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Auch in der B- und C-Klasse fiebern Woche für Woche viele Fans mit ihren Vereinen mit. Der TSV Königsdorf setzt auf den eigenen Nachwuchs, um an glorreiche Zeiten anknüpfen zu können. 

Der Fluchtweg führt nach oben

Wolfratshausen  - Sie haben schon bessere Tage erlebt. Das soll sich ändern. Viele Fußballvereine in der B- und C-Klasse wollen an alte Erfolge anknüpfen

Auch in der B- und C-Klasse wird – eher unbeachtet von der großen Öffentlichkeit und der Presse – Woche für Woche Fußball gespielt, werden Siege gefeiert und Niederlagen mit einer Halben Bier heruntergespült. Dabei tummeln sich in den untersten Ligen durchaus Vereine, die schon bessere Zeiten erlebt haben.

Zum Beispiel der SV Gelting, der in der Saison 1983/84 sogar in der damaligen A-Klasse (heute: Kreisliga) vertreten war. Damals kamen zahlreiche Zuschauer zu den Partien, heute verlieren sich höchstens noch zehn Fans am Sportgelände an der Leitenstraße. Abteilungsleiter Henrik Günther ist über den Absturz in die niedrigste Spielklasse nicht gerade erfreut: „Aber was soll ich machen? Wir können den Verein doch nicht einfach auflösen.“ Und er fügt scherzhaft hinzu: „Wir hätten zum Saisonende schon viel erreicht, wenn wir nicht Letzter werden.“ Ein Sieg und neun Niederlagen ist die schaurige Bilanz vor der Winterpause; 49 Mal musste SVG-Torhüter Ferdinand Karolus schon hinter sich greifen. Ein paar Neuzugänge würden Michael Eidenschink, der im Sommer Christian Tuth als Trainer abgelöst hat, schon weiterhelfen. Günther zuckt mit den Schultern: „Wir spielen in der C-Klasse ganz unten. Wer sollte da in der Winterpause zu uns kommen? Ich will einfach versuchen, unser Team im Spielbetrieb zu halten.“

Nicht viel besser ergeht es derzeit dem 1. FC Weidach. Der kleinste Wolfratshauser Fußballverein hat ein schönes Sportgelände, ein schmuckes Heim und eine perfekt funktionierende Abteilung mit einem sehr engagierten Vorsitzenden Stefan Meyer. Sportlich allerdings läuft es für die Mannschaft von Trainer Ivan Lipovcan – er löste im Sommer Helmut Moser ab – nicht gut: Der FCW ist in der B-Klasse auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht. „Natürlich bin ich damit nicht zufrieden, aber wir mussten nach dem Trainerwechsel vieles umkrempeln. Und das dauert halt“, sagt Meyer. Seit sieben Jahren verfolge man das Konzept, eigene Jugendspieler in den Herrenbereich zu bringen. „Aber da fehlt halt jetzt noch das letzte Dipferl.“ Die Torhüterposition scheint die größte Baustelle zu sein, denn hier gab es seit Jahren kein Eigengewächs mehr. Trotzdem ist die Stimmung in Weidach gut. Meyer: „Wir sind geduldig und stehen voll hinter unserem Trainer.“ Der Weihnachtswunsch des Klubchefs: „Dass wir in der B-Klasse bleiben und unseren Weg mit Eigengewächsen weitergehen.“

Auf einem guten Weg nach oben ist der TSV Königsdorf. Abteilungsleiter Martin Fiechtner nennt einen der Gründe: „Unser Trainer Robert Springer ist selbst viele Jahre beim TSV im Tor gestanden. Er hat die Mannschaft gut im Griff, kann den Spielern alles sehr gut vermitteln und ist bei ihnen geschätzt.“ Diese Erkenntnis spiegelt sich auch in der Tabelle der B-Klasse 5 wider: Der frühere Kreisligist liegt nur vier Punkte hinter Spitzenreiter Seeshaupt zurück und hat mit 52 Toren einen schussgewaltigen Sturm. Max Höcher hat bereits 17 Treffer auf dem Konto, dazu gibt es mit Bernd Seestaller (7), Florian Dietrich, Tobias Meixner und Stefan Pfadisch (je 5) weitere torgefährliche Leute. Außerdem ist der TSV in acht Partien auf eigenem Platz ungeschlagen. Fiechtner hofft, dass seine Fußballer nach der Winterpause eine Schippe draufpacken, um die Rückkehr in die A-Klasse perfekt zu machen: „Wir haben uns sportlich stark verbessert, müssen aber diese Überlegenheit noch öfter in Punkte umwandeln. Falls nicht unvorhergesehene Dinge geschehen, sollte der zweite Platz drin sein. Und der berechtigt ja auch zum direkten Aufstieg.“

Besonders tief gestürzt ist der TSV Wolfratshausen. In den 1960er Jahren noch in der Landesliga vertreten, später viele Jahre in der Bezirks- und Kreisliga beheimatet, sind die Wölfe zuletzt in die B-Klasse abgestiegen. Nach dem Rücktritt des langjährigen Abteilungsleiters Thomas Metz und seines Stellvertreters Jochen Langenau hat sich eine komplett neue Riege gefunden, die den Traditionsverein wieder in ruhigere Gewässer lenken will. Immerhin hat man mit Guido Herberth einen erfahrenen Trainer verpflichtet, der zuvor unter anderem beim BCF Wolfratshausen, im Nachwuchs des FC Bayern München und zuletzt beim Kreisliga-Aufsteiger FC Penzberg tätig war. Die Hinrunde verlief positiv bis durchwachsen, so dass die Wölfe nach sieben Siegen, drei Unentschieden und drei Niederlagen Rang fünf zieren. Ob es für den sofortigen Wiederaufstieg reichen wird, darf angesichts von acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter TSV Hofolding bezweifelt werden. Das gibt auch der neue Abteilungsleiter Christian Leipold unumwunden zu: „Aber Platz zwei, der ebenfalls zum direkten Aufstieg berechtigt, ist für uns auf jeden Fall realistisch. Zumal wir Kontakt zu Spielern haben, die uns verstärken könnten.“

Heinz Richter

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