1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

„Frieden ist noch lange nicht“: Wolfratshauser gedenken der Kriegstoten

Erstellt:

Von: Carl-Christian Eick

Kommentare

Volkstrauertag
Im Gedenken an die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft legten der Wolfratshauser Bürgermeister, Vertreter aller Parteien und politischen Gruppierungen sowie von zahlreichen Vereinen am Sonntag Kränze am Marienbrunnen nieder. © Hans Lippert

Am Volkstrauertag ist auch in der Stadt Wolfratshausen der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht worden. Die Gebirgsschützen waren mit einer Ehrenformation vertreten.

Wolfratshausen – „Ich hatt’ einen Kameraden“: Bürgermeister, Vertreter aller Partien und politischen Gruppierungen sowie Vertreter von Wolfratshauser Vereinen und Organisationen haben am Volkstrauertag der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht. Den musikalischen Rahmen setzten auf dem Marienplatz die Stadtkapelle und der Chor „Sommer Sound“.

„Frieden und Freiheit sind die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz“, zitierte Rathauschef Klaus Heilinglechner den ersten Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer. Heilinglechner erinnerte an die gut 60 Millionen Tote, die der von Nazi-Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg forderte. Er gedachte aber auch „der Männer und Frauen, die ihren Widerstand gegen die Diktatur mit ihrem Leben büßen mussten“. Stellvertretend nannte Heilinglechner Sophie Scholl, Mitglied der Weißen Rose, die im Alter von 21 Jahren „dem Fallbeil der nationalsozialistischen Terrorjustiz zum Opfer fiel“.

Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen, nicht ignorieren, relativieren oder umdeuten. Die einzige Möglichkeit, die uns bleibt, ist dafür einzutreten, dass sich Krieg und Diktatur nicht mehr wiederholen können.

Klaus Heilinglechner, Bürgermeister von Wolfratshausen

Auch am Volkstrauertag, „auch jetzt, während wir uns zu einer stillen Stunde des Innehaltens, der Trauer und des Erinnerns versammelt haben, kämpfen woanders Menschen um ihr Leben oder sind in ihrer Freiheit bedroht“, so Heilinglechner. Die Konflikte dieser Welt „werden uns jeden Abend frei Haus mit der Tagesschau ins Wohnzimmer geliefert“. Noch immer seien Flüchtlingsströme unterwegs, die eines deutlich machen würden: „Frieden ist noch lange nicht“.

Bürgermeister: Volkstrauertag hat nichts von seiner Bedeutung verloren

Der Volkstrauertag habe nichts von seiner Bedeutung verloren, betonte der Bürgermeister. Es gelte, die Opfer von Kriegen und Terror vor dem Vergessen zu bewahren. „Denn wenn niemand mehr an sie denkt, dann sind sie endgültig tot.“ Der Volkstrauertag setze ein Zeichen – „und er fragt danach, welche Schlüsse sich aus der Vergangenheit ziehen lassen; er fragt, wo wir heute stehen und welche Werte uns wichtig sind“. Das Geschehene könne nicht ungeschehen gemacht werden, es lasse sich nicht ignorieren, nicht relativieren und nicht umdeuten: „Die einzige Möglichkeit, die uns bleibt, ist dafür einzutreten, dass sich Krieg und Diktatur nicht mehr wiederholen können.“ Heilinglechner mahnte, den Anfängen zu wehren: „Heute erleben wir vielfach, wie sich manchmal schon in unseren Dörfern und Städten roher Streit und Missgunst wegen zum Teil nichtiger Anlässe herausbilden. Das sollte uns aufmerksam machen, und wir sollten uns gegen solche Entwicklungen stellen – bei allem notwendigen Ringen um richtige Wege und zukunftsweisende Entscheidungen“.

Das Gedenken am Volkstrauertag sensibilisiere dafür, „bedrohliche Entwicklungen oder die Verharmlosung von Gewalt rechtzeitig zu erkennen“, sagte Heilinglechner. Ein Gedenken, „das sich der Geschichte stellt und daraus Rückschlüsse zieht, sensibilisiert dafür, jeden Menschen zu achten, ungeachtet seiner Herkunft und seiner Konfession, es sensibilisiert dafür, Frieden und Freiheit hoch zu schätzen“.

Wolfratshausen: Geistlichkeit erinnert an gefallene Bundeswehrsoldaten

Die evangelische Pfarrerin Elke Eilert und Dekan Gerhard Beham erwähnten in den Fürbitten ausdrücklich die Soldaten der Bundeswehr, die bei Auslandseinsätzen ihr Leben ließen, sowie die Opfer von extremistischer Gewalt. Nach dem gemeinsamen Vater-Unser-Gebet legten Bürgermeister, Stadträte sowie Vertreter zahlreicher Vereine gemeinsam einen Kranz vor dem Marienbrunnen nieder.

Jeweils einen eigenen Kranz legten traditionell der Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D’Loisachtaler und die Gebirgsschützenkompanie (GSK) Wolfratshausen nieder. Die GSK beteiligte sich wie jedes Jahr mit einer Ehrenformation am Volkstrauertag. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die Wolfratshauser Grünen wie berichtet eine „Entmilitarisierung“ der Gedenkfeier gefordert und die Gebirgsschützen dazu aufgerufen, ihre Waffen zuhause zu lassen.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.)

Auch interessant

Kommentare