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Der eine darf, der andere nicht: Armin Pawliczek (Mi.), Kreisbrandmeister für Atemschutz, mit Bartträger Peter Hartmann und Nicht-Bartträger Anian Stocker. 

Modisches Accessoire ein Sicherheitsrisiko

Freiwillige Feuerwehr: Atemschutzträger müssen zur Rasur

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Bärte sind angesagt und beliebt. Bei Atemschutzträger der Freiwilligen Feuerwehr sind sie aber Tabu.  

Bad Tölz-Wolfratshausen – Egal ob kurz oder lang – der Vollbart wird in der Männerwelt immer beliebter, gilt mittlerweile als modisches Accessoire. Doch Mode hin oder her – für die Atemschutzträger der Feuerwehr heißt es zu ihrer eigenen Sicherheit „Bart ab“.

Der Grund liegt auf der Hand: Behaarung, egal ob Koteletten oder Backenbart – alles, was im Bereich der Dichtlinie der Atemschutzmaske wächst, kann ihren Sitz gefährden. „Dabei geht es nicht nur um Dichtigkeit, sondern auch darum, dass die Maske leichter verrutschen kann“, gibt Kreisbrandmeister Armin Pawliczek, selbst bartlos und seit über 20 Jahren Atemschutzausbilder des Landkreises, zu bedenken. Er verweist auf die Feuerwehrdienstvorschrift: „Hier steht ganz klar, dass Bartträger ungeeignet sind, ebenso Feuerwehrkameraden, bei denen aufgrund tiefer Narben oder der Kopfform kein ausreichender Maskendichtsitz erreicht werden kann.“

Gearbeitet wird mit Überdrucktechnik. Sprich, der Luftdruck in der Maske ist leicht höher als der in der äußeren Umgebung. So soll verhindert werden, dass bei einem Leck Schadstoffe eindringen können. Besagte stärkere Gesichtsbehaarung aber sorgt für diese Undichtigkeit – und somit für einen schnelleren Verbrauch der Luft.

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„Was für uns natürlich auch bedeuten würde, dass wir mehr Kräfte bräuchten, da wir die Leute früher austauschen müssen“, sagt Erik Machowski, Erster Kommandant der Geretsrieder Wehr. Zudem muss auch ausreichend Zeit für den Rückzug aus der Gefahrenzone einkalkuliert werden. „Ist die Maske undicht, bringt sich sein Träger sekundär selbst in Gefahr.“ Machowski trägt selbst Vollbart: „Damit dürfte ich nicht unter Atemschutz gehen.“

Der Feuerwehr-Chef setzt auf die Eigenverantwortung seiner Kräfte. „Unsere Atemschutzträger sind hier sehr diszipliniert“, lobt er. Das kann Wolfgang Stahl, Oberbrandmeister und Kommandant der Tölzer Wehr, nur bestätigen. „Wenn sich ein Kamerad bewusst für den Atemschutz entschieden hat, dann macht er das mit allen Konsequenzen. Da gehört der Verzicht auf Vollbart eben dazu.“

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Zudem liegt der Einsatz eines Atemschutzträgers mit Gesichtsbehaarung auch in der Entscheidungsgewalt des Kommandanten: Hat dieser das Gefühl, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, kann er sein Veto einlegen.

Doch wie sieht es in der Praxis aus? Wie alt darf ein Bart sein? Was ist mit einem beliebten Drei-Tage-Bart? „Kommt darauf an, wie stark der jeweilige Bartwuchs ist“, so Pawliczek. Diese Meinung vertritt auch der Erste Kommandant der Feuerwehr Wolfratshausen, Andreas Spohn. „Der eine sieht schon nach zwei Tagen aus wie ein Bär, beim andere bemerkt man auch nach 14 Tagen kaum etwas.“ Und immer hundertprozentig glatt rasiert zu sein, sei schier unmöglich. „Angenommen, ein Feuerwehrmann rasiert sich morgens vor der Arbeit“, bringt Spohn als Beispiel. „Wenn dann am nächsten Tag gegen 5 Uhr früh alarmiert wird – nun, bis dahin ist der Bart ja auch schon wieder nachgewachsen.“ Allerdings stellen diese Stoppeln keine Gefahr dar. „Durch das feste Anliegen der Maske“, so Stahl, „werden diese regelrecht in die Haut gedrückt.“

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Und dann sind da ja auch noch die Feuerwehrkameraden. „Angenommen“, sinniert Machowski, „ein Bartträger und ein Nicht-Bartträger sind zusammen als Trupp im Einsatz und müssen verfrüht wieder umkehren, weil dem einen die Luft ausgegangen ist – was wird da wohl passieren?“ Der Kommandant lacht und meint: „Der wird im Anschluss mit Sicherheit auf andere Art rasiert.“

sh

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Kommentare

steve
(0)(1)

Jaaaa, der Haar- und Barterlass bei der Bundeswehr, das waren noch Zeiten (1998).