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Glückliche Sana: Dank Erwin Braukmann (li.) und seiner Helfer hat das Mädchen (rechts ihr Onkel) ein funktionstüchtiges Fahrrad.

„Kannst Du schrauben ?“

Flüchtlinge helfen mit: Radlwerkstatt am Loisachbogen

Wolfratshausen – Immer mehr Flüchtlinge helfen mit: Die ehrenamtliche Radlwerkstatt am Loisachbogen kommt gut an.

Die kleine Sana strahlt. Glücklich schwingt sich das junge Mädchen auf ihr neues Kinderfahrrad, das Erwin Braukmann für sie hergerichtet hat. Seit einigen Wochen betreibt Braukmann in Wolfratshausen ehrenamtlich eine Werkstatt, in der er alte und neue Drahtesel für Flüchtlinge wieder straßentauglich macht. „53 Stück haben wir jetzt bereits fertig gemacht“, berichtet der Rentner. „Über 45 haben wir schon an Asylbewerber herausgegeben.“

Leider haben nicht alle Radl lange gehalten. Ein Asylbewerber besucht Braukmanns Werkstatt am Loisachbogen. An seinem Fahrrad fehlt einiges. Der Großteil der Reflektoren ist nicht mehr in den Speichen oder an den Pedalen, seine Bremse funktioniert nur schwach. „Manche Asylbewerber gehen nicht so wertschätzend mit den Fahrrädern um, wie wir uns das wünschen würden“, erläutert Uwe Mehner, wie Braukmann Mitglied im Wolfratshauser Helferkreis.

„Kannst Du schrauben?“, fragt Braukmann den Radbesitzer. Der zuckt mit den Schultern – er versteht noch wenig Deutsch. Ein Begleiter übersetzt die Frage für ihn. „Er kann es, ja“, erhält Braukmann zur Antwort. Daraufhin vereinbart er einen Termin mit dem jungen Mann, um das Fahrrad wieder auf Vordermann zu bringen. „Für die Asylbewerber wäre es leichter, einfach ein neues Radl zu fordern“, sagt Braukmann. Damit sie die Drahtesel in Zukunft besser wertschätzen, lässt Braukmann die Besitzer aber bei schweren oder fahrlässigen Schäden bei der Reparatur helfen.

Einige Wolfratshauser Flüchtlinge besuchen die Fahrradwerkstatt sogar regelmäßig, um für sich oder andere straßentaugliche Stücke zusammenzubauen. „Das ist toll“, findet Mehner. „So haben sie in ihrer Freizeit eine sinnvolle Beschäftigung.“ Dass den Helfern die Arbeit Spaß macht, sieht man allein daran, dass einige von ihnen mittlerweile ihre Freunde mitbringen.

Zwei Jugendliche aus der Unisono-Wohngruppe an der Landwirtschaftsschule sind gerade in der Werkstatt. Sie spannen gemeinsam einen neuen Schlauch auf ein Rad. „Wir versuchen am Anfang, mit leichteren Aufgaben zu prüfen, wie viel die Helfer können“, berichtet Braukmann. „Nicht jeder hat Vorkenntnisse.“

Das betrifft nicht nur das Handwerk. Auch das Fahrradfahren müssen manche Asylbewerber lernen. Aus der Werkstatt gibt er kein Fahrrad heraus, wenn er sich nicht zuvor vergewissert hat, ob die zukünftigen Besitzer damit umgehen können. Jeder Asylbewerber braucht zudem einen Berechtigungsschein für das Rad. Außerdem erhält jeder eine Broschüre mit der Straßenverkehrsordnung in der jeweiligen Landessprache.

Ursprünglich reparierten Braukmann und sein Team die Fahrräder in einem Kellerraum der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Allerdings waren dort Lager- und Arbeitsraum getrennt. „Wenn ich in das Lager wollte, musste ich jedes Mal den Hausmeister bitten, aufzusperren“, erinnert sich der freiwillige Handwerker. Deshalb ist er in den Sommermonaten umgezogen. Nun nutzt er drei Garagen, die zum ehemaligen Pfarrheim am Loisachbogen gehören.

Da bereits über 50 Räder fertig sind, hoffen die Ehrenamtlichen auf Fahrradspenden. „Wir haben nicht die finanziellen Mittel, um Räder zu kaufen“, sagt er. Wichtig ist nur, dass die Drahtesel mit überschaubarem Aufwand wieder funktionstüchtig gemacht werden können. Vor allem Kinderräder, -anhänger und Laufräder brauchen die Schrauberlinge dringend.

Info: Spender wenden sich an Erwin Braukmann. Er ist unter der Telefonnummer 01 63/ 7 62 28 10 erreichbar.

dst

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