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Es grünt und blüht: Zumindest im Gewächshaus von Claudia von Jagemann (li., auf dem Foto mit Tanja Reindl) ist der Frühling voll ausgebrochen. Bis die Blumen nach draußen dürfen, dauert es aber noch.

Langer Winter bereitet Probleme

Der Frühling zickt: Wetter setzt Autofahrern, Gärtnern und Vögeln zu

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Noch im März ist‘s eiskalt, der Frühling mag nicht so recht: Der lange Winter macht im Landkreis vielen zu schaffen: Vögel, Gärtner und Autofahrer leiden darunter. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Winter geht in die Verlängerung – dem Frühlingsanfang und den flehenden Blicken vieler Sonnenhungriger zum Trotz. In einigen Regionen der Republik war es mit deutlichen Minusgraden an einem 17. März so kalt wie nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Und der liegt viele, viele Jahrzehnte zurück.

Etwa 2800 Tonnen Streusalz hat die Wolfratshauser Straßenmeisterei bislang auf die Fahrbahnen in ihrem Zuständigkeitsbereich rieseln lassen. Damit habe man den Rekord von 2010, als das Auftaumittel knapp wurde, zwar nicht geknackt, sagt Leiter Jürgen Neidhardt. „Aber wir haben überdurchschnittlich viel verbraucht.“

Problem seien nicht die Schneemengen an sich gewesen, sondern der häufige Wechsel zwischen warmer, kalter und feuchter Witterung. „Solange wir keine trockenen Straßen haben, was beispielsweise im Wald lange dauert, müssen wir halt immer wieder raus“, erklärt Neidhardt. Und wenn der Winter in die dritte Overtime geht? „Dann sind wir vorbereitet.“ Rund 350 Tonnen Streusalz lagern noch in den Wolfratshauser Hallen, und der stete Blick auf den Wetterbericht gehört für Neidhardt und seine Leute „zum Geschäft“. Der Chef selbst ist den Schnee übrigens noch nicht leid: „Ich bin ein Winterkind“, sagt er. „Obwohl ich den Wechsel der Jahreszeiten schon auch mag.“

Winterreifen von O bis O

Anfang der Woche sorgte der neuerliche Wintereinbruch bei der Wolfratshauser Polizei für reichlich Arbeit: Elf Unfälle mit mehreren Verletzten ereigneten sich am Dienstag im Nordlandkreis. Einige Fahrer unterschätzten die Witterung – und waren bereits mit Sommerreifen unterwegs. Karl-Heinz Kaiser, Betreiber der Reparaturwerkstatt „Kalles Halle“ in Geretsried, rät Autofahrern dazu, mit der Umrüstung zu warten: „Mindestens bis Mitte April sollte man auf Winterreifen fahren.“ Grundsätzlich können sich Autofahrer an der „O bis O“-Regel orientieren: Von Oktober bis Ostern sollten Winterpneus auf den Felgen bleiben. „Teilweise ist es sinnvoll, sogar noch länger zu warten“, sagt der 46-Jährige. Er selbst sei im vergangenen Jahr „noch im Mai“ auf eisglatter Fahrbahn nach Murnau gefahren. „Das sind zwar Ausnahmen, aber die mehren sich in den letzten Jahren.“

Selbst, wenn die Temperaturen schon im Februar steigen, sei mit verspätetem Schnee und Eis auf den Fahrbahnen immer zu rechnen. Das sei glücklicherweise den meisten Autofahrern bewusst: „Weil der Winter immer später kommt, rüsten die meisten Leute später auf Sommerreifen um.“ Auch Kaisers Kunden handeln bislang vernünftig: „Wir haben zwar neue Sommerreifen bestellt, aber noch an keinem Auto angebracht.“

Schon vor einiger Zeit hat der Frühling in der Gärtnerei von Jagemann in Thanning Einzug gehalten. Auf 4000 Quadratmetern grünt und blüht es. Stiefmütterchen, Primeln, Vergissmeinnicht, Bellis, Hyazinthen und vieles mehr wartet in den Gewächshäusern des Familienbetriebs auf Auslieferung. „Viele Kunden sind willig und wollten schon ihre Gräber auf den Friedhöfen neu bepflanzen“, berichtet Claudia von Jagemann. Doch davon hat die Gärtnerin abgeraten. Nachts fallen die Temperaturen auf minus zehn Grad – das halten die Pflanzen nicht aus.

Stadt verschiebt Blumenbestellung

So sei aufgrund der Witterung die Blumenbestellung der Stadt Wolfratshausen für die Verkehrsinseln auf nächste Woche verschoben worden. Wer trotzdem schon ein bisschen voreilig war und sich mit Blumen eingedeckt hat, dem empfiehlt von Jagemann: „Mit Zeitung oder Flies abdecken, aber keinesfalls mit Plastikfolie.“

Zumindest die Vögel sind bereits am Zwitschern. Allerdings nicht so sehr, wie sie es bei wärmeren Temperaturen tun würden, sagt Walter Wintersberger von der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV). „Wenn es zehn bis 15 Grad hätte, dann wäre das ein ganz anderes Konzert.“ Dass die Tiere dennoch singen, hänge mit dem Licht zusammen. „Aber im Moment ist das noch recht zurückhaltend.“

Bereits hören könne man Amseln, Drosseln und Rotkehlchen, die schon jetzt ihre Territorien abstecken und Weibchen anlocken möchten. „Normalerweise wären schon mehr Tiere da“, sagt Wintersberg. Derzeit stecken diese im Bodenseeraum fest, da es dort milder sei. Man nennt dies Zugstau. „Für diese Gegend ist es ein Schauspiel, weil so viele Singvögel nun dort rasten und warten, bis sie ihren Zug fortsetzen können.“ Einige Vögel, die bereits im Landkreis sind, fliegen noch einmal in wärmere Gegenden zurück – zumindest, wenn die Kälte länger andauert.

Vögel sollten gefüttert werden

Wer den Vögeln helfen will, kann sie füttern. „Das wäre förderlich“, sagt Wintersberger. Denn Insekten sind bei Frost kaum unterwegs. Die Zitronenfalter und Hummeln, die zeitweise schon zu entdecken waren, haben sich wieder zurückgezogen. Aber, sagt der LBV-Experte: „Die halten das aus. Die Natur weiß, wie sie auch mit solchen Kälteeinbrüchen umgeht.“

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