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Für eine ganze Reihe von Vergehen musste sich jetzt ein Wolfratshauser (27) vor Gericht verantworten. 

Angeklagter greift Rentner-Ehepaar an

Fünf Delikte in wenigen Minuten

Wolfratshausen - Beleidigung, versuchte Körperverletzung, Nötigung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung: Für alle diese Delikte brauchte ein Wolfratshauser nur wenige Minuten. Jetzt wurde er vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 

Der Angeklagte war extrem angespannt. Er strich sich immer wieder fahrig mit den Händen über den Kopf, rutschte auf dem Stuhl hin und her. Er stammelte unverständliche Wörter. Dann fasste er seinen Zorn in einem Satz zusammen: „So einen Blödsinn habe ich lange nicht mehr gehört.“ Für den „Blödsinn“ hält das Strafgesetzbuch viele Begriffe bereit: Beleidigung, versuchte Körperverletzung, versuchte Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Das waren summa summarum die Delikte, die dem 27 Jahre alten Waldramer zur Last gelegt wurden. Laut Staatsanwaltschaft begangen an einem einzigen Tag binnen weniger Minuten.

Der Angeklagte erklärt die Vorwürfe für "Blödsinn"

Am 26. März dieses Jahres geriet der Beschuldigte auf der Straße mit einer Nachbarin aneinander. Er soll die 73 Jahre alte Rentnerin mit „Du Sau“ und „Du Schlampe“ beleidigt und anschließend mehrmals geschubst haben. Die Frau wollte ins Haus flüchten, der Mann lief ihr nach. An der Haustür kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem 80-jährigen Ehemann, der den Eindringling mittels seines Gehstocks schließlich vertreiben konnte. „Dann schien erst mal alles gegessen“, berichtete der Rentner in der Verhandlung dem Amtsrichter. „Denkste!“ Nachdem die Haustür zugeschlagen war, „kam er durchs Toilettenfenster reingekrochen. Er streckte seinen ganzen Oberkörper durchs Fenster“, so der 80-Jährige. Bei dieser halsbrecherischen Aktion gingen zwei Blumentöpfe zu Bruch. „Den Blumentopf habe ich umgestoßen. Da bin ich vielleicht zu weit gegangen“, räumte der Angeklagte ein. Alle anderen Vorwürfe stritt er dagegen ab. Er habe die Frau auf der Straße „nur gefragt, was sie schon wieder von mir will“, weil es „ständig Gemeckere gab“.

Angeblich ging ihm das Gemeckere des Rentnerpaars auf die Nerven

Als die Zeugin ihre Erlebnisse vor Gericht noch einmal detailliert schilderte, äffte der Angeklagte die 73-Jährige nach. Er zählte mit den Fingern und brüllte plötzlich los: „Das ist die 25. Lüge.“ Die Zeugin hatte ihn bezichtigt, den Fotoapparat, den er am Tattag aus der Jackentasche gefingert hatte, um sie zu fotografieren, gestohlen zu haben. Der Angeklagte brüllte unverdrossen weiter, der Richter wurde laut. „Das hat keinen Zweck, am besten wir brechen ab“, schnaufte der Angeklagte. Der Richter nahm die Kamera an sich. Der Angeklagte beruhigte sich. Die Verhandlung konnte fortgesetzt werden.

Noch am Tag vor der Verhandlung hatte der junge Mann gedroht

So war es schon zweimal zuvor geschehen, als der 27-Jährige wegen ähnlich gelagerter Vorwürfe an gleicher Stelle saß. Bisher war er mit Geldstrafen davongekommen. Damit war es diesmal nicht getan. Richter Helmut Berger verurteilte den Wolfratshauser zu sechs Monaten Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung. Strafverschärfend wirkte sich aus, dass der 27-Jährige seine Nachbarn am Tag vor der Verhandlung bedroht hatte, „auf keinen Fall diese Lügen vor Gericht auszupacken“. Als Auflage muss der Verurteilte 80 Stunden Sozialdienst ableisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Rudi Stallein

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