiß ich nicht. Zumindest würde es knapp werden, und es wird immer schwerer, die Einbußen abzufangen. Auch deshalb habe ich die große Hoffnung, dass wir Mitte des Jahres wieder ablegen können und zumindest einen Teil der Floßsaison bis Mitte September mitnehmen.

Sind Sie denn schon vorbereitet?

Selbstverständlich. Ungefähr 80 Prozent der Vorbereitungen haben wir schon hinter uns, wie immer zu dieser Jahreszeit. Ein paar kleinere Sachen stehen noch an, die Ruder zum Beispiel. Aber die Stämme liegen schon an der Floßlände bereit und warten mit mir zusammen darauf, dass es wieder losgeht.

Was dann noch fehlt, sind die Gäste. Gibt es in Zeiten der Pandemie Interessenten für eine Floßfahrt?

Wir haben schon viele Buchungen, und ich habe das Gefühl, dass die Leute sich darauf freuen. Man spürt so einen Optimismus, dass wir diese harte Zeit langsam hinter uns lassen könnten. Bis es so weit ist, müssen wir halt noch ein bisschen abwarten und sehen, wie sich alles entwickelt. Es ist wie immer im Leben: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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