+++ Eilmeldung +++

Bei TV-Arbeiten zusammengebrochen: SPD-Politiker Thomas Oppermann ist tot

Bei TV-Arbeiten zusammengebrochen: SPD-Politiker Thomas Oppermann ist tot
Eine Floßrutsche in einem Fluss
+
Die Floßrutsche auf der Ostseite des Kastenmühlwehrs: Die Stadt Wolfratshausen hat eine Wiederinbetriebnahme prüfen lassen – seit 1999 ist die Floßrutsche ungenutzt.

Ertüchtigung der alten Floßrutsche

Floßfahrten in Wolfratshausen: Ingenieure melden Bedenken an

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
    schließen

Die Floßrutsche am Kastenmühlwehr in Wolfratshausen ist seit 1999 ungenutzt. Das soll sich nach Meinung von Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) ändern. Doch laut Experten würde es ein sehr kostspieliges Unterfangen.

  • 1999 passierte das bis heute letzte Holzgefährt die Floßrutsche in der Loisach.
  • Das möchte der Kulturreferent des Wolfratshauser Stadtrats ändern.
  • Die Flößer-Betriebe haben bereits abgewunken, jetzt liegt die Machbarkeitsstudie eines Planungsbüros auf dem Tisch.

Wolfratshausen – Die Floßrutsche am Kastenmühlwehr ist eine Art Industriedenkmal. Seit 1999 ist sie ungenutzt. Das will der Kulturreferent des Stadtrats, Alfred Fraas (CSU), wie berichtet ändern. Fraas will die Flößerei im Herzen der internationalen Flößerstadt „erlebbar“ machen. Dazu gehören für ihn Floßfahrten über die Loisach durch die Altstadt – doch zu diesem Zweck müsste die Rutsche am Kastenmühlwehr fahrbar gemacht werden. Ein kostspieliges Unterfangen, wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses bekannt gab.

Flößerbetriebe haben kein Intresse, die Loisach zu befahren

Der Vorstoß von Fraas ist nicht unumstritten. 16 Räte votierten im Sommer 2018 für eine Machbarkeitsstudie, acht stimmten dagegen. Die Kritiker bezweifeln die Nutzen-Kosten-Rechnung. „Da fließt viel Geld, ohne dass wir wissen, ob sich ein Floßbetrieb findet“, meinte Gerlinde Berchtold (SPD) seinerzeit. Denn bis dato lehnen es die zwei Wolfratshauser Floßbetriebe ab, die Loisach zwischen dem neuen Gewerbegebiet und der Floßlände in Weidach zu befahren. Fraas ließ sich davon nicht ins Bockshorn jagen. „Ein erfahrener Flößer wird die Flöße fahren“, kündigte er an – ohne konkreter zu werden.

Kosten sind laut Bürgermeister „nur grob geschätzt“

Gut 22 000 Euro hat die Machbarkeitsstudie gekostet. Das Ergebnis: Die „Revitalisierung“ der Floßrutsche würde nach einer ersten Schätzung mit rund 112 000 Euro zu Buche schlagen. Nicht im Preis enthalten sind laut Rathauschef „die Kosten für etwaige Begleit- oder Ausgleichsaufwendungen aus naturschutzfachlichen Forderungen sowie etwaige Aufwendungen für den Ausgleich von Erzeugungsausfall“ des Stromkraftwerks in Weidach. Nicht zu vergessen: Etwa 12 000 Euro müsste die Kommune pro Jahr für den Unterhalt der Floßrutsche aufwenden.

Die Prüfung der Inbetriebnahme der Floßrutsche erfolgte durch das Ingenieurbüro „m4“ in München. „Der uns vorliegende Bericht untersucht im Kern die technischen Randbedingungen für eine Reaktivierung des Floßbetriebs unmittelbar am Kastenmühlwehr“, so der Bürgermeister. Bewertet worden sei das Vorhaben aus wasserbaulich-technischer Sicht – und die Kosten seien „grob abgeschätzt“ worden.

Ökologische Aspekte blieben bei der Untersuchung unberücksichtigt, naturschutzrechtliche Aspekte laut Heilinglechner „zunächst ausgeklammert“. Diese müssten bei einer vertieften Prüfung von Fachfirmen „gesondert betrachtet und beurteilt werden“. Der Rathauschef legte Wert auf die Feststellung: „Bitte beachten sie, dass das Ergebnis der Untersuchung keine Abschätzung der Genehmigungsfähigkeit für das erforderliche wasserrechtliche Verfahren beinhaltet.“

Nötig wären „umfangreiche Baggerarbeiten“

Den hydraulischen Anforderungen, so die Experten von „m4“, würde die Rutsche entsprechen. Einfahrt, Neigung, Ausbildung im Längsschnitt et cetera „sind gut für eine Durchfahrt mit Flößen geeignet“. Aber: Aufgrund der sogenannten Sohllage im Unterwasser und der damit verbundenen Blockade der Ausfahrt sei das Passieren der Rutsche eben nicht möglich.

Wie ließe sich die Funktionsfähigkeit wieder herstellen? „Durch umfangreiche Baggerarbeiten“, lautet die Antwort der Münchner Ingenieure. Unter anderem müsste die Kiesbank am östlichen Loisachufer weitgehend entfernt werden. In diesem Fall müsste „das unterwasserseitige Ende der Floßrutsche überprüft und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch saniert werden“, schlussfolgern die Experten. Allerdings sei „aus wasserbaulicher Sicht eine erneute Verlandung in diesem Bereich unvermeidbar“.

Die Ingenieure kommen zu dem Ergebnis: Unter Beachtung der Kiesbänke und naturschutzfachlichen Randbedingungen, das heißt, dem Einfluss von wiederholten Baggerarbeiten sowie dem Abstau der Loisach „kann eine Reaktivierung der Floßrutsche ohne umfassende Planungs- und Baumaßnahme nicht als nachhaltige Lösung empfohlen werden“. Als „umfassende Baumaßnahme“ kommt für „m4“ in Frage: der Umbau des Kastenmühlwehrs beziehungsweise die Neupositionierung der Floßrutsche. Die Stadträte nahmen die Informationen zur Kenntnis. Eine Debatte über das weitere Vorgehen erfolgte nicht. (cce)

Lesen Sie auch: Landratsamt wundert sich - Stadtrat Fraas beantragte Floßfahrten auf der Loisach nicht.

Auch interessant

Kommentare