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Lebensrettung an der Loisach: Vor dem Wirtshaus Flößerei zogen Kunden und Angestellte einen Buben (11) aus dem Wasser, der nicht schwimmen konnte. Sein Freund (14) trieb weiter, bis ihn ein Münchner entdeckte.

Passanten reagieren vorbildlich 

Flüchtlingsbuben aus reißender Loisach gerettet

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Wolfratshausen – Sie hätten keine Minute später eingreifen dürfen: Aufmerksame Passanten haben zwei Kindern in Wolfratshausen das Leben gerettet. Die Buben waren in die Loisach gestürzt und mitgerissen worden. Der Retter war zufällig in der Stadt.

Am Abend vor seiner Bandscheibenoperation will Alexander Schoßmann (45) nochmal raus. Der Münchner ist ein bisschen nervös vor dem Routineeingriff in der Wolfratshauser Kreisklinik. Seine Ehefrau und seine vierjährige Tochter sind bei ihm, sie spazieren gemeinsam durch die Stadt. Am Loisachufer in der Nähe der Innenstadt endet das Idyll. Es ist Mittwoch um 17 Uhr. Die Familie gerät in eine dramatische Rettungsaktion, bei der Alexander Schoßmann selbst zum Lebensretter wird.

„Es dauert, bis man so eine Situation erkennt“, sagt der Diplom-Ingenieur im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dann reagiert man in Sekundenbruchteilen.“ Er steht mit seiner Familie am Sebastianisteg, einer Holzbrücke über die Loisach. Rechts von ihm, am Ufer vor dem Wirtshaus Flößerei, kauern mehrere Personen an einer Steintreppe und ziehen einen strampelnden Buben (11) aus der Loisach. Da erkennt Schoßmann links von sich einen weiteren Buben flussabwärts im Wasser treiben. Leblos, mit dem Gesicht nach unten. Wie sich später herausstellt, sind die Kinder syrische Asylbewerber.

Schoßmann rennt zum Ufer und springt ins Wasser. Seine Schuhe streift er noch ab, die Jeans und das Poloshirt behält er an. Er packt den Buben (14) und zieht ihn zusammen mit einem hinzugeeilten Wolfratshauser (28) ans Ufer. Es ist eine Rettung in letzter Minute.

Die Buben haben vor dem Unglück etwa 60 Meter flussaufwärts an der alten Floßlände gespielt. So schildert es die Polizei. An Ufersteinen rutschen sie aus und fallen in die Loisach, die wegen der starken Regenfälle in den vorigen Wochen viel Wasser führt. Die Kinder, die mit ihren Eltern in einer Asylbewerberunterkunft in Wolfratshausen leben, können nicht schwimmen. Die Strömung reißt sie mit. Freunde am Ufer laufen nebenher und rufen um Hilfe.

Im Biergarten des Wirtshauses Flößerei am Loisachufer werden eine Bedienung und eine Kundin aufmerksam. Die Wolfratshauserin (38), die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, springt ins Wasser und zieht den Elfjährigen ans Ufer. Der 14-Jährige treibt unbemerkt weiter, bis ihn Alexander Schoßmann entdeckt. „Zum Glück waren so viele hilfsbereite Menschen vor Ort“, sagt der Retter. „Es gab ein ganzes Helferteam, ohne die das nicht so glücklich ausgegangen wäre.“

Nach Erste-Hilfe-Maßnahmen bringt das Bayerische Rote Kreuz die Kinder zur Beobachtung ins Krankenhaus nach Starnberg. In ihren Lungen befindet sich Wasser. Die gute Nachricht: Sie werden wieder ganz gesund. „Die beiden Kinder hatten Glück im Unglück“, sagt Polizeihauptkommissar Christian Neubert.

Im Wirtshaus-Biergarten ist die Rettung noch lange Gesprächsthema. Mit einem Handtuch um die Schultern sitzt Schoßmann im Biergarten. Er bekommt einen Wurstsalat. Der Koch leiht ihm Jeans und T-Shirt. Die Operation am nächsten Tag verläuft ohne Komplikationen.

dor

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