Zwei Kunden hatte Karin Kolitisch von Mariannes Miedereck seit Donnerstag.
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Zwei Kunden hatte Karin Kolitisch von Mariannes Miedereck seit Donnerstag.

Besuch in der Innenstadt

Folge der Corona-Notbremse: Kundenfrequenz in Geretsried und Wolfratshausen tendiert gegen Null

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Seit Donnerstag greift im Landkreis die Corona-Notbremse. Wer shoppen möchte, muss nicht nur einen Termin vereinbaren, sondern auch negativ getestet sein – das hat Folgen für den Einzelhandel.

Wolfratshausen/Geretsried – Kein Schaden ohne Nutzen: Einen freien Parkplatz zu finden, ist derzeit weder in Wolfratshausen noch in Geretsried schwer. Die Kundenfrequenz in den Innenstädten tendiert gegen Null. Wer eine Einkaufstasche bei sich trägt, hat darin Lebensmittel oder andere Produkte des täglichen Bedarfs. Was nicht wirklich dringend gebraucht wird, findet sich nicht auf der Einkaufsliste. Eine Ausnahme ist Melanie Renz. „Wenn meine kleine Tochter aus ihren Schuhen herausgewachsen ist, geht es nicht anders, dann müssen neue her“, sagt sie. Statt im Internet einzukaufen, nimmt die 36-Jährige lieber die Corona-Test-Prozedur auf sich. Denn: „Wir sollten die regionalen Geschäfte unterstützen, wo es gerade geht.“

Neue Schuhe für die Kleine: Melanie Renz unterstützt den örtlichen Einzelhandel.

Ähnlich sieht das Marlene Mauss aus Geretsried. Ihre Zauberformel heißt „vorausschauende Planung“. Als sich abzeichnete, dass die Regeln verschärft werden, habe sie bestimmte Produkte „bereits im Vorfeld besorgt“. Das Angenehme mit dem Nützlichen – ein Rollo am Haus muss ersetzt werden – verbinden Barbara und Ludwig Schiller. Beide lassen sich an der neuen Station in den Räumen des Kosmetikstudios Jungbrunnen in Wolfratshausen testen. „So können wir im Anschluss noch etwas Shoppen gehen.“ Die Eheleute – Barbara Schiller ist 74 Jahre alt, ihr Mann Ludwig 73 – sind zwar bereits geimpft, „doch einen negativen Corona-Test brauchen wir zum Shoppen ja trotzdem“.

Geimpft und getestet: Barbara und Ludwig Schiller auf Einkaufstour.

Wie die Senioren mit der Situation umgehen, darüber macht sich Karin Kolitisch von Mariannes Miedereck in Geretsried viele Gedanken. „Wir haben eine Apotheke, die testet, und dazu das Testzentrum des BRK an der Sudetenstraße“, so die 41-Jährige. „Viele Senioren sind gar nicht so mobil, dass sie den Weg zum Testen problemlos hinter sich bringen.“ Nur zwei Kunden hatte Kolitsch seit am Donnerstag die Notbremse gegriffen hat. Nun überlegt sie, ihre Öffnungszeiten zu reduzieren. Nicht besser sieht es bei Juwelier Frankenberger in Geretsried aus. „Ich hatte seit Donnerstag vergangener Woche nur einen“, sagt Josef Frankenberger. Zwar hält der Goldschmiedemeister im Geschäft und der Werkstatt die Stellung, „aber kostendeckend arbeiten kann ich so auch nicht.“

Dieses Schicksal teilt Stefan Fischer vom Trachtenmodegeschäft Fischer-Pfügl in Wolfratshausen. Auch in seinem Schaufenster prangt ein Schild, das auf den zwingend notwendigen Corona-Negativ-Nachweis aufmerksam macht. Zwar könne man Selbsttests für die Kunden vorhalten, aber „wie soll man das, abgesehen von den zusätzlichen Kosten, am besten händeln?“. Dieses Problem sieht auch Gabriele Jehl, Mitarbeiterin im Bekleidungsgeschäft Poco Loco – eines von drei Geschäften in der Wolfratshauser Innenstadt, die Ines Boodevaar betreibt. „Im Geschäft dürfen wir nicht testen. Was wäre, wenn Corona-positiv angezeigt wird?“ Zudem: „Bis der eine Test abgeschlossen ist, müssten unsere Kunden vor der Türe stehen und warten.“ Also müssen auch hier die Kunden den Negativ-Bescheid selbst mitbringen.

Begrüßt die neuen Teststationen: Fritz Schnaller vor seinem Antiquitätenladen.

Fritz Schnaller vom Antiquitätengeschäft in der Marktstraße konnte am Samstag zwar mehrere Kunden begrüßen, die Frage, wie es weitergeht, kann er aber nicht beantworten. „Ich warte auf die nächsten Entscheidungen.“ Dass es in der Loisachstadt weitere Teststationen gibt, begrüßt er ausdrücklich. „Es ist eine Chance für alle – egal ob für die Geschäftsinhaber, unsere Bürger oder Auswärtige. Hingehen, testen lassen und dann überall einkaufen.“

sh

Das Isar-Kaufhaus hat bereits die Konsequenz gezogen: Dort gibt es kein „Click und Meet“ mit Test.

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