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Alle Hände voll zu tun hatten die beiden Brüder David und Imanuel Köthnig sowie Lehrer Dr. Sebastian Schauberger (v. l.) bei der Entsorgung alter Holzböden. 

Badehaus Waldram-Föhrenwald

Frühaufsteher am Kolpingplatz

Wolfratshausen – Es war ein Großeinsatz auf der Badehaus-Baustelle: Ickinger Gymnasiasten rissen die alten Holzböden heraus.

Rund 600 Arbeitsstunden haben die Mitglieder des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ bereits geleistet. Ihr Ziel: das sanierungsbedürftige Gebäude am Kolpingplatz soweit herzurichten, dass dort ein Dokumentations- und Begegnungszentrum entstehen kann (wir berichteten). Nun bekamen die Freiwilligen Unterstützung von Schülern des Ickinger Günter-Stöhr-Gymnasiums. Zusammen mit ihrem Geschichtslehrer Dr. Sebastian Schauberger machten sich die sechs Gymnasiasten am Samstag ab 9 Uhr morgens ans Werk. Ihre Aufgabe erforderte vollen körperlichen Einsatz, galt es doch, die alten Holzböden im ganzen Haus herauszureißen und abzutransportieren.

„Das Günter-Stöhr-Gymnasium war die erste Schule, die sich unserem Verein anschloss“, sagte Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft. Bereits vor einigen Monaten entstand in einem P-Seminar der Q 11 die Idee, einen 20-minütigen Dokumentarfilm zur Geschichte des ehemaligen Lagers Föhrenwald zu drehen. Rund 10 000 Überlebende des Holocaust fanden dort nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze oder längere Zeit eine neue Heimat.

In den Ausstellungsräumen werden vier Zeitschichten im Mittelpunkt stehen: Beginnend von der Nutzung des Badehauses als nationalsozialistisches Arbeitslager für die nahegelegenen Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst in den Jahren 1939/40 über den KZ-Todesmarsch 1945 und das Camp für jüdische Displaced Persons (DPs) bis hin zur Siedlung für Heimatvertriebene in den 1950er und 1960er Jahren soll ein umfassendes Bild zur Geschichte des einstigen Lagers Föhrenwald entstehen.

„Beim Festakt zum 70. Jahrestag der Gründung des Lagers haben unsere Schüler den Zeitzeugen Chaim Bukszpan vor einer Videokamera interviewt“, berichtete Schauberger. Der polnische Jude Bukszpan hatte das Konzentrationslager Buchenwald überlebt und hielt sich dann von 1953 bis 1956 in Föhrenwald auf. „Leider wurde das Filmprojekt von der Schule finanziell nicht unterstützt. Wir müssen die notwendigen Mittel selbst auftreiben“, bedauerte der P-Seminar-Leiter.

Dass die Schüler nicht nur recherchieren und Quellen sichten, sondern auch vor Ort körperlich schwere Arbeit leisten, begrüßte Krafft. „Das ist ein perfektes Zusammenspiel von Kopf- und Handarbeit“, lobte die Vorsitzende des Badehaus-Vereins. P-Seminar-Teilnehmer Quirin Heene hat die Aufarbeitung der Waldramer Geschichte von Beginn an interessiert. „Man hört sonst ja eher wenig über die Geschichte von DP-Lagern. Ich halte es für wichtig, dass sich auch junge Menschen damit auseinandersetzen.“

Handwerklich angeleitet wurden die sechs jungen Helfer vom Vorsitzenden der Waldramer Siedlungsgemeinschaft, Wolfgang Saal, sowie dem 80-jährigen Energiebündel Karlheinz Rauh. „Alt und Jung harmonieren bestens. Wir spüren, wie der Stab der Erinnerung weitergereicht wird“, freute sich Krafft. Dass es nicht immer einfach ist, Schüler frühmorgens an einem Wochenende zu unentgeltlicher ehrenamtlicher Arbeit zu motivieren, räumte Lehrer Schauberger freilich ein: „Normalerweise kriegst du die nicht am Samstagmorgen auf die Baustelle“, wunderte sich der Pädagoge.

Peter Herrmann

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